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Potsdam prüfte 35 Varianten

Der lange Weg zur Asylbewerberunterkunft im Gewerbegebiet Potsdam prüfte 35 Varianten

Um zusätzliche Asylbewerber unterzubringen, hat die Stadtverwaltung mehr als 30 Immobilien geprüft, darunter die alte Volkshochschule, das Potsdam-Museum Benkertstraße und die Brauerei in der Einsteinstraße. Kein Standort ist geeignet, es soll ein Containerdorf entstehen. 

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Mit Containern im Drewitzer GewerbegebietAm Buchhorst will die Stadt Platz für weitere Asylbewerber schaffen.

Quelle: JULIAN STÄHLE

Potsdam. Die Suche nach Platz für eine zusätzliche Asylbewerberunterkunft illustriert die Probleme einer rasch wachsenden Stadt, in der der Raum für öffentliche Projekte immer enger wird. Auf Anfrage der Fraktion Die Andere hat die Verwaltung jetzt die 35 Orte bekannt gegeben, die geprüft wurden, bevor die Entscheidung fiel, zur Schaffung von 100 zusätzlichen Plätzen Wohncontainer im Drewitzer Gewerbegebiet Am Buchhorst aufzustellen. Derzeit wird laut Stadt die Ausschreibung vorbereitet. Der Zeitplan soll im September bekannt gegeben werden.

In ihrer Not stellte die Verwaltung sogar die Unterbringung von Asylbewerbern im alten Museumshaus in der Benkertstraße oder in der alten Volkshochschule in der Dortustraße zur Debatte. Zum Museumshaus im Holländischen Viertel heißt es einschränkend, die Zimmer seien „überwiegend Durchgangszimmer“, das Haus stünde unter Denkmalschutz, Freiflächen stünden nicht zur Verfügung, auch sei der Einbau einer Brandschutztreppe erforderlich. Ähnlich ungünstig die Volkshochschule: Räume mit bis zu 66 Quadratmetern Fläche benötigten Zwischenwände, insgesamt gebe es zu wenige Sanitärbereiche, keine Kochmöglichkeiten, keine Warmwasserversorgung, nötige Umbaumaßnahmen seien bei einer nur vorübergehenden Nutzung unwirtschaftlich. Zudem bekräftigte Rathaussprecher Markus Klier gestern auf MAZ-Nachfrage, dass das Gebäude der Volkshochschule ebenso wie das alte Museum veräußert werden soll. Die Ausschreibung des Holländerhauses sei „noch in diesem Jahr“ geplant.

Weitere prominente Grundstücke auf der Prüfliste: das Eckhaus Hebbelstraße 1, für das jedoch laut Stadt ein Bauantrag für einen Biomarkt, Wohnungen und kleinere Geschäfte vorliegt, das verwaiste Restaurant „Charlottenhof“ an der Geschwister-Scholl-Straße, das seitens der Schlösserstiftung als Eigentümer aber „weiterhin ausschließlich als Gaststätte und Veranstaltungsort verwendet werden“ solle, oder die alte Brauerei an der Einsteinstraße, für die von den Eigentümern aber „keine Zustimmung für eine andersartige Nutzung erfolgen“ werde.

In der tabellarischen Liste sind für jedes Objekt „Nutzungskonflikte/-beschränkungen“ aufgeführt. Eine ebenfalls mögliche „positive“ Kommentierung hingegen gibt es gerade bei sechs Objekten. Die meisten Positiv-Anmerkungen gab es zu einem Baugrundstück in der Pirschheide zwischen dem Gebäude der Wasserschutzpolizei und dem Kongresshotel: „Grundstück ist in gutem Zustand und augenscheinlich schnell nutzbar“, Containeraufstellung „zulässig“, „wäre als Dauerlösung geeignet“, keine umweltrechtlichen Restriktionen. Nutzungskonflikte: „Grenzt direkt an den Hotelbereich“, nicht geeignet, da der Eigentümer dort einen Wohnungsneubau plant. Bei der Pro Potsdam als Eigentümerin war gestern zu erfahren, dass man „kurz- und mittelfristig Abstand davon genommen“ habe.

Zum favorisierten Grundstück Am Buchhorst heißt es unter anderem: „zeitweise Nutzung für soziale Zwecke, die dem Wohnen zumindest ähnlich ist, aus planungsrechtlicher Sicht eine zulässige Option“, und: „keine Konflikte mit angrenzender Wohnbebauung, da Lage im Gewerbegebiet“.

Von Volker Oelschläger  
 

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