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Potsdam #Potsdamagram: So haben Sie Potsdam noch nie gesehen
Lokales Potsdam #Potsdamagram: So haben Sie Potsdam noch nie gesehen
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21:36 16.12.2018
Für ihre Bilder geht Nadine Redlich auch schon mal in Tuchfühlung mit dem nassen Boden. Wenn solche Bilder wie hier von der Orangerie dabei herauskommen, weiß man warum. Quelle: Nadine Redlich
Innenstadt

Der Fotograf Steven Ritzer hat den Grundstein für eine große Gemeinschaft gelegt. Vor zwei Jahren zog der 33-Jährige aus Ludwigsfelde nach Potsdam und eröffnete auf der sozialen Plattform Instagram den Account „potsdamagram“. Hier teilt er seither regelmäßig Bilder aus der Landeshauptstadt mit aller Welt. Damals stand er noch ganz am Anfang und galt als Vorreiter in Sachen Potsdam auf Instagram. Kaum einer knipste in der Region Bilder mit dem Handy, die sich ausschließlich auf das Stadtgeschehen konzentrierten.

Mittlerweile folgen ihm über 6000 Menschen. Mehr noch: Er hat eine Art Bewegung damit angekurbelt. Zahlreiche Einheimische präsentieren Potsdam inzwischen auf der sozialen Plattform. Unter dem Hashtagpotsdamagram“ laufen täglich dutzende Bilder bei ihm ein.

Insta-Walks durch die Stadt

Steven Ritzer hat sich darauf spezialisiert, die Stadt aus einem für Fußgänger eher unüblichen Blickwinkel zu zeigen. Er klingelt an Türen in dem Hochhaus an der Breiten Straße oder in einem Haus in der Gutenbergstraße, um von der höchsten Etage über die Dächer der Stadt zu schauen.

 

Dabei entstehen einzigartige Potsdam-Ansichten. Bei anderen Aufnahmen stellt er sich wiederum mitten auf die Straße und fotografiert das von Moderator Günther Jauch sanierte Eckhaus in der Brandenburger Straße/Friedrich-Ebert-Straße 98, in dessen Untergeschoss ein Bäcker täglich seine Türen öffnet. Das Bild zeigt den ganz normalen Potsdam-Alltag, die Tram 92 quert das Bild, ein paar Leute laufen auf der Brandenburger entlang. „Für mich sind nicht die Schlösser das Entscheidende – ich will zeigen, wie das Leben hier in Potsdam spielt. In jedem Stadtteil ist das anders“, erklärt er.

Potsdamer Steven Ritzer (33) postet als „potsdamgram“ Bilder auf Instagram. Quelle: Anne Knappe

Das Bild wurde sogar von der Deutschen Zentrale für Tourismus, die im Auftrag des Bundesministeriums agiert, geteilt. Kooperations-Anfragen von Unternehmen, die für Geld ihre Werbung bei ihm platzieren, lehnt er jedoch ab. „Es war nicht das Anliegen, Geld damit zu machen, sondern mehr Ansichten der Stadt zu zeigen“, betont er.

Wie groß die Gemeinschaft ist, die inzwischen durch Potsdams Straßen zieht, zeigt sich bei seinen sogenannten „Insta-Walks“, die er regelmäßig organisiert. Das sind Stadtspaziergänge für Instagramer zu den fotogensten Plätzen. Auch aus Berlin sind Teilnehmer bei diesen Touren dabei. Wer bei Steven Ritzers „Insta-Walks“ mitlaufen möchte, findet die Termine auf potsdamagram.

Die MAZ gibt es übrigens auch Instagram und berichtet zum Geschehen in Brandenburg. Hier geht es zum Kanal:

Pauline Putzig zeigt stimmungsvolle Stadtbilder

Nach zehn Jahren ist für Antje Paul ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen: Endlich konnte sie in Potsdam leben. „Bei den Mieten, die man hier zahlen muss, war das kein leichtes Unterfangen“, erzählt die 35-Jährige, die im brandenburgischen Ziesar groß geworden ist. Ihre Schwester wohnte schon lange in der Landeshauptstadt; immer mal wieder war sie zu Besuch in ihrer Lieblings-Stadt. Als Freunde in Potsdam umzogen, ergriff sie die Chance und siedelte in die Landeshauptstadt über.

Neu in Potsdam und verliebt in die Stadt: Antje Paul (35) postet unter ihrem Spitznamen Pauline Putzig Bilder auf Instagram Quelle: Anne Knappe

Seit Juli arbeitet die gelernte Bürokauffrau als Sachbearbeiterin im Landesamt für Umwelt. Und mit dem Umzug verwandelte sich auch ihr Instagram-Account, auf dem sie sich nach ihrem früheren Spitznamen „pauline.putzig_“ nennt, in eine bunte Sammlung von Potsdam-Motiven. „Wenn man seine Stadt wirklich liebt, macht man das“, erklärt sie. Beinahe täglich postet sie einen Beitrag – nicht für Geld, sondern für sich, sagt sie.

Mit jedem Motiv fängt sie dabei eine Stimmung ein. So inszeniert sie an einem düsteren Tag mit schwarzem Gewitter-Himmel eine leuchtend weiße Nikolaikirche in ein ganz neues Licht oder fotografiert das Jägertor in der Hegelallee in einem nostalgischen Herbst-Licht. „In Potsdam gibt es so viel zu entdecken. Ich war zum Beispiel überrascht, wie viele Windfahnen es hier auf den Dächern gibt“, erzählt sie.

So verwundert es kaum, dass ihre Bilder immer wieder einzelne Elemente wie Dächer, Zäune oder Statuen in Potsdams Parkanlagen zeigen. In der Innenstadt wiederum fotografiert sie zum Beispiel ungewöhnliche Sichtachsen von der Gedenkstätte Lindenstraße hinunter zur Breiten Straße, wo überraschend ein grünes Dach mit langen Säulen und einer goldenen Statue auftaucht. Dabei handelt es sich um das große barocke Bauensemble, welches Friedrich Wilhelm I. einst als Erziehungs- und Ausbildungsstätte für Soldatenkinder und Militärwaisen stiftete. Der im Dezember 2004 vollständig rekonstruierte Tempelturm mit der goldenen Caritas-Statue geht im täglichen Blickwinkel hoch oben rasch unter.

Antje Paul sieht viele dieser Dinge als Potsdamerin in ihrem Alltag. „Ich bin ja kein Tourist, aber ich gucke mir alles an, wie einer“, sagt sie. Über Instagram hat sie aber nicht nur ihre neue Heimat kennengelernt, sondern inzwischen auch viele Freunde gefunden. Nach und nach stieß sie im Internet auf Gleichgesinnte, die ebenfalls Fotos von der Stadt machen. „Die Community wächst – jeden Tag kommt jemand Neues dazu“, sagt sie.

Weitere Instagram-Accounts und wie es funktioniert

Instagram ist eine Bild-App, die man kostenlos auf sein Smartphone herunterladen kann.

Nach Belieben kann man Fotos oder Videos mit dem Handy aufnehmen und auf der Online-Plattform hochladen. Jeder Nutzer kann sich ein Profil (Account) anlegen und seine Aufnahmen dort entweder nur mit Freunden oder mit allen Nutzern teilen.

Derzeit hat die Plattform rund eine Milliarde Nutzer weltweit.

Viele weitere spannende Potsdam-Profile gibt es auf Instagram:

Unter dem Namen chris_reyem teilt der freiberufliche Webdesigner Christian Meyer (31), der kürzlich von der Ostsee nach Potsdam zog, viele Potsdam-Ansichten.

Der Account bcpix.de von Andreas Becker (39) zeigt vor allem Natur- und Wasseransichten in Potsdam. Wer Potsdam mit dem Rad entdecken möchte, ist bei ihm genau richtig. Seine Lieblingsplätze: Parforceheide am Stern oder die Drewitzer Nuthewiesen.

Wer Lust auf DDR-Architektur aus einem neuen Blickwinkel hat, findet auf potsdam_ostmodern tolle Ansichten.

Lohnenswert sind auch die Accounts patchpotsdam, christlmistl,  viktor_vslv oder gold.bokeh.

 

Geschichten von der Straße: Potsdamomente von Nadine Redlich

Nur wer den Kopf schräg in den Nacken legt und hoch hinauf schaut, erkennt den lila Punkt vor der roten Fassade. Es ist ein Buch mit dem Titel „Pferde“, das dort oben auf einer der Statuen am Filmmuseum liegt. Der Zusammenhang passt, wo der einstige Marstall Unterschlupf für die königlichen Pferde bot. Nadine Redlich ist die Inszenierung aufgefallen. „Irgendjemand muss es dort hochgeworfen haben“, sagt die 32-Jährige.

Nadine Redlich (32) erzählt mit kleinen Dingen Geschichten und erreicht die Menschen. Quelle: Nadine Redlich

Das Foto hat sie auf ihrem Instagram-Account „potsdamomente“ geteilt. Seit August 2017 ist sie dort aktiv. Damals schob die Marketing-Fachfrau täglich ihre kleine Tochter (1) im Kinderwagen durch die Stadt. Ihre Fotos während der Spaziergänge teilte sie auf „potsdamomente“, wo sie knallig-blaue Türen in einer tristen Behlertstraße oder steinerne Nilpferde am Rande der Breiten Straße zeigt.

In der Szene gilt sie als diejenige, mit dem besten Blick für Details. „Ich möchte Dinge fernab der üblichen Sichtachsen zeigen“, sagt sie. Ihre Bilder erzählen eine Geschichte oder vermitteln eine Botschaft. Beispiel: An einer Häuserwand steht das Wort „Sorge“. Die Aufnahme entstand am Köhlerplatz in der Nähe des St.-Josephs-Krankenhaus in der Brandenburger Vorstadt. Daneben steht noch das Wort „ohne“.

Vor zehn Jahren hing die Kunst-Installation des Vereins Winzerberg und der Berliner Künstlergruppe Schein noch am Winzerberg. Es sollte nicht nur eine Anspielung auf „Sanssouci“ sein, sondern auch auf die Vernachlässigung des Babelsberger Parks aufmerksam machen. Nadine Redlich hat das Wort „ohne“ weggelassen und ihre ganz eigene Interpretation dazu: „Ohne Sorge ist wohl niemand“, erklärt sie. „Aber wenn wir die Sorgen derer erkennen könnten, die von uns marginalisiert werden, wäre das ein Schritt in die richtige Richtung. Zuhören. Verstehen. Umdenken.“

Dabei macht sie auch eine Anspielung auf den historischen Bezug des Platzes, der nach Potsdams ehemaligem Bürgermeister Erwin Köhler (1901-1951) benannt wurde. Vom sowjetischen Geheimdienst verhaftet, wurde er 1951 unschuldig zum Tode verurteilt. „Es ist gerade auch so eine Zeit, in der man sich als Demokratie-liebender-Mensch Sorgen macht“, sagt sie. „Ich gehe nicht auf Demos, aber ich versuche, mich so auszudrücken.“

Und die Botschaften kommen an: Mit „potsdamomente“ erreicht sie täglich über 1000 Menschen. „Zur Hälfte sind das Potsdamer und dann sind es Leute, die mal hier gelebt haben, aber weggezogen sind“, sagt sie. Indem sie diese Menschen an dem teilhaben lässt, was sie im Alltag sieht, gibt sie ihnen auch ein Stück Heimat zurück.

Von Anne Knappe

In dieser Serie der MAZ werden Menschen des Alltags vorgestellt, die Ihnen vielleicht schon mal über den Weg gelaufen oder die gerade bei Ihnen nebenan eingezogen sind. Vielleicht erkennen Sie Ihren Nachbarn aus Potsdam wieder?

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