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Potsdam Potsdam sucht zwei neue Beigeordnete
Lokales Potsdam Potsdam sucht zwei neue Beigeordnete
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09:31 06.06.2016
Wer steigt demnächst im Potsdamer Rathaus die geschwungenen Stufen der Macht empor? Quelle: Christel Köster
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Potsdam

Was bei „Bauer sucht Frau“ das rustikale Hoffest mit Brautschau ist, wird für die Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung der heutige Montagabend sein: Da beginnt nämlich das große Schaulaufen der jeweils drei Kandidaten für die Beigeordnetenposten Soziales und Bauen. Am nächsten Montag findet dann der zweite Teil der Vorstellungsrunde statt.

So läuft die Bewerbung

Konkret sieht der Vorstellungsplan folgendermaßen aus: Am Montag ab 18 Uhr sind die drei Kandidaten für das Bauressort – Norbert John, Ulf Millauer und Jürgen Rausch – für jeweils eine halbe Stunde bei den Fraktionen SPD, Die Andere, Bürgerbündnis/FDP und Grüne. Die Kandidaten für Soziales – Imogen Buchholz, Robert Pfeiffer und Mike Schubert – stellen sich ab 18 Uhr bei den Fraktionen CDU/ANW, Linke und AfD vor. Am nächsten Montag sind dann die jeweils verbleibenden Fraktionen dran.

Imogen Buchholz. Quelle: Privat

Spannend verspricht zum einen die Sozialdezernentenwahl zu werden. SPD-Fraktionschef Mike Schubert, Jahrgang 1973, wird zwar die lokale Kompetenz bescheinigt. Beim Auswahlverfahren durch das renommierte Personalberatungsunternehmen Kienbaum soll er aber von den drei Endrunden-Kandidaten am schlechtesten abgeschnitten haben – zum Beispiel in puncto innovativem Führungsstil.

Eine Frau im Rennen

Gute Chancen werden auch der parteilosen Imogen Buchholz, derzeit Dezernentin für Soziales, Jugend und Gesundheit im Bezirksamt Hamburg-Altona, eingeräumt. Die geschiedene Juristin ist Jahrgang 1961 und Mutter von zwei erwachsenen Söhnen. In ihren siebenhalb Jahren als Dezernentin musste sie sich in einem Bezirk mit vielfältigen Herausforderungen behaupten. So wie Potsdam ist auch Altona von sozialen Gegensätzen geprägt – allerdings sind diese noch weitaus schärfer ausgeprägt. Während Blankenese das Biotop der Millionäre ist, gelten andere Teile von Altona als soziale Brennpunkte mit hoher Armutsgefährdung. Eine weitere Herausforderung für den Bezirk ist die Integration der 7000 bis 8000 Flüchtlinge. Bürgerdialoge sollen die Akzeptanz unter den Alteingesessenen befördern.

Dass Altona kein einfaches Pflaster ist, zeigte der traurige Fall des kleinen Tayler: Das 13 Monate alte Kleinkind wurde Ende 2015 vom Lebensgefährten der Mutter zu Tode misshandelt. In der Kritik stand das zuständige Jugendamt. Aber auch der freie Träger, dem die Betreuung der Familie übertragen worden war, soll laut Jugendhilfeinspektion beobachtete Missstände nicht dem Amt gemeldet haben.

In Potsdam ist der Gestaltungsspielraum viel größer

Obwohl Buchholz als Dezernentin in Altona immerhin 550 Mitarbeiter hat, wäre der Wechsel nach Potsdam dennoch eine Verbesserung. Die Umsetzung eigener Ideen wäre in einer Stadt wie Potsdam mit eigenem Haushalt wohl besser möglich als in Hamburg, wo sich mehr als ein Halbdutzend Bezirksämter miteinander abstimmen müssen.

Robert Pfeiffer kommt von der Küste

Der dritte Kandidat, Robert Pfeiffer (35), ist derzeit kommissarischer Leiter des Amtes für Jugend und Soziales in Rostock. Der FDP-Mann soll vor allem haushalterische Erfahrungen haben.

SPD-Fraktionschef Mike Schubert will’s wissen

Stadtverordneter Schubert Mike Schubert

Glaubt man den Gerüchten, dürfte alles auf einen Countdown zwischen Mike Schubert und Imogen Buchholz hinauslaufen. Während Schubert den Heimvorteil für sich verbucht, punktet die Hamburgerin mit ihrer einschlägigen Verwaltungskompetenz. Nicht zu vergessen einen weiteren zentralen Aspekt bei der Dezernenten-Findung: die große F-Frage. Soll heißen: Wie weiblich soll eine Beigeordnetenriege sein? Da es nur männliche Bewerber um den Baubeigeordnetenposten gibt, wird es schon einmal definitiv drei Männer im Rathaus-Führungsteam geben: Neben Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) sind das Kämmerer Burkhard Exner (SPD) und der noch unbekannte „Neue“ im Bauressort. Kulturdezernentin Iris Jana Magdowski (CDU) scheidet nächstes Jahr aus Altersgründen aus.

Drei Finalisten im Baubereich

Norbert John ist Technischer Geschäftsführer im Brandenburgischen Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB). Quelle: Archiv

Auch im Baubereich werden die Personalien der drei „Finalisten“ eifrig auf ihre Licht- und Schattenseiten hin gescannt. Wobei es bei den Kandidaten aus Potsdam natürlich – vermeintlich – einfacher ist, sich ein Bild zu machen.

Norbert John: Kennt die Bauverwaltung aus dem Effeff

Norbert John, Jahrgang 1955 und parteilos, ist als Technischer Geschäftsführer des Landesbetriebs für Liegenschaften und Bauen (BLB) tätig. Die Potsdamer Bauverwaltung ist ihm auch bestens vertraut – immerhin war er lange Chef des Hochbauamtes und „Geburtshelfer“ des Kommunalen Immobilienservice (KIS). Aber der BLB-Chef hat sich in der Landeshauptstadt nicht nur Freunde gemacht. Beispiel: die Synagoge in der Schlossstraße, die unter der Ägide des BLB entstehen wird. Deren moderne Fassade aus der Feder des Architekten Jost Haberland trieb unter anderem die BI „Mitteschön“ auf die Barrikaden. Deshalb soll sich in Teilen der Bürgerinitiative die Freude über Johns Kandidatur auch in überschaubaren Grenzen halten.

Jürgen Millauer war im Babelsberger Stadtkontor tätig

Ulf Millauer Quelle: Edward Beierle

Kandidat Nummer zwei für das Bauressort ist Ulf Millauer, 51 Jahre alt und Grünen-Mitglied. Seit 2012 ist der Stadtplaner und Diplom-Ingenieur der Geschäftsführer der Münchner MGS, die als Projektgesellschaft in Problemvierteln Häuser saniert und Sozialwohnungen sowie Künstlerateliers baut. In Potsdam ist Millauer kein Unbekannter: Als Mitarbeiter des Stadtkontor hatte er viel mit Gebäudesanierung und Geschäftsstraßen-Management zu tun gehabt. Später wechselte er nach Berlin-Marzahn zu einer Wohnungsbaugesellschaft und nach Hamburg und Kiel, wo er für private Sanierungsträger tätig war. Millauers Erfahrung soll von der Personalberatungsagentur Kienbaum nach den Auswahlrunden positiv bewertet worden sein. Weniger gut – so wird es zumindest unter der Hand in Potsdam kolportiert – soll Millauer hingegen in puncto Entscheidungsfreude abgeschnitten haben.

Jürgen Rausch aus Marburg gilt als Verfechter von Rot-Grün

Last but not least: Jürgen Rausch aus dem hessischen Marburg an der Lahn. In der Kienbaum-Bewertung ist er auf Platz eins unter den besten Drei für das Bauressort gesetzt worden, gefolgt von Norbert John – wobei die Differenz minimal sein soll. Der Baudirektor der Universitätsstadt wird von Marburgern als „umgänglicher Typ“ beschrieben. Eloquenz wird ihm ebenfalls zugute gehalten. Da er in seiner Funktion kein politisches Amt bekleidet, zeichne er auch nicht für die politischen Visionen und Leitlinien verantwortlich – weder im Guten noch im Schlechten. Rausch ist für Umsetzung und Kommunikation zuständig, während die Konzeption von Großprojekten mehr auf das Konto von Rauschs Chef, dem Marburger Jugend- und Baudezernent Franz Kahle geht. Obwohl Rausch SPD-Mitglied ist und Kahle ein Grünen-Parteibuch besitzt, gilt ihre Zusammenarbeit als pragmatisch. „Rausch gilt als Verfechter von Rot-Grün“, heißt es in Marburger Kommunalkreisen über den leitenden Beamten. Das nötige Format, um ein Dezernentenamt auszufüllen, traut man ihm dort durchaus zu.

Von Ildiko Röd

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