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Potsdam will Flüchtlings-Container bauen

„Modul-Häuser“ im Drewitzer Gewerbegebiet schaffen 100 Plätze Potsdam will Flüchtlings-Container bauen

In Potsdam sollen in diesem Jahr 178 zusätzliche Flüchtlinge aufgenommen werden. Weil nicht genügend Wohnungen bereitstehen, sollen auf dem Drewitzer Industriegebiet am Buchhorst 100 neue Plätze in sogenannten Modul-Häusern geschaffen werden. Die Container sind umstritten.

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"Container sind nicht für Menschen": Flüchtlinge im Gespräch mit Anke Latacz-Blume (4.v.l.) , Fachbereichsleiterin für Soziales.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Schlaatz. Wenn Donia Bakshi an den Sommer vor zwei Jahren zurückdenkt, wird ihr schwer ums Herz. „Wenn Sie länger im Heim bleiben, werden Sie ihr Baby verlieren“, hatte ihr behandelnder Arzt die an Epilepsie leidende, junge Afghanin gewarnt. Gemeinsam mit ihrem Mann Halim Bakshi bewohnte die damals im siebten Monat schwangere Frau das Flüchtlingswohnheim am Nuthetal. Der ständige Lärm der vielen Menschen auf zu engem Raum raubten ihr den Schlaf und die Nerven. Sie fühlte sich unwohl, ihr gesundheitlicher Zustand verschlechterte sich zunehmend. Donia Bakshi erhöhte die Dosis der Medikamente – eigentlich viel zu viel für eine Schwangere.

Im Oktober 2011 brachte sie dann ihren Sohn zur Welt, im Februar 2012 konnte die kleine Familie ihre eigene Wohnung in der Stadt beziehen. Das Diakonische Werk Potsdam half bei der Vermittlung der Wohnung. Seither geht es Donia Bakshi viel besser. Die Familie fühlt sich sehr wohl in ihrem neuen Zuhause, hat guten Kontakt zu den Nachbarn. Die Bakshis können endlich ein ganz normales Leben führen.

Donia Bakshis Appell lautet: „Helfen Sie den Menschen, aus dem Heim herauszukommen!“ Der Traum vom eigenen Heim ist für sie wahr geworden, so viel Glück haben aber längst nicht alle Flüchtlinge in der Landeshauptstadt: Auf dem Wohnungsmarkt finden sich kaum leer stehende Wohnungen und die von der Stadt festgesetzten Mietobergrenzen von 5,50 Euro pro Quadratmeter für Sozialwohnungen lassen nur wenig Spielraum zu. Vor allem Wohnungen für Alleinstehende und für Familien ab fünf Personen sind schwer zu finden.

Im vergangenen Oktober startete die Diakonie das Modellprojekt Wohnen. Anlass war die prekäre Wohnsituation des voll ausgelasteten Wohnheims am Nuthetal im Wohngebiet Schlaatz. Mit Geldern des Evangelischen Kirchenkreises Potsdam konnte Leila Eberlein beim Beratungsfachdienst für Migranten angestellt werden. Seither unterstützt sie auszugsberechtigte Flüchtlinge bei der Wohnungssuche, der Unterzeichnung von Mietverträgen und dem Einkauf von Möbeln.

Dank Leila Eberleins Beratung konnten seit vergangenem Dezember Wohnungen für 47 Menschen in 27 Haushalten gefunden werden. Neun Menschen zogen in andere Städte und sechs Mietverträge wurden kürzlich abgeschlossen. Leila Eberleins Arbeit, die an der Schnittstelle zwischen Flüchtlingen, Wohnungsamt, Vermietern, Jobcenter und Sozialamt stattfindet, wird von allen Beteiligten gut angenommen. Vor allem die Flüchtlinge sind ihr sehr dankbar für ihre Unterstützung.

Doch es gibt ein Finanzierungsproblem: Leila Eberleins Vertrag endet im Oktober – die Diakonie kann ihre Stelle nicht mehr tragen und sieht die Zuständigkeiten bei der Stadt. Die wiederum setzt sich in ihrem „Leitfaden zur Wohnungsunterbringung“ auch für die Unterbringung in Wohnungen ein. Flüchtlinge sollen binnen zwölf Monaten, besonders schutzbedürftige Flüchtlinge innerhalb von sechs Monaten, in eine Wohnung ziehen können.

Doch hinter dem Projekt steht vor allem eines: Ein großes finanzielles Loch. Hinzu kommt der Druck vom Land Brandenburg, möglichst schnell Maßnahmen zu finden, um den anhaltenden Strom von Flüchtlingen aus Eisenhüttenstadt zu verteilen. Dort liegt die zentrale Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge im Land Brandenburg, von wo aus sie in die Landkreise weitervermittelt werden sollen.

In der Landeshauptstadt sollen in diesem Jahr 178 zusätzliche Flüchtlinge aufgenommen werden. Und wenn es keine Wohnungen für sie gibt, dann müssen es eben Zelte und Turnhallen sein. Oder eben Container. Auf dem Drewitzer Industriegebiet am Buchhorst sollen durch deren Bau 100 neue Plätze für Flüchtlinge geschaffen werden.

„Das sind nicht die Container, die wir von der Baustelle kennen“, sagt Anke Latacz-Blume, Fachbereichsleiterin für Soziales. „Weder von draußen noch von drinnen sehen sie so aus, es gibt eine Heizung, heißes Wasser, alles.“

Donia Bakshi sieht das anders. „Container sind nicht für Menschen: Sie sind aus Stahl, egal wie sie aussehen. Und meine Kinder sollen nicht in Stahl leben.“ Auch die Diakonie sieht in dem Projekt keine langfristige Lösung.

Denn das größte Problem ist nicht das Material, sondern der Standort der geplanten Siedlung. Buchhorst liegt am Stadtrand von Potsdam: Wie soll ein Flüchtling sich integrieren, wenn er fern der Innenstadt in Isolation lebt?

Genaue Angabe zum möglichen Bau und den Kosten des Projektes kann Anke Latacz-Blume nicht machen, auch nicht, ob es überhaupt umgesetzt wird.

Eine Entscheidung könnte am 4. September in der Stadtverordnetenversammlung fallen. Wenn es grünes Licht für die Container gibt, sollen sie nicht länger als fünf Jahre stehen bleiben. Danach können sie abmontiert und wiederverwertet werden. Die Bewohner der Container sollen dann ein richtiges Zuhause gefunden haben. Wenn der Markt und die Mark es zulassen.

Von Anja Meyer und Morgane Llanque

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