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Potsdam Potsdam will Pfandringe einführen
Lokales Potsdam Potsdam will Pfandringe einführen
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07:17 19.10.2017
Pfandringe für Flaschen – hier in Karlsruhe – werden an öffentliche Papierkörbe angebracht. Quelle: DPA
Potsdam

Acht Cent für die leere Bierflasche aus Glas, fünfzehn für eine PET-Mineralwasserbuddel, fünfundzwanzig für die Cola-Dose: Auch in Potsdam gehören Menschen, die in Mülltonnen und Papierkörbe greifen, weil sie aufs Pfand-Sammeln angewiesen sind oder sich damit ein Zubrot verdienen, längst zum Stadtbild. Laut Sozialamtsleiter Frank Thomann erwägt die Landeshauptstadt nun, so genannte Pfandringe einzuführen.

Ein Pfandring ist eine Konstruktion an Mülleimern. Wer in der Stadt unterwegs ist, sich etwas zu trinken mitgenommen, aber keine Lust hat, seine leere Pfandflasche zum Supermarkt zurückzutragen, kann sie in die Halterung klemmen. So müssen Flaschensammler nicht mehr in die Tonnen greifen und im Abfall nach Flaschen wühlen.

Bevor es losgehen kann, sind noch Patentrechte zu prüfen

„Wir haben bereits im Jobcenter angefragt, ob es uns beim Bauen, Aufstellen und Warten unterstützt“, sagte Thomann am Dienstagabend im Ausschuss für Gesundheit, Soziales und Inklusion: „Das klappt voraussichtlich.“ Eine sechsmonatige Testphase ist für 2018 geplant. Einziges Problem: „Es steht noch eine Patentprüfung im Raum, deren Ergebnis wir noch abwarten müssen – wir wollen mit dem Nachbau keine Patentrechte verletzen.“

Als Erfinder des Pfandrings gilt der Designer Paul Ketz. Anfang 2012 hat er als Student in dem Semesterkurs „Für ein sauberes Köln“ in Kooperation mit den Abfallwirtschaftsbetrieben der Stadt die ersten Prototypen entwickelt, hergestellt und installiert. Noch im gleichen Jahr gewann er mit dem Pfandring in der Sparte „Nachwuchs“ den Bundespreis für Eco-Design des Umweltministeriums. Das Jurystatement damals: „Mit dem Pfandring wird die sonst weggeworfene Flasche zum Geschenk – für die, die es wirklich brauchen.“ Er sei „der Trauring für Ökologie und Soziales“. 2014 stellte Ketz sein System in der Gründer-Show „Höhle der Löwen“ auf Vox vor – und scheiterte. Nichtsdestotrotz war das Interesse etlicher Städte und Kommunen geweckt: Neben Köln haben unter anderem Karlsruhe, Bamberg, Stuttgart, Bielefeld, Hannover und Magdeburg den Pfandring eingeführt oder zumindest erprobt.

Eine Pfandlaterne in Hannover. Quelle: dpa

Die Landeshauptstadt Potsdam durch einen Antrag der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen auf den Pfandring aufmerksam geworden. Demnach soll die Einführung des Systems über Arbeitsfördermaßnahmen in die Sauberkeitskampagne der Stadt integriert werden. „Wir sehen den Antrag durch Verwaltungshandeln als erledigt an“, sagte Birgit Eifler, die für die Fraktion im Sozialausschuss sitzt.

Das System erntet nicht nur Lob

Mit Kommunen, die bereits Pfandringe installiert haben, hat sich Potsdam laut Stadtsprecher Stefan Schulz bisher nicht über die Vor- und Nachteile ausgetauscht. Dabei erntet das System nicht nur Lob. Offenbar kommt es immer wieder zu Beeinträchtigungen: So soll das Leeren der Tonnen länger dauern und dadurch teurer werden. Die Stadtentsorgung Potsdam (Step) wollte sich auf Anfrage der MAZ nicht zu dem Thema äußern. Stadtwerke-Sprecher Michael Meyer sagte lediglich: „Wenn die Landeshauptstadt entscheidet, dass Pfandringe eingeführt werden, tragen wir das mit.“

Eine Idee, verschiedene Systeme

Neben dem Pfandring gibt es ähnliche Systeme, die Flaschensammlern das Wühlen im Müll ersparen sollen.

Die Pfandlaterne wurde von den Kölner Abfallwirtschaftsbetrieben konzipiert – ein Gegenentwurf zum Pfandring, den die AWB anfangs unterstützt haben.

Pfandkisten wurden in Berlin aufgestellt, etwa in Spandau. Allerdings bewährte sich das System nicht. Die in Hamburg ansässige Getränkefirma Lemonaid verschickt ebenfalls Pfandkisten, hat zudem eine Bauanleitung für Pfandkisten im Internet veröffentlicht und zieht eine positive Bilanz.

Die Initiative „Pfand gehört daneben“ (Weil man Geld nicht einfach wegwirft) kommt ganz ohne spezielle Halterungen aus und setzt stattdessen auf Aufkleber, Flyer und Plakate mit ihrem Slogan. Auf Facebook unterstützen mehr als 53000 Menschen die Kampagne, darunter Prominente wie die Beatsteaks, die Donots, Jennifer Rostock und MC Fitti. nf

Von Nadine Fabian

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