Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
„Potsdam sollte sich ein bisschen Luxus leisten!“

Ex-Buga-Chef zur aktuellen Tropenhallen-Debatte „Potsdam sollte sich ein bisschen Luxus leisten!“

Jochen Sandner war Geschäftsführer der Potsdamer Buga 2001. Mittlerweile ist der Geschäftsführer der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft in Bonn, aber das Schicksal der Ex-Buga-Halle bewegt ihn noch. „Da musste ich schon schlucken“, sagt er zur Abrissdebatte. Die Tropenhalle soll weiterbestehen: „Biosphäre verdient respektvollen Umgang“.

Volkspark, Potsdam 52.418319 13.049091
Google Map of 52.418319,13.049091
Volkspark, Potsdam Mehr Infos
Nächster Artikel
Kein Platz für Wölfe in der Döberitzer Heide

Für Jochen Sandner ist die Biosphäre eine Architektur-Ikone im Bornstedter Feld.

Quelle: Promo

Bornstedter Feld. Jochen Sandner ist der Geschäftsführer der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft (DBG) mit Sitz in Bonn, die Städte und Gemeinden als Ausrichter unterstützt. Zuvor war Sandner unter anderem Geschäftsführer der Buga Schwerin und der Buga Potsdam im Jahr 2001.

Herr Sandner, Sie waren 2001 der sehr erfolgreiche Chef der Potsdamer Buga. Nach dem Ende der Blumenschau sind Sie in Potsdam geblieben und leben bis heute in Bornstedt. Wann waren Sie das letzte Mal in der Biosphäre?

Ich war vor 14 Tagen dort und war erstaunt zu sehen, dass die Tropenhalle so gut besucht war. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, zumal ich noch Kinder im Biosphäre-affinen Alter habe. Das Konzept ist allerdings nicht mehr auf dem neuesten Stand - da müsste etwas gemacht werden.

Was war Ihre Reaktion, als Sie gehört habe, dass jetzt sogar der Abriss der Biosphäre im politischen Raum steht – die Grünen haben ihn ja kürzlich als eine Variante ins Spiel gebracht.

Da schluckt man schon mal. Die Biosphäre ist ja eine Architektur-Ikone im Bornstedter Feld, geplant von dem sehr guten Büro Barkow-Leibinger. Vorausgegangen war damals ein ambitionierter Architektenwettbewerb. Die Biosphäre war in der Entwicklung des Bornstedter Feldes ein Leitbau mit architektonischer Aussage, Präsenz und Qualität. Das verdient einen respektvollen Umgang. Damals war das Bornstedter Feld noch weitgehend unbebaut. Man hatte die Hoffnung, dass die Halle Maßstäbe setzt in der Gestaltsprache. Wenn man aber sieht, was später im Bornstedter Feld entstanden ist, ist leider nicht alles gut gelungen.

Wie würden Sie die Biosphäre architektonisch einordnen?

Es war eine ganz außergewöhnliche Architektur für ein Edutainment Center, also für eine Kombination aus Pädagogik und Entertainment. Bevor man vorschnell den Abriss fordert, sollte man gucken, ob es eine Nutzung gibt, die vielleicht noch nicht in Betracht gezogen worden ist. Man müsste mit einem sehr kreativen Ideenfindungsprozess daran herangehen, um eine Lösung zu finden. Ein Abbruch sollte wirklich die allerletzte Lösung sein, deshalb rate ich dazu, nichts zu überstürzen. Ich glaube, dass man in der Suche nach der Trägerschaft noch nicht am Ende angelangt ist. Das ist ein vielleicht Thema, über das man sich sehr gut mit dem neuen Planungsverantwortlichen – dem Baubeigeordneten Bernd Rubelt (parteilos) – unterhalten kann.

Der aktuelle Vorschlag der Verwaltung, über den die Stadtverordneten bald befinden sollen, sieht einen Weiterbetrieb der Tropenhalle in der Biosphäre vor. Dies sei die kostengünstigste Variante, weil sämtliche Umbauvarianten sehr hohe Kosten verursachen würden, heißt es. Dennoch müsste auch die Tropenhalle mit 1,9 Millionen Euro jährlich von der Stadt bezuschusst werden. Kann sich die Stadt diesen Luxus leisten?

Sie sollte sich ein bisschen Luxus leisten! Die Stadt hat ja Luxus, wenn man die Dynamik heranzieht, das Wachstum und den Immobilienmarkt - wobei man hier Flächen vom Ex-Buga-Park miteinbezieht. Es entsteht ja immer noch Zuwachs und die Stadt schöpft aus dieser Entwicklung entsprechende Einnahmen ab.

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hat ausgeschlossen, dass es zusätzlich zur Tropenhalle ein Stadtteilzentrum in der Biosphäre geben könnte. Wie sehen Sie das?

Zusätzliche Nutzungsoptionen in einer derartig komplexen Gebäudestruktur sind vermutlich schwierig – wenn nur mit hohem Aufwand – zu realisieren. Daher kann ich mich der Meinung des Oberbürgermeisters nur anschließen.

Die Grünen mahnen jetzt auch die Verantwortung des Entwicklungsträgers Bornstedt an. Dieser solle mit verfügbaren Mitteln aus dem Treuhandvermögen am Aufbau einer „urbanen Mitte“ im Potsdamer Norden beteiligt werden.

Ob aus dem Treuhandvermögen die Finanzierung zu leisten wäre, kann man ohne Kenntnis der genauen Zahlen nicht beurteilen. Unabhängig von der Auffassung der Potsdamer Grünen ist insbesondere aus der Sicht der Bevölkerung, der Studenten und Touristen, die das Bornstedter Feld mit Leben erfüllen, eine Art Zentrum oder Mitte für das urbane Leben in diesem jungen Quartier sinnvoll und erforderlich.

Die Forderung nach einem Jugendklub im Bornstedter Feld besteht seit Jahren. Warum ist nie etwas passiert?

Es gibt zwar das Ribbeckeck an der Ribbeckstraße, doch hier verhält sich die Stadt ganz merkwürdig. Zuerst heißt es, dass die Sanierungskosten etwa 600 000 Euro betragen, plötzlich ist es mehr als eine Million. Es ist ein großes Defizit, wenn man ein Quartier entwickelt, in dem perspektivisch 12 500 Menschen leben sollen, und dann keine entsprechenden Angebote schafft. Da sehe ich die Stadt tatsächlich in der Pflicht. Ich halte es für angeraten, dass die Stadt sich Gedanken zu einem Jugendklub macht. Sollte die Sanierung des Ribbeckecks keine Option sein, muss man andernorts eine geeignete Lösung finden.

Sollten die Stadtverordneten grünes Licht für den Weiterbetrieb der Tropenhalle geben, startet die Suche nach einem Privatbetreiber. Für wie realistisch halten Sie es, dass man fündig wird?

Bei derartig speziellen Immobilien wird es wahrscheinlich nicht ausreichen, nur auf eine Interessensbekundung zu waren, sondern man wird sehr gezielt auf diesem speziellen Markt nach einem passenden Betreiber suchen müssen.

Inwieweit sollte man bei der Biosphäre über eine Neugestaltung der Eintrittspreise nachdenken, um mehr Besucher anzuziehen?

Der Familienpreis für zwei Erwachsene und zwei Kinder war schon auf einem recht ordentlichen Niveau. Höher hätte es nicht sein dürfen. Um einen höheren Eintritt erheben zu können, müsste man das Angebot reattraktivieren. Da ist in den letzten Jahren kaum etwas passiert. Erst wenn man ein neues Motto und neue Inhalte entstanden sind, kann man über neue Eintrittspreise nachdenken.

Als Chef der bundesweiten Bundesgartenschau-Gesellschaft sind Sie ja landauf. landab unterwegs. Gibt es etwas Vergleichbares wie die Potsdamer Tropenhalle – ein Freizeitdschungel, aber mit pädagogischem Anspruch – in Deutschland?

In den USA, aber auch in Europa habe ich solche räumlichen Inszenierungen gesehen. Der Wasserfall war seinerzeit eine Besonderheit, auch die inszenierten Gewitter und der Gang über die Baumwipfel. Allerdings ist vieles eben in die Jahre gekommen. Als ich das letzte Mal dort war, ist mir schon aufgefallen, dass alles nur mit dem zum Gebäudeerhalt notwendigen Aufwand betrieben worden ist. Man merkt dem Gebäude an, dass der bauliche Unterhalt eher notdürftig betrieben worden ist. Der Buga-Park war ein besonderes Stück Hochbau-Architektur mit einer eigenen Architektursprache - schon das ist ein Alleinstellungsmerkmal. Park und Biosphäre sind eine Einheit, denn die Halle nimmt in der Dachkonstruktion die Formensprache der Wälle im Park auf.

Sechs Millionen Euro soll die Außensanierung kosten, zwei Millionen davon erhofft man sich vom Land. Dennoch sind die restlichen vier Millionen eine Summe, die manchen unverhältnismäßig hoch vorkommt, um ein Gebäude außen wieder hübsch zu machen.

Die fachliche Prüfung der Gutachter hält nun einmal diese Summe für erforderlich. Die Frage nach der sogenannten„Angemessenheit“ ist subjektiv und nicht zielführend.

Von Ildiko Röd

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam
Die Karikaturen des Potsdamers Hafemeister

Jörg Hafemeister karikiert seit Jahren die Potsdamer Lokalpolitik. Nun hat er immer mittwochs seinen festen Platz im Potsdamer Stadtkurier. Wir zeigen an dieser Stelle alle Karikaturen.

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg