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Potsdam 40 weitere Flüchtlinge in Potsdam
Lokales Potsdam 40 weitere Flüchtlinge in Potsdam
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22:15 07.11.2014
Ob in Kasernen, Hotels oder Bürogebäuden. Die Kommunen suchen händeringend nach Unterkünften. Quelle: dpa / Uli Deck
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Potsdam

„Ich habe Sorge und Angst“, gibt die junge Mutter zu. Die Menschen, die noch im Laufe dieses Jahres in die Dortustraße 45a einziehen sollten, seien doch traumatisiert. Wie würden sie auf die neue Umgebung reagieren? „Ich werde mein Kind nicht mehr draußen spielen lassen“, sagt sie. Ein weiterer Anwohner stimmt ihr zu. Er habe vier Jahre in Tunesien gelebt. Er wisse wie man im islamischen Kulturkreis ticke. Außerdem habe er sich intensiv mit dem Koran auseinander gesetzt. „Ein Moslem darf sich nicht integrieren“, sagt er. In der Aula der Voltaire-Schule in der Potsdamer Lindenstraße erntet er dafür Zischen und böse Bemerkungen. „Ist doch unfassbar“, sagt eine junge Frau.

Die kritischen Stimmen blieben bei der zehnten Informationsveranstaltung der Stadt über neue Flüchtlingsunterkünfte am Donnerstagabend in der Minderheit. Die meisten interessierten sich dafür, wie die Stadt die schwierige Situation bewältigen wolle. Über fehlendes Interesse konnte sich Sozialdezernentin Elona Müller-Preinesberger nicht beklagen. Hunderte Stühle waren besetzt.

Leerstehendes Bürogebäude für 10 Jahre gemietet

Ein privater Vermieter hat mit einem leer stehenden Bürogebäude der unter gewaltigem Druck stehenden Verwaltung ziemlich geholfen. Das Haus 45a in der Dortustraße liegt zentral. Im Sinne der Integrationsstrategie der Stadt sei das Haus „hervorragend geeignet“, sagt Müller-Preinesberger. Mit einem Schlag könnten dort 40 Menschen unterkommen. Es sollen vor allem Familien sein – Flüchtlinge aus Syrien, dem Tschad, aus Tschetschenien und anderswo. Das Haus wurde für zehn Jahre gemietet. Sollte sich die Flüchtlingsproblematik entspannen, könne es für andere Hilfsbedürftige genutzt werden, Demenzkranke oder schwierige Jugendliche zum Beispiel. Einen Träger habe man auch: den Internationalen Bund (IB).

Dieser, vertreten von Carol Wiener, war es auch, der Ängste zerstreute. In der Haeckelstraße habe man schon Erfahrungen mit 69 Flüchtlingen, darunter 33 Kinder. „Es ist eine Bereicherung“, sagte Wiener. Anfängliche Skepsis habe sich in ein völlig neues Nachbarschaftleben auch für die Anwohner selbst verwandelt. „Die Nachbarn begegnen sich jetzt beim gemeinsamen Bepflanzen oder bei interkulturellen Festen.“ Natürlich gebe es Diskussionen. „Zum Beispiel darüber, ob Kinder wirklich noch nach 20 Uhr laut auf der Straße spielen müssen.“ Aber mit solchen Problemen könne man sich an den Sicherheitsdienst wenden, den es zu jeder neuen Unterkunft geben wird.

911 Euro pro Flüchtling

  • Die Stadtverordneten haben einen Dringlichkeitsantrag zur Erschließung neuer Unterkünfte beschlossen.
  • 7,75 Millionen Euro muss Potsdam in die Flüchtlingsunterbringung kommendes Jahr investieren. Nächstes Jahr werden es wohl sogar 9,8 Millionen Euro sein.
  • Brandenburg erstattet für jeden Flüchtling 9011 Euro im Jahr.

Potsdamer Bürger bieten Hilfean

Fehlenden Integrationswillen weist auch Jörg Bindheim, Koordinator für Flüchtlingsfragen zurück. „Die Menschen wollen Deutsch lernen.“ Sie kämen freiwillig in die Kurse, die die Stadt ihnen anbiete. Zum Teil seien sie hochqualifiziert. Es fänden sich Ärzte, Krankenschwestern und Ingenieure unter den Flüchtigen.

Mehrere Potsdamer fragen denn auch, wo sie eventuell Hilfe anbieten können. „Gibt es Räume für Gemeinschaftsbeschäftigungen? Gibt es eine Kleiderkammer?“, will eine junge Mutter wissen. Ersteres wird bejaht, zweites verneint. E-Mail-Adressen zur Kontaktierung der Träger werden schon in die Powerpoint-Präsentation getippt. Koordinator Bindheim sagt, auf der Homepage der Stadt würden Adressen veröffentlich, an die sich ehrenamtliche Helfer wenden könnten.

Vorbildlich: Ein Betreuer für 80 Flüchtlinge

Die Sozialdezernentin wiederum räumt auf Nachfrage ein, dass der höhere Betreuungsbedarf wahrscheinlich auch mehr Personal nötig mache. „Wir sind gerade am Organisieren.“ Den bundesweit vorbildlichen Betreuungsschlüssel von mindestens einem Betreuer für 80 Flüchtlinge wolle man jedenfalls halten, sagte sie.

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