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„Potsdam verschenkt Potenzial“

IHK-Studie zur Wirtschaft in der Landeshauptstadt „Potsdam verschenkt Potenzial“

Die Industrie- und Handelskammer hat eine Studie zum Wirtschaftsprofil und Gewerbeflächenmanagement der Landeshauptstadt beauftragt. Mit ernüchterndem Ergebnis: Potsdam schöpft sein Potenzial als Forschungsstandort mit Berlinnähe nicht aus.

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Potsdam brauche mehr Firmen wie die Christoph Miethke GmbH, die neurochirurgische Implantate herstellt.

Potsdam. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam sieht Schwächen in der Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt. Ein zweites Berlin-Adlershof, also ein international ausstrahlender Technologiestandort, könnte Potsdam sein, doch bislang schöpfe die Stadt ihr wirtschaftliches Potenzial nicht aus, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Mario Tobias am Dienstag bei der Vorstellung einer Studie zum Wirtschaftsprofil der Landeshauptstadt.

Fazit: Potsdam hat glänzende Rahmenbedingungen, macht aber zu wenig daraus. Nähe zu Berlin, die gute Autobahnanbindung, Bevölkerungszuwachs, geringe Arbeitslosigkeit bei hoher Akademikerquote – das alles biete beste Möglichkeiten für die Wirtschaft, aber bislang lägen in Potsdam Potenziale und Gewerbeflächen brach.„Eine große Landeshauptstadt kann nicht davon leben, dass sie Weltkulturerbe ist“, so Tobias.

Potsdams IHK-Chef Mario Tobias

Potsdams IHK-Chef Mario Tobias.

Quelle: Friedrich Bungert

Das Hamburger Beratungsunternehmen Georg Consulting, das für die IHK schon die Wirtschaft von Ostprignitz-Ruppin und Teltow-Fläming untersuchte, hat die Studie „Wirtschaftsprofil und Gewerbeflächengutachten 2025 – Landeshauptstadt Potsdam“ erstellt. Firmenchef Achim Georg: „Mit seiner Hochschul- und Forschungslandschaft gilt Potsdam als Stadt des Wissens, aber das macht sich kaum bemerkbar.“ Mehr als 92 Prozent der Beschäftigten in Potsdam arbeiten im Dienstleistungssektor. Wissensintensive Industrie, also technologieorientierte, produzierende Unternehmen, sei hingegen selten. Potsdam brauche mehr Firmen wie die Christoph Miethke GmbH im Ulanenweg, die neurochirurgische Implantate herstellt und den Gastgeber für die Präsentation gab.

Münster und Wiesbaden sind besser

Vergleichbare Wissensstädte wie Münster oder Wiesbaden seien deutlich besser positioniert. „Potsdam ist eine fantastische Stadt, aber sie verschenkt Potenzial. Wir lassen Dinge liegen, weil wir uns zu wohl fühlen in dem, was wir haben“, so IHK-Chef Tobias. Bessere Bedingungen für Gründer, zum Beispiel durch günstige Büro- und Laborflächen oder die Ausweisung von Quartieren für „intelligente Fabriken“ könnten das ändern.

Hauptproblem: fehlende oder schlecht vermarkte Gewerbeflächen. In der wachsenden Stadt konkurriert die Wirtschaft mit Wohnungssuchenden. Gewerbeflächen seien für den Wohnungsbau umgewidmet worden. Es gebe aber theoretisch noch genug potenzielle Gewerbeflächen (124 Hektar) – aber an die sei oft kein rankommen. Pro Jahr habe die Stadt Flächenanfragen in der Größenordnung von rund 40 Hektar – aber nur rund 3,7 Hektar jährlich werden vermarket. Denn freie Flächen sind oft in der Hand privater Eigentümer, die darauf spekulierten, ihr Areal für einen höheren Preis loszuwerden, falls es als Wohnland benötigt wird.

Hier müsse die Stadt Geld in die Hand nehmen, um Flächen zu kaufen. „Uns geht es darum, dass die Stadtverordnetenversammlung der Wirtschaftsförderung die richtigen Mittel an die Hand gibt, damit diese Agieren kann“, so Tobias.

Das Gewerbegebiet Potsdam-Süd entspricht nicht den Anforderungen

Für die Studie wurden alle 23 Potsdamer Gewerbestandorte untersucht. Ungenügend genutzt seien vor allem der Wissenschaftspark Golm und der Friedrichspark. Dass für letzteren ein Möbelhaus im Gespräch ist, findet Wirtschaftsberater Achim Georg nicht optimal, weil dadurch wenig hoch bezahlte Arbeitsplätze entstünden. Das Gelände an der Autobahn sei vielmehr prädestiniert als Logistikstandort.

Auch das Sago-Gelände an der Michendorfer Chaussee, auf dem das Tierheim gebaut wird, sei eigentlich günstig für Gewerbe. Das Industriegebiet Potsdam-Süd müsse modernisiert werden. Um das alles zu gewährleisten, brauche die Stadt professionelles Management durch eine eigene Entwicklungsgesellschaft für Industrie- und Gewerbeflächen, schlagen Georg Consulting und IHK vor.

Stefan Frerichs, Bereichsleiter Wirtschaftsförderung bei der Landeshauptstadt, wertet die Studie nicht als Kritik, sondern als Bestätigung des Wegs, den Potsdam längst eingeschlagen habe. „Die Stadt hat zehn Hektar im Wissenschaftspark Golm gekauft und vermarket diese.“ Hauptproblem sei eben, dass Potsdam die Flächen nicht gehören. In einer Stadt, die Schulen und Kitas benötige, sei es aber schwer vermittelbar, Kredite für den Kauf von Gewerbeflächen aufzunehmen. Eine eigene Entwicklungsgesellschaft könne daran wenig ändern.

Von Marion Kaufmann

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