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Potsdam muss mehr Flüchtlinge aufnehmen

178 Asylsuchende erwartet Potsdam muss mehr Flüchtlinge aufnehmen

Die Landeshauptstadt muss noch mehr Flüchtlinge aufnehmen als angekündigt. Statt 153 Asylsuchende erwartet Potsdam in diesem Jahr 178 Neuzugänge. Sie werden in Containern untergebracht. Derweil konnten die ersten zwei Flüchtlingsfamilien aus dem Frauenasyl in der City ausziehen.

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Gern kommen Azam Narimani (l.) und Asifa Jafari und ihre Tochter Marsia noch zu Besuch in die Gemeinschaftsunterkunft.

Quelle: Christel Köster

Potsdam. Die Landeshauptstadt muss noch mehr Flüchtlinge aufnehmen als zunächst angekündigt. Das hat die Sozialbeigeordnete gestern bekanntgegeben. Statt 153 Asylsuchende erwartet Potsdam in diesem Jahr 178 Neuzugänge, sagte Elona Müller-Preinesberger. "Und das Ende der Fahnenstange ist damit noch nicht erreicht" – das sei die klare Ansage aus dem Sozialministerium.

Wie berichtet, stellt der Ansturm Potsdam vor eine riesige Herausforderung, denn das Asylbewerberheim im Wohngebiet Schlaatz ist bereits jetzt voll belegt. Der Plan, Wohncontainer im Drewitzer Gewerbegebiet Am Buchhorst aufzustellen, steht seit Wochen in der Kritik – in der Stadtverwaltung gilt er momentan allerdings als alternativlos. Der angespannte Potsdamer Wohnungsmarkt gebe nicht mehr her – daran kann auch die Forderung des Landes, Asylsuchende in Wohnungen unterzubringen, nichts ändern.

Auch die Sozialbeigeordnete wünscht sich, dass Flüchtlinge ihre eigenen vier Wände beziehen und selbstbestimmt leben können. "Um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: Das ist unser Ziel", so Müller-Preinesberger. 279 Asylbewerber leben in Potsdam, davon 108 in einer eigenen Wohnung.

Seit ein paar Tagen sind es vier mehr. Asifa Jafari aus Afghanistan und ihre siebenjährige Tochter sowie Azam Narimani aus dem Iran und ihr achtjähriger Sohn sind aus dem Frauenasyl in der City ausgezogen – in Rekordzeit, wie die Vertreter der Stadt und des Trägers (der Verein Soziale Stadt) beteuern. Anfang Oktober war die Unterkunft, deren 15 Plätze für alleinreisende Frauen und ihre Kinder reserviert sind, eröffnet worden. Neun Monate später nun ist den ersten Frauen mit einem Wohnberechtigungsschein in der Tasche, mit einer Menge Courage im Herzen und mit der Hilfe des Soziale-Stadt-Teams der Schritt nach draußen gelungen. Die Vermieter – ob privat oder kommunal – seien sehr offen, beteuern alle Beteiligten. Man sei zuversichtlich, dass die nächsten Frauen das Asyl schon bald verlassen können.

Zahl der Flüchtlinge steigt drastisch an

  • Politisch Verfolgte genießen in Deutschland nach Artikel 16a des Grundgesetzes Asyl. Über Anträge entscheidet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF).
  • Um als asylberechtigt anerkannt zu werden, muss eine Person Verfolgung erlitten haben bzw. muss ihr mit Gewalt oder Freiheitsentzug im Herkunftsland drohen. Ehegatten und minderjährige Kinder erhalten in der Regel ebenfalls Asyl.
  • Die Genfer Flüchtlingskonvention (1951) definiert als anerkannte Flüchtlinge solche, die wegen Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe und politischer Überzeugung verfolgt werden.
  • Allgemeine Notsituationen wie Armut, Bürgerkriege, Naturkatastrophen oder Perspektivlosigkeit sind als Gründe für eine Asylgewährung grundsätzlich ausgeschlossen.
  • Die Zahl der Asylsuchenden in Deutschland ist drastisch gestiegen. Im ersten Halbjahr 2013 stellten 43000 Menschen einen Antrag – 20000 mehr als im Vorjahr.
  • Im Land Brandenburg steigt die Zahl der Flüchtlinge ebenfalls rapide. Etwa 3000 werden erwartet; 2012 waren es 1700, vor fünf Jahren 570.
  • Potsdam muss dieses Jahr mehr Flüchtlinge denn je aufnehmen. Jetzt wurde die Zahl von 153 auf 178 korrigiert. Ein weiterer Anstieg gilt als wahrscheinlich.

"Ich bin glücklich", sagt Azam Narimani. "Meine Wohnung ist sehr schön." Kaum zu glauben, aber die 33-Jährige ist auf dem freien Wohnungsmarkt im Norden fündig geworden. Der Makler war so nett, mit der Provision runterzugehen, erzählt Joanna Banaszewska vom Verein Soziale Stadt. Auch Asifa Jafari (29) strahlt. Sie hat einen Mietvertrag bei der Gewoba unterschrieben. Drei Zimmer in Potsdam-West sind nun ihr Heim. "Wir prüfen genau, ob die Wohnung, das Haus und das Umfeld zur Familie passen", sagt die Gewoba-Geschäftsführerin Christiane Kleemann. "So können wir auch eine gute Durchmischung erreichen." Die Neu-Potsdamer aus aller Welt sollen in der ganzen Stadt wohnen und nicht konzentriert in bestimmten Lagen. "Wir weisen die Wohnungen nicht zu", ergänzt Elona Müller-Preinesberger. "Wir müssen gucken, dass wir Wohnungen finden, in denen sich die Leute wohlfühlen. – Das muss der Weg für die Stadt sein."

Nadine Fabian

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