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Potsdam Potsdam im Zeichen des Kirchentags
Lokales Potsdam Potsdam im Zeichen des Kirchentags
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20:26 25.05.2017
Etwa 400 Gläubige nahmen gestern am Himmelfahrtsgottesdienst im Babelsberger Park teil. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Der Evangelische Kirchentag Berlin-Wittenberg – Motto: „Du siehst mich“ – hat eine enorme Ausstrahlung auf Potsdam. Tausende Gäste halten sich derzeit in der Stadt auf. „Zwischen 3000 und 4000 Menschen“, schätzt Superintendent Joachim Zehner, der den Gemeinden und vielen ehrenamtlichen Helfern dankte.

Zu den Höhepunkten des Kirchentags in Potsdam zählte am Donnerstag neben den Diskussionsveranstaltungen im Landtag und der Nikolaikirche der Himmelfahrtsgottesdienst im Schlosspark Babelsberg. Obwohl die Havel nicht der See Genezareth ist, kam es doch zu einer wundersamen Vermehrung. „Vor zwölf Jahren saßen hier nur 50 Leute beim Himmelfahrtsgottesdienst auf Bänkchen im Kreis; diesmal sind es etwa 400“, sagte Oberlin-Pfarrer Matthias Amme, der mit anderen Pfarrern die Feier gestaltete.

Die Klinikclowns Vitamine und Roberta betreuten die Kinder während des Gottesdienstes. Quelle: Bernd Gartenschläger

Nah dran an den Menschen war man allemal. Fröhliche Kanufahrer winkten den Gläubigen vom Wasser aus zu, während auf dem Parkweg Gruppen von Herrentagsradlern vorbei flitzten. Neben Potsdamer Gemeindemitgliedern hatten auch Kirchentagsbesucher den Park angesteuert. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) begrüßte die Gäste: „Ich hoffe, Sie bedauern es nicht, dass Sie in Potsdam statt in Berlin untergebracht sind, und begreifen es als Chance, eine der schönsten Städte Deutschlands kennenzulernen.“

Der Gottesdienst unter freiem Himmel hatte eine schöne musikalische Umrahmung. Quelle: Bernd Gartenschläger

Viele sind bei Gastfamilien untergekommen. Außerdem trudelten am Mittwoch Reisegruppen aus ganz Deutschland in sieben Potsdamer Schulen ein. Dabei handelte es sich nicht immer zwingend um Jugendgruppen. Manchmal fängt mit 66 Jahren das (Kirchentags-)Leben erst so richtig an: Arnim Heyden, 66-jähriger Ex-Mathematik- und Religionslehrer aus Hessen, hat am Mittwochnachmittag seinen Schlafsack in einem Klassenzimmer der Comenius-Schule am Brauhausberg ausgerollt.

Arnim Heyden (2.v.r.) mit anderen Kirchentagsteilnehmern aus Nordhessen. Vorne in der Mitte das „Küken“ der Gruppe: Judith (11). Quelle: Bernd Gartenschläger

Dass er sich bis Sonntag den Raum mit einer vierköpfigen Familie und noch etlichen anderen Kirchentagsteilnehmern aus dem Großraum der nordhessischen 18 000-Einwohner-Stadt Bad Wildungen teilen wird – kein Problem. Die kleinen Tische und Stühle hat man an die Wand gestellt. Dicht an dicht bedecken aufblasbare Matratzen, Feldbetten und Iso-Matten den Boden. Für den Einzelnen bedeutet das „zwei Quadratmeter und ein bisschen Luft nach oben“, scherzt ein Reisender.

Beim Himmelfahrtsgottesdienst gab es diesmal einen Besucherrekord. Quelle: Bernd Gartenschläger

Wo andere Sehnsucht nach Privatsphäre bekommen, blüht Arnim Heyden auf: „Als Lehrer brauche ich das Klassenzimmer“, flachst er. Dass er auf ein Kirchentagsquartier bei einer Gastfamilie verzichtet hat, liegt an seinem Freiheitsdrang. Soll heißen: Morgens einfach in Richtung Berlin ausschwärmen zu können und erst spätabends zurückkommen zu müssen. Der Ex-Pädagoge ist Kirchentagsveteran und seit 1973 regelmäßig mit dabei. Was ihn lockt? „Fast jeder Politiker hält hier eine Predigt.“ Eine Potsdamer Stadtbesichtigung hat er nicht eingeplant; zu reichhaltig ist das Festprogramm. Judith – mit elf Jahren das Küken der großen Kirchentagsgruppe aus Hessen – freut sich auf das Großstadterlebnis: „Ich wollte immer schon mal nach Berlin.“

Termine am Freitag

9.30 bis 10.30 Uhr, St. Nikolai: Bibelarbeit mit Klimaforscher Ottmar Edenhofer.


11 bis 13 Uhr, Nikolaikirche: Planspiel „Keep Cool – ein Spiel zum Klimawandel“.

11 bis 12.30 Uhr, Nikolaikirche: Konzert „Musik ohne Grenzen“.

11 bis 13 Uhr, Landtag,
Plenarsaal: „HateSpeech – Mit Worten fängt es an?“

15 bis 18 Uhr, Alter Markt: Kundgebung: „Dem Kirchentag den Marsch blasen – gegen protestantischen Arbeitsethos und den Wiederaufbau der Garnisonkirche“.

Dorthin zu kommen, ist für manche Gäste allerdings nicht ganz unproblematisch. „Am Zustand der Straßen sieht man, ob eine Stadt behindertenfreundlich ist oder nicht“, sagt Angela Koch aus dem bayerischen Zandt, während sie den Rollstuhl ihrer 84-jährigen Mutter vorsichtig den steilen Gehweg an der Straße am Brauhausberg hinuntermanövriert. Die Strecke zum Bahnhof ist wegen der löchrigen Pflasterung ein kleiner Hindernislauf. Das Quartier selbst finden Mutter Ingeborg und Tochter Angela hingegen top. Die Nikolaigemeinde betreut während des Kirchentreffens die Comenius-Schule, wo auch Gäste mit Handicap einquartiert sind. Acht Pflegebetten hat man in den Klassenräumen aufgestellt.

Auf dem Weg zum Bahnhof staunen beide darüber, wie grün Potsdam ist: „Das hätten wir so nicht erwartet.“ Ingeborg Koch ist die Vorfreude auf den Eröffnungsgottesdienst deutlich anzumerken. So beschwerlich die Anreise für sie auch sein mag, will sie das Erlebnis Kirchentag doch nie missen. „Man trifft so viele nette Leute und sieht so viel Neues“, schwärmt die alte Dame: „Irgendwie fühlt man sie wie neugeboren.“

Von Ildiko Röd

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