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Potsdam trotzt negativem Gründertrend

Potsdam Potsdam trotzt negativem Gründertrend

Wegen der niedrigen Arbeitslosenquoten stocken die Zahlen von Unternehmensgründungen. Vor den Toren der Brandenburgischen Landeshauptstadt macht der Negativtrend jedoch Halt. Warum das so ist und was für eine Existenzgründung spricht, zeigten beim IHK-Gründertag am Dienstag Erfolgsgeschichten aus Potsdam.

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Digitale Geschäftsmodelle werden für Existenzgründer immer interessanter. An der Babelsberger Filmuniversität entstehen Virtual Reality-Inhalte.

Quelle: Christel Köster

Potsdam. In Deutschland werden immer weniger Firmen gegründet. Laut aktuellen Werten des Gründungsmonitors der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) liegt der Anteil von Existenzgründern an der Bevölkerung bei einem Rekordtief von 0,48 Prozent. In Potsdam jedoch steigt die Zahl von Gewerbeanmeldungen stetig, zuletzt von 13 000 auf 14 000 binnen eines Jahres. „Auch das Saldo ist weiterhin positiv“, sagte Klaudia Gehrick von der Potsdamer Wirtschaftsförderung während des IHK-Gründertages am Dienstag, „und das, obwohl wir eine niedrig Arbeitslosenquote haben.“ Zum zehnten Mal fand der Aktionstag für potenzielle Gründer gestern in Potsdam statt.

Leidenschaft ist der Schlüssel zum Erfolg

Erstmals berichteten fünf Unternehmer aus der Stadt von ihren Erfahrungen bei der Existenzgründung. „Jeder von uns hatte Vorstellungen, die sich nicht erfüllt haben“, sagte Patrick Großmann, Gründer eines Espresso-Ladens und zugehöriger Café-Bar. Wenn er von Kaffeebohnen und der perfekten Maschine für die Zubereitung spricht, leuchten seine Augen auch fast zehn Jahre nach dem Schritt zum eigenen Unternehmen noch immer – offenbar das Geheimnis eines erfolgreichen Gründers.

13 Leute arbeiten mittlerweile bei den „Espressonisten“, darunter auch ein Auszubildender. Seit Oktober 2016 existiert die lang geplante Filiale in Berlin. Für Großmann sei es besonders schwierig gewesen, das Alleinstellungsmerkmal seines Unternehmens zu finden. Heute weiß er es: „Wir machen fast alles selbst“. Nur geröstet werden die Espressobohnen noch nicht in Potsdam.

Die Wirtschaftsjunioren Potsdam präsentierten sich ebenfalls auf dem Gründertag

Die Wirtschaftsjunioren Potsdam präsentierten sich ebenfalls auf dem Gründertag.

Quelle: Christel Köster

Auf die Unterstützung der IHK haben fast alle Gründer, die am Dienstag von ihren Erfahrungen berichteten, verzichten müssen. Denn im Gegensatz zu heute gab es noch vor einigen Jahren wesentlich weniger Angebote, die schlechter vernetzt und somit schwerer für die Gründer zu finden waren.„Ohne großen Plan und Unterstützung bin ich damals in die Selbstständigkeit hineingerutscht“, sagte Matthes Derdack. Seine IT-Firma hat fast 20 Jahre nach der Gründung Kunden in über 50 Ländern und eine Tochterfirma in den USA. Heute bieten sich potenziellen Gründern zahlreiche Beratungs-, Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten in Potsdam.

Der IHK-Gründertag bringt sie seit mehreren Jahre alle unter ein Dach: Banken, Universitäten und Gewerbezentren im Umland präsentierten sich am Dienstag neben dem Deutschen Patent- und Markenamt, dem Finanzamt der Stadt und verschiedenen Wirtschaftsverbänden. Gleichzeitig informierten junge Gründer aus Potsdam von ihren Erfolgsgeschichten, die sich im vergangenen Jahr entwickelten. Experten hielten Vorträge zu Themen wie Vereinbarkeit von Selbstständigkeit und Familie, dem Gründen im Nebenerwerb und digitalen Geschäftsmodellen.

Gründungsrekord birgt Probleme

Wichtig – und das betonten alle jungen und erfahrenen Unternehmer einstimmig – sei für den Erfolg nach der Existenzgründung vor allem das Durchhaltevermögen und die Leidenschaft für die Idee. Mehrere Jahre brauchten die meisten von ihnen von der Idee zur Anmeldung. „Den Mut, den sie an den Tag legen, brauchen wir für eine gute Wirtschaft in unserer Stadt“, sagte Oberbürgermeister und Schirmherr des Potsdamer Gründerforums, Jann Jakobs (SPD).

Die Landeshauptstadt belegte zuletzt in einem Zukunftsranking deutscher Großstädte den 16. von 402 Plätzen in der Kategorie Wirtschaft und Arbeitsmarkt. Gründe für den Erfolg sieht Jakobs unter anderen in den kurzen Wegen, vielen Partnern und zahlreichen Angeboten in Potsdam. Gleichzeitig bringt der positive Gründertrend aber auch Probleme mit sich. Die Gewerbeflächen in der Stadt sind knapp. Abhilfe sollen künftig der Wirtschaftspark in Golm und Gewerbeflächen in Babelsberg schaffen.

Von Victoria Barnack

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