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Potsdam ist um einen halben See reicher

Groß Glienicker See Potsdam ist um einen halben See reicher

Das Land Brandenburg hat der Landeshauptstadt Potsdam eine Hälfte des Groß Glienicker Sees vermacht. Mit der Übergabe wächst Potsdam um 36 Hektar Wasser und zwei namenlose Inseln und muss nun drei Herausforderungen meistern: Pegel, Bakterien und Barrikaden.

Groß Glienicke, An der Seepromenade 52.4601291 13.105943
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Den Groß Glienicker See – hier der frisch aufgeschüttete Sandstrand an der Badewiese – teilen sich Berlin und Potsdam.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Groß Glienicke. Berlin war schneller. Noch zu Wowereits Zeiten haben die Nachbarn ihre Hälfte des Groß Glienicker Sees vom Bund übernommen. Dabei wollte die Hauptstadt zunächst gar nichts wissen von dem kleinen Gewässer jwd – bis das rote Spandau Druck beim Genossen Regierenden machte.

Auch Groß Glienicke hat Druck gemacht. 2003 freiwillig nach Potsdam eingemeindet und dafür mit einer satten Prämie bedacht, war dort schnell klar, dass mit dem Geld etwas Sinnvolles für die Allgemeinheit geschaffen werden sollte: eine öffentliche Uferlandschaft am Groß Glienicker See, ein Ort der Erholung und der Begegnung. Dazu sollte auch der See selbst gehören.

Am Mittwoch nun war es endlich soweit: Finanzminister Christian Görke (Linke) übereignete den See der Landeshauptstadt Potsdam, für die Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) und Ortvorsteher Winfried Sträter (Bürgerbündnis) durch den frisch aufgeschütteten Zuckersand ans Ufer der Badewiese getreten waren. „Ein Geschenk zum 750. Geburtstag von Groß Glienicke“, sagte Jakobs, „ein Tag der Freude“ ergänzte Sträter: „Wir werden jetzt mit der Stadt und auch mit Spandau gemeinsam überlegen, was für den See richtig und wichtig ist.“

Die drängendsten Punkte auf der Agenda sind altbekannt: der Pegel, die Bakterien und die Barrikaden. Seit Jahren schon sinkt der Spiegel des 66 Hektar großen Sees. Dennoch sind Wolkenbrüche wie am Donnerstag und Freitag vergangener Woche nicht unbedingt ein Segen: Dann steigt zwar der Pegel, aber durch die Einspülung von Regenwasser und ungeklärten Abwässern auch die mikrobielle Belastung. Vor allem der Berliner See-Teil ist davon betroffen – gerade erst hat das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) dazu geraten, aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes für ein bis zwei Wochen nicht im Groß Glienicker See zu baden.

Männer am See

Männer am See: Finanzminister Christian Görke, Oberbürgermeister Jann Jakobs und Groß Glienickes Ortsvorsteher Winfried Sträter (v.l.)

Quelle: Nadine Fabian

Kummer bereitet zudem seit Jahren, dass die Wege am Ufer nicht komplett öffentlich zugänglich sind. „Es gibt noch immer zwei Sperrer“, sagt Sträter. „Und noch immer laufen um die 20 Enteignungsverfahren.“ Der Unmut im Ort sei groß: „Uns geht das alles viel zu langsam. Wir brauchen endlich eine Entscheidung.“ Im Januar habe die Stadt erneut mit Ufereigentümern Gespräche geführt. Die Landeshauptstadt sei „bis zum äußersten Punkt der Kompromissfähigkeit kompromissbereit“, so Sträter. „Im Prinzip ist man sich mit den meisten einig.“ Weil viele Anrainer aber den Ausgang des Enteignungsverfahrens abwarten wollen, sei es allerdings noch zu keiner Unterschrift gekommen. Taktisch nennt der Oberbürgermeister dieses Vorgehen. „Wann die beim Innenministerium angesiedelte Enteignungsbehörde entscheidet, wissen wir nicht“, so Jakobs. „Wir hoffen demnächst.“ Die Übergabe der Groß Glienicker Seehälfte sei ganz klar auch ein Signal für einen der Allgemeinheit offenstehenden Uferweg.

Mit 36 Hektar ist der Potsdamer Anteil am See um etwa sechs Fußballfelder größer als der Berliner, zudem gehören dazu zwei kleine, Inseln, die der Ortsvorsteher gerne taufen würde – der OB schlägt „Jann“ und „Christian“ vor. Ob dafür Geld übrig ist, muss freilich Stadtkämmerer Burkhard Exner (SPD) sagen, denn als Seebesitzer hat Potsdam nun auch monetäre Pflichten. Exner rechnet mit jährlichen Kosten von rund 30000 Euro für die Pflege des Ufers inklusive Müllentsorgung, Baumschnitt und Gefahrenabwehr. Als erstes fallen aber einmalig 2349,93 Euro Grunderwerbssteuer an.

Wasser ist für alle da

Gewässer waren in der DDR Volkseigentum und gelangten mit der Deutschen Einheit in den Treuhand-Bestand.

Nach Protesten aus den neuen Bundesländern hatte sich der Bund im August 2009 bereiterklärt, die weitere Privatisierung von Seen aus dem Treuhandvermögen vorerst einzustellen und Verhandlungen mit den Ländern aufzunehmen.

Um den öffentlichen Zugang zu erhalten, hatte sich das Land Brandenburg beim Bund für eine kostenlose Übertragung der Seen eingesetzt. Als der Bund dies ablehnte, einigte man sich auf vier Gewässerpakete, mit denen das Land 186 Seen und Teilflächen für insgesamt 6,8 Millionen Euro übernommen hat – darunter ist auch der Groß Glienicker See. nf

Von Nadine Fabian

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