Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Zwölftklässler sammeln Geld, um „Faust“ spielen zu können
Lokales Potsdam Zwölftklässler sammeln Geld, um „Faust“ spielen zu können
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:06 30.01.2019
Lampenfieber kennen die Schüler nicht, sie standen schließlich schon öfter zusammen auf der Bühne. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

 „Grau, treuer Freund, ist alle Theorie“ – die Worte des teuflischen Mephistopheles in Goethes Faust kennt jeder Oberschüler. Die Zwölftklässler der Potsdamer Waldorfschule nehmen sich diesen Vers besonders intensiv zu Herzen. Die Teenager erarbeiten gemeinsam mit zwei Lehrern die Bühnenvariante des weltbekannten Dramas über Alter und Jugend, Religion und Glaube, Liebe und Tod.

Vier Wochen proben die Jugendlichen

Vier Wochen lang proben die Jugendlichen ihr Stück, oft bis in den Abend hinein. Als Waldorfschüler haben sie bereits einige Bühnenerfahrung: In der sechsten und achten Klasse gehören Aufführungen zum Lehrplan, auch zwischendurch gibt es bei Schulversammlungen immer wieder Gelegenheit, Gelerntes vor anderen Jahrgängen zu präsentieren. Lampenfieber haben die Schüler daher nicht. „Außerdem kennen wir uns alle gut und sind eine gute Klassengemeinschaft“, sagt Ava Felgenhauer. „Uns ist voreinander nicht viel peinlich.“

Die 17-Jährige spielt Mephisto – einen von sechs. Denn die großen, textlastigen und ausgesprochen anspruchsvollen Rollen im Stück sind unter mehreren Schülern aufgeteilt. So gibt es neben dem halben Dutzend Teufeln auch drei Gretchen und, natürlich, mehrere Fausts.

Einer der beiden begleitenden Pädagogen ist der Deutschlehrer Jan Wandtke. „Für mich ist die Herausforderung, dieses Stück in die Erlebenswelt der heutigen Jugendlichen einzubinden“, sagt er- „Die großen Themen im Faust, Gerechtigkeit, Geschlechterbilder, das passt zu den Fragen, die unsere Schüler sich stellen.“ Bei Lina mahn, einer der Gretchen-Darstellerinnen, geht das Konzept auf. Sie hat sich inmtensiv mit ihrer Figur befasst: „Von dem lieben, ruhigen Mädchen, das Gretchen am Anfang ist, bleibt ja nicht viel übrig“, sagt sie. „Und es ist nicht ganz einfach, sich in diese total abgedrehte Frau hineinzufühlen, die dann im Kerker alle Emotionen gleichzeitig durchlebt.“

Es fehlt noch Geld

Aufgeführt wird das Werk dann am Ende nicht nur vor ein paar Eltern und Mitschülern. Die Potsdamer Waldorfschüler haben sich schon vor Monaten um die Teilnahme an einem Faust-Festival in München-Ismaning beworben. Vier reformpädagogische Schulen treffen sich dort im Februar, um das gesamte Drama, also Teil eins und zwei, aufzuführen. Den Potsdamern obliegt der gesamte Faust I, Schüler aus Dresden, Landsberg und Wendelstein (beides in Bayern) teilen den Rest unter sich auf. 23 Schüler und drei erwachsene Betreuer auf Reisen: das kostet. „Wir haben ein Crowdfunding auf der Plattform Startnext eingerichtet, um das Geld für unser Projekt zusammenzukriegen“, sagt Nikita Gestrich, auch er spielt Mephisto. 5.000 Euro brauchen die Schüler, um nach München fahren zu können.

Einfach die Eltern anpumpen wollen sie nicht: „Wir machen in diesem Jahr noch eine Kunstfahrt vor dem Abitur, das ist teuer genug“, sagt eine Schülerin. Deshalb also Crowdfunding. Hier können alle Interessierten Geld für Projekte spenden, für bestimmte Summen gibt es ein Dankeschön, etwa ein Veranstaltungsplakat oder einen „Wellness-Sitzplatz“ bei einer Aufführung. Eine Woche läuft die Sammelaktion noch, mehr als 1.000 Euro fehlen noch zum gesteckten Ziel. „Wir müssen das irgendwie schaffen“, sagt Nikita Gestrich.

Darauf hofft auch die Theaterpädagogin und Waldorf-Lehrerin Claudia Bathke. Sie arbeitet während der Proben am intensivsten mit den Schülern, immer wieder geht sie die einzelnen Szenen mit den Gruppen durch, spricht über Emotionen während der Dialoge und bringt den jugendlichen den Stoff somit näher. Sie sagt: „Diese Schüler sind eine tolle Truppe, es macht großen Spaß, mit ihnen zu arbeiten.“ Sie sei, sagt Claudia Bathke, guten Mutes, dass die benötigte Summe zusammenkäme. Im Abschluss an das Faust-Festival werden die Zwölftklässler vom 15. bis zum 18. Februar Faust auch in der Schule aufführen, hier sind die Potsdamer herzlich eingeladen.

Von Saskia Kirf

Wegen eines Abwasserrohrbruchs ist der Potsdamer Horstweg von der Ausfahrt Nutheschnellstraße in Richtung Babelsberg bis nächste Woche gesperrt. Die Busse 693 und N14 fahren anders.

30.01.2019

Es wird keine weitreichenden architektonischen Änderungen am RAW-Digitalprojekt „Creative Village“ in Potsdam geben. Die Stadtverordneten haben am Mittwoch die Aufstellung eines Bebauungsplans in den vom Investor gewünschten Dimensionen beschlossen. Alternative Architekturentwürfe sollen nur nichtöffentlich vorgestellt werden.

02.02.2019

Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) nimmt vor den Stadtverordneten Stellung zur Lageeinschätzung der Polizei und gibt eine Rathaus-interne Neuordnung bekannt. Die Toleranz-Geschäftsstelle ist nicht mehr für kommunale Kriminalitätsverhütung zuständig.

02.02.2019