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Ein Hoch aufs Ehrenamt!

Potsdam zeichnet engagierte Bürger aus Ein Hoch aufs Ehrenamt!

Der rote Teppich wurde am Dienstagabend für all jene ausgerollt, die sich für die Stadt und ihre Menschen engagieren – freiwillig und ohne Lohn. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hat in der Schinkelhalle den Potsdamer Ehrenamtspreis verliehen – an besonders engagierte Bürger.

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Mit Lust und Freude und jetzt auch mit Preis: Das Localize-Festival und seine mitreißenden Aktionen – hier die Auflage „Zug um Zug“ 2013.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Eine Gesellschaft ohne Ehrenamtler – undenkbar. Ältere Menschen wären ohne freiwillige, unentgeltliche Hilfe von Nachbarn und Stadtteilzentren oft aufgeschmissen, auch in den Sportvereinen der Stadt wären ohne ehrenamtliche Trainer und Betreuer die Hallen und Plätze leer. Geld erhalten die guten Seelen im Ehrenamt nicht, doch 13 von ihnen konnten sich am Dienstagabend über eine besondere Ehrung freuen. In der Schinkelhalle fand zum neunten Mal die Verleihung des Potsdamer Ehrenamtspreises statt. In sieben Kategorien wurden Preise ausgelobt, diese zeigen die Vielfalt bürgerschaftlichen Engagements in der Landeshauptstadt. Ausgezeichnet wurden Freiwillige in den Bereichen des nachbarschaftlichen Zusammenlebens, in der generationenverbindenden Arbeit, im Sport, der Kultur und der Zivilgesellschaft sowie langjährige Freiwillige. Besonderen Wert bei der Auswahl der Preisträger legte die Jury auf Einsatz, Kreativität, Nachhaltigkeit und Bereicherung der Zivilgesellschaft.

Die Ehrung war im April von der Landeshauptstadt Potsdam, der städtischen Immobilienholding Pro Potsdam und dem Verein Soziale Stadt ausgeschrieben worden. Der Preis würdigt die Freiwilligentätigkeiten in der Stadt Potsdam, preiswürdig sind Initiativen und Einzelpersonen, die „bemerkenswerte Impulse, Aktionen, Projekte und ehrenamtliche Beiträge für unser Gemeinwesen“ leisten.

Alle Potsdamer waren aufgerufen, ehrenamtliche Personen oder Initiativen für die Auszeichnung vorzuschlagen. Die Zahl der Vorschläge ging dabei in diesem Jahr deutlich zurück. Nachdem es 2014 mit 123 Nominierten noch einen Rekord gegeben hatte, gingen 2015 in der dreimonatigen Bewerbungsfrist nur 98 Vorschläge ein.

Den Sonderpreis in der Kategorie „Jugend der Stadt“stiftete die Energie und Wasser Potsdam (EWP). Er geht an die Liedermacherliga. Das Projekt begann als Wette zwischen den Initiatoren Philipp Cayler und Freddy Knoerre, es entwickelte sich zu einem musikalischen Zuhause für Laien und Profis. Gleich zwei Preise durfte die Akademie Zweite Lebenshälfte mit nach Hause nehmen.

Die Preisträger sind:

Brigitte Reinisch

Die ausgebildete Pflegebegleiterin steht pflegenden Angehörigen beratend zur Seite und schenkt denen ihre Zeit, die den aufreibenden Pflegealltag meistern müssen. Unter dem Dach der Akademie Zweite Lebenshälfte arbeitet Brigitte Reinisch seit 2006 im Projekt „Engagement für Lebensqualität im Alter“. Zudem betreut sie mehrere allein lebende ältere Menschen und setzt sich für deren Belange ein.

Helga Hefti

Wenn eine weiß, wo Am Stern der Schuh drückt, dann ist es Helga Hefti. Als Gründerin der Bürgerinitiative Am Stern hat sie mit viel Herzblut und Bestimmtheit die Entwicklung des Stadtteils begleitet. Sie bringt sich im Lokalen Bündnis und im Stadtteilrat ein. Dabei hat Helga Hefti es stets verstanden, die Menschen an einen Tisch zu bringen. Ihr langjährige Engagement mit wird nun preisgekrönt.

Anke Drohla

Bereits als Jugendliche hat sich Anke Drohla dem Tierschutz verschrieben. Als langjähriges Mitglied und seit 2006 auch im Vorstand des Tierschutzvereins Potsdam setzt sich Anke Drohla für hilfsbedürftige Haus- und Wildtiere ein. Sie ist Gründungsmitglied der hiesigen Tierrettung, zudem rief Anke Drohla das Projekt „Krötenzaun Templiner Straße“ ins Leben und unterstützt junge Tierschützer.

Petra Sell

Der Optimismus ist Petra Sell nie abhanden gekommen. Mit ihrem starken Willen setzt sich die frühere Stadtverordnete als Leiterin des Mieterclubs Schilfhof 20 seit 2008 für die fast 100 Mietparteien des Hauses ein. Gemeinsame Veranstaltungen und Feste fördern den nachbarschaftlichen Zusammenhalt im Wohnblock am Schlaatz, in dem Petra Sell mit ihrem Ehemann Burghard seit mehr als 30 Jahren lebt.

Wolfgang Jarzack

Blinde und sehbehinderte Menschen meistern ihren Alltag meist gut, doch die digitale Welt bleibt ihnen oft verschlossen. Wolfgang Jarzak trägt mit seinem selbst programmierten und entwickelten Internetprogramm entscheidend dazu bei, die Lebensqualität der Betroffenen zu steigern. Jarzak sorgt dafür, dass sehbeeinträchtigte Menschen einen geeigneten Zugang zu Online-Inhalten bekommen.

Karl-Heinz Rothkirch

Seit mehreren Jahrzehnten engagiert sich der mittlerweile 80-jährige Karl-Heinz Rothkirch für Potsdam. Lange Zeit war er Vorsitzender der Bürgerinitiative Waldstadt, baute dort auch den Bürgertreff mit seinen vielen Freizeitangeboten mit auf. Nebenbei ist der Rentner Fußballtrainer, engagiert sich für Sportplätze, Seniorenheime, Stadtteilfeste – und macht sich für die Anwohner in der Waldstadt stark.

Erhard Schlinke

Als Mediator an der Goethe-Grundschule schlichtet Erhard Schlinke Streits und schafft so gleichzeitig eine Verbindung zwischen den Generationen. Sein vielfältiges Engagement an der Babelsberger Schule umfasst auch ein Bastelprojekt, dessen Erlöse an den Verein „Perspectives for West Africa“ gehen, und eine Theatergruppe, die mit selbst gefertigten Handpuppen in Kindertagesstätten auftritt.

Bernd Putz

Schon seit den 1990er Jahren kämpft Bernd Putz für ein barrierefreies Potsdam. Immer wieder stößt er Diskussionen an; wenn in der Stadt öffentliche Bauvorhaben geplant sind, steht Bernd Putz in Sachen Barrierefreiheit ganz vorn. Er prüft die Einhaltung von DIN-Normen auch schon mal persönlich auf Baustellen und arbeitet im Bauausschuss der Stadtverordnetenversammlung mit.

Christel Quick

Das Projekt „Alter engagiert sich für die Zukunft“ gibt es seit 2003 unter dem Dach der Akademie Zweite Lebenshälfte. Hier ist Christel Quick als Lernpatin tätig. An zwei Schulen betreut sie in Abstimmung mit den Lehrern Kinder, welche die deutsche Sprache noch nicht so gut beherrschen. Besonders liegt ihr die Sprachförderung von Kindern mit Migrationsgeschichte am Herzen.

Christine Gericke

Sie bringt ihre Mitmenschen in Bewegung. Seit mehr als 15 Jahren kümmert sich Christine Gericke um das Miteinander in der Wohnsportgemeinschaft Schlaatz. Die 75 Mitglieder können sich auf ihre Vorsitzende verlassen, sie organisiert regelmäßige Treffen und gemeinsame Aktivitäten. Als Übungsleiterin der Aerobic-Frauengruppe Schlaatz turnt Christine Gericke auch selbst aktiv mit.

Localize

Die Macher des Kulturfestivals Localize öffnen seit 2008 auf innovative Weise urbane Orte in Potsdam. Sie zeigen zeitgenössische Kunst und ein szenisch-musikalisches Programm in ungewöhnlichen Kontexten. Pathos und erhobene Zeigefinger lassen die jungen Ehrenamtler links liegen, sie thematisieren lieber mit Lust und Freude die Zukunft von Stadt und Gesellschaft. Im Sommer 2015 bezog das Festival zwei leerstehende Plattenbauaufgänge in Drewitz und lockte damit Kunstschaffende und Kulturinteressierte in den Stadtteil.

DRK-Bereitschaft

24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche befinden sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter der DRK-Bereitschaft in Wartestellung für ihren Einsatz. Bei Evakuierungen beweisen sie ihr Können ebenso wie im Hochwasserfall und in Erste-Hilfe-Kursen. Zwischendurch sorgen die Sanitäter der Bereitschaft auf bis zu 90 Veranstaltungen im Jahr für die Gesundheit der Besucher. Das DRK zählt in Potsdam 120 ehrenamtliche Mitglieder, 63 von ihnen gehören zu den aktiven Helfern. Für ihr zivilgesellschaftliches Engagement erhalten sie den Ehrenamtspreis.

Von Saskia Popp

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