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Potsdam macht den alten Landtag dicht

Flüchtlinge in Potsdam Potsdam macht den alten Landtag dicht

Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle war der alte Landtag die Rettung für Potsdam. Mit 2000 Aufnahmen musste man stadtweit rechnen, fast 1500 wurden es letztlich. Das Ex-Parlamentsgebäude könnte 470 davon aufnehmen; doch nur 262 Plätze sind belegt. Ende des Jahres schließt die Gemeinschaftsunterkunft.

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Der alte Landtag am Brauhausberg ist das größte Flüchtlingsheim der Landeshauptstadt.

Quelle: Foto: Friedrich Bungert

Templiner Vorstadt. Potsdam schließt zum Jahresende die Flüchtlingsunterkunft im alten Landtag auf dem Brauhausberg. Das hat Sozialdezernent Mike Schubert (SPD) am Mittwoch bekanntgegeben. Das auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle 2015 eiligst hergerichtete Heim ist mit seinen 470 Plätzen die größte Sammeleinrichtung für Flüchtlinge in der brandenburgischen Landeshauptstadt, befindet sich in Privatbesitz und wird durch die Arbeiterwohlfahrt betrieben. Derzeit leben hier nur 262 Menschen in „Wohnungen, deren Standards wir selbst nicht akzeptieren würden“, wie Schubert sagte. Nach dem Auszug sollen sie auf andere Gemeinschaftsunterkünfte verteilt und in reguläre Wohnungen vermittelt werden. Der Vertrag für das Objekt wird nicht verlängert.

Für die Sammelunterkünfte an der Zeppelinstraße (140 Plätze) und im Konsumhof (Industriegebiet Drewitz, 49 Plätze) laufen die Verträge zwar auch Ende des Jahres aus, sollen aber jahresweise verlängert werden.

2018 rechnet man mit nur noch 172 neuen Flüchtlingen

In diesem Jahr rechnet Potsdam mit nur noch 172 Flüchtlingen aus Kriegs- und Krisengebieten; 11 sind schon angekommen. Im Vorjahr hatte man 362 Menschen aufgenommen; 2016 waren es noch 661 und im Spitzenjahr 2015 sogar 1495.

„Es ist uns in den vergangenen Jahren, auch dank der Hilfsbereitschaft vieler Potsdamer, gelungen, allen Geflüchteten eine Unterkunft zu geben, ohne Massenquartiere wie große Hallen oder Zelte dafür nutzen zu müssen“, sagte Schubert. Die Zustände etwa in Turnhallen seien im Grunde unerträglich; alles sei besser als Unterkunft geeignet als eine Turnhalle. Auch die betroffenen Schulen in anderen Gemeinden litten unter der Fehlbelegung. „Für uns kam sowas nicht in Frage.“

Stadt hatte vorsorglich Leichtbauhallen gekauft

Aber die Stadt hatte Leichtbauhallen mit je 96 Plätzen gekauft und an drei Standorten aufgestellt. Eine wurde ansatzweise belegt, aber schnell wieder freigezogen. Das Leichtbauobjekt im Neubaustadtteil Drewitz ist das einzige, das noch genutzt wird, als Lager für gespendete Möbel. Es ist aber ein Standort für den Wohnungsbau.

Potsdam hat aktuell 15 Gemeinschaftsunterkünfte in verschiedenen Stadtteilen mit einer Kapazität von 1857 Plätzen. In den Unterkünften leben aktuell 1291 Menschen. Ziel der Landeshauptstadt ist es, die Aufenthaltsdauer in einer Gemeinschaftsunterkunft so kurz wie möglich zu halten.

Fast 500 Flüchtlinge leben inzwischen in Wohnungen

Im vergangenen Jahr sind trotz Wohnungsknappheit 483 Menschen aus den Gemeinschaftsunterkünften in eigene Wohnungen gezogen. Daher sinkt die Auslastung in den Unterkünften, aktuell beträgt sie 69,5 Prozent. Sollten die Zahlen der Geflüchteten auch in den kommenden Monaten konstant niedrig bleiben, werden spätestens 2020 weitere temporär errichtete Unterkünfte wie an der Pirschheide oder in der David-Gilly-Straße im Bornstedter Feld geschlossen. „Trotz der weiterhin instabilen Lage in Syrien und anderen Krisengebieten werden wir die Kapazitäten dem aktuellen Bedarf anpassen“, sagte Schubert: „Wir sind auch weiterhin in der Lage, flexibel auf die Anforderungen zu reagieren.“

Von Rainer Schüler

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