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Potsdam will "Beutekunst" von Berlin zurück

Gezerre um Stadtschloss-Figuren Potsdam will "Beutekunst" von Berlin zurück

Die acht Figuren des Potsdamer Stadtschlosses auf den Seitenflügeln der Berliner Humboldt-Universität in der Allee Unter den Linden sind von Brandenburgs Landesregierung und der Schlösserstiftung für Potsdam längst abgeschrieben. Doch in Lokalpolitik und Bürgerschaft formiert sich Widerstand.

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Quelle: Bernd Gartenschläger

Innenstadt/berlin-mitte. Der Kulturausschuss bestätigte am Donnerstagabend bei einer Gegenstimme (Karin Schröter/Linke) einen Antrag der Fraktionen CDU/ANW und SPD, nach dem Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) mit dem Berliner Senat und der Schlösserstiftung eine Rückführung der Figuren aushandeln soll.

Schröter verwies auf den Stand der Dinge. Die Landesregierung hat gerade in dieser Woche auf Anfrage der Abgeordneten Saskia Ludwig (CDU) bekräftigt, dass es nicht mehr viel zu sagen gibt: "Fachpolitische Erörterungen zu diesem Thema sind nicht mehr notwendig, da sich die Eigentümerin der Figuren (die Schlösserstiftung, Red.) für ihren Verbleib auf der Humboldt-Universität ausgesprochen hat." Bekanntlich wurden die Skulpturen nach dem Abriss der Potsdamer Schlossruine 1966 als Dauerleihgabe nach Berlin gegeben, wo sie laut Schlösserstiftung "einen gestalterisch und konservatorisch sinnvollen ... neuen Standort gefunden haben". Die Rekonstruktion der 74 überlebensgroßen Figuren des Potsdamer Stadtschlosses soll laut Landtagsbeschluss "bürgerlichem Engagement vorbehalten" bleiben.

Im Kulturausschuss fand Schröters Verweis auf das Faktische kaum Gegenliebe. Mit dieser Argumentation, so Hans-Wilhelm Dünn (CDU), wäre auch das neue Stadtschloss "nicht möglich" geworden. Kulturdezernentin Iris Jana Magdowski (CDU) brachte als Vorschlag zur Güte, dass Kopien eher auf das Schloss passten als die originalen Skulpturen, weil auch das Schloss ein Nachbau sei. Doch Helmut Przybilski (SPD) setzte nach: "Man sollte jetzt als Potsdamer nicht kapitulieren." Peter Schultheiß (Potsdamer Demokraten) setzte eine Pointe mit der Feststellung, man könne bei den Skulpturen durchaus von "Beutekunst" sprechen. Hans-Jürgen Scharfenberg (Linke) hingegen sagte: "Diese Skulpturen haben ihren Platz gefunden." Ihm stelle sich "nicht die Frage, ob der Oberbürgermeister da überhaupt etwas ausrichten" könne: "Aber ich bin gespannt, wie er diesen aussichtslosen Auftrag erfüllen wird." Birgit Morgenroth (SPD) entgegnete: "Auch wenn es aussichtslos ist: Wir wollen, dass der Oberbürgermeister diese Gespräche führt, weil es durchaus wichtig ist."

Schließlich wurde abgestimmt.

Von Volker Oelschläger

» MAZ-online.de/stadtschloss

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Acht originale Figuren aus Potsdam bleiben in Berlin

Nur eines ist sicher: Der Replik des Stadtschlosses fehlt ohne die Figuren auf dem Dachgesims noch das entscheidende I-Tüpfelchen. Die Abgeordneten des Brandenburger Landtages, die künftig in den hochmodernen Innenräumen tagen, werden bis auf weiteres ohne den Beistand der nackten Helden und Götter auskommen müssen, die das äußerlich wiederhergestellte Bauwerk bis zu seiner Zerstörung wesentlich geprägt haben.

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