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Potsdam lenkt im Streit mit Chören ein

Kulturförderung Potsdam lenkt im Streit mit Chören ein

Drei Jahre lang hat die Landeshauptstadt Potsdam in ihrer Ausschreibung zur Förderung von chorsinfonischen Aufführungen die Kammerakademie Potsdam und das Staatsorchester Frankfurt (Oder) bevorzugt. Nach massivem Protest der großen Potsdamer Chorverbände ist diese Praxis nun wieder eingestellt worden.

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Chorkonzert der Potsdamer Kantorei und des Neuen Kammerorchesters in der Erlöserkirche.

Quelle: Christel Köster

Potsdam. Nach massivem Protest der großen Potsdamer Chorverbände hat die Stadt die Ausschreibungsbedingungen zur Förderung der Chorsinfonik wieder gelockert. In der am Mittwoch veröffentlichten Ausschreibung für 2018 gibt es im Gegensatz zu den Vorjahren nicht mehr den Passus, nach dem die Chöre für die Begleitung ihrer geplanten Aufführung zunächst die Kammerakademie Potsdam oder das Staatsorchester Frankfurt (Oder) anfragen müssten. Erst nach einer Ablehnung durften sie sich nach anderen musikalischen Partnern umsehen.

Die Vertreter der großen Potsdamer Chöre hatten diese Praxis ebenso als Eingriff in ihre künstlerische Freiheit kritisiert, wie die Vertreter benachteiligter Klangkörper wie Klaus-Peter Beyer, der Intendant des Filmorchesters Babelsberg. Er hatte im vergangenen Jahr kritisiert, dass das Rathaus einerseits immer wieder die Rolle der Filmmusiker als Botschafter der Landeshauptstadt betone, das Orchester andererseits „selbst in der Chorfrage so außen vor gelassen wird – zumal die Chöre gern mit uns zusammenarbeiten“.

Das Budget zur Förderung von Chorsinfonik, das aktuell mit rund 110 000 Euro pro Jahr ausgestattet ist, wurde im Jahr 2000 begleitend zur Abwicklung der Brandenburgischen Philharmonie eingerichtet. Mit der Förderung sollte den großen Potsdamer Chören Ersatz für die Orchesterbegleitung gesichert werden, die ihnen bis dahin vom städtischen Klangkörper zu günstigen Konditionen gewährt worden war.

Die Aufteilung des Budgets sorgte immer wieder einmal für Streit. Anfangs waren mit der Kantorei, dem Oratorienchor, der Singakademie und dem Männerchor nur die Chöre dabei, die auch vorher schon von der Philharmonie bedient wurden. Mit dem Nikolaichor und dem Neuen Kammerchor drängten nach wenigen Jahren erste Neumitglieder in den Club, der Förderung und Termine in einem Forum Chorsinfonik aufteilte und koordinierte.

Kritiker dieses Verfahrens sprachen von einem geschlossenen Zirkel und von Selbstbedienung. Ende 2013 wurde das Prozedere mit der Berufung einer Jury reformiert und für weitere Interessenten geöffnet. Dass in der 2014 veröffentlichten Ausschreibung mit der Kammerakademie und dem Staatsorchester erstmals zwei Klangkörper klar privilegiert wurden, sorgte bei den übrigen Beteiligten allerdings zunächst für Verblüffung, dann für helle Empörung.

Drei Jahre hielt die Kulturverwaltung die selbst vom Land kritisierte neue Praxis bei. Im November 2016 schließlich informierte Kultur-Fachbereichsleiterin Birgit-Katharine Seemann den Kulturausschuss, dass „bestimmte Auflagen“ zur Zusammenarbeit „mit anderen Orchestern in Brandenburg ... derzeit neu verhandelt“ würden.

Aus der aktuellen Ausschreibung

Auch für das Jahr 2018 werden Fördermittel zur Durchführung chormusikalischer und chorsinfonischer Projekte vom Kinderchor bis zu innovativen Projekten vergeben. Ziele der Förderung sind die Stärkung der kulturellen Vielfalt, insbesondere im Genre Musik durch die Pflege wertvoller Chormusik.

Des Weiteren steht die Stärkung der Interessen der Potsdamer Chöre und die Sicherung der Chortradition der Landeshauptstadt, die Kooperation und Vernetzung der kulturellen Akteure untereinander und die Festigung der Identifikation und Potsdamer mit ihrer Stadt im Vordergrund.

Zudem soll die Ausstrahlung der Landeshauptstadt in die Region und die Ausschöpfung des hohen kulturellen Potenzials für die Bewohner und Gäste der Stadt intensiviert werden.

Entfallen ist der Passus: Chöre ab einer Größenordnung von circa 24 Mitgliedern sind verpflichtet, für die Begleitung ihrer Aufführungen zunächst das Staatsorchester Frankfurt (Oder) und/oder die Kammerakademie Potsdam schriftlich anzufragen.

Abgabefrist der Anträge für 2018 ist der 29. September 2017. Details gibt es im Internet auf www.potsdam.de/ausschreibungen und auf http://vv.potsdam.de

Von Volker Oelschläger

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