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Potsdamer Antifa wird zum Fall für Historiker

Buchpräsentationen im Freiland-Kulturzentrum Potsdamer Antifa wird zum Fall für Historiker

Die Potsdamer Antifa-Gruppe, gegründet 1987 in Reaktion auf eine Häufung rechtsextremer Übergriffe in der DDR, wird zum Gegenstand für die Geschichtsforschung. Im Potsdamer „Freiland“-Kulturzentrum werden am Dienstag zwei Bücher vorgestellt, die sich aus unterschiedlicher Perspektive mit dem Thema beschäftigen.

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Szene aus dem 1988 gedrehten Film der Potsdamer Antifa mit dem Einzug der Aktiven ins Civil-Waisenhaus an der Berliner Straße, damals ein Treffpunkt der Gruppe.

Quelle: Privat

Potsdam. „Demokratiebewegung und Antifa in Brandenburg vor 1989 und danach“ ist der Titel einer Veranstaltung, zu der am Dienstag um 19 Uhr im Potsdamer Kulturzentrum „Freiland“, Friedrich-Engels-Straße 22, gleich zwei unlängst erschienene Bücher mit unterschiedlichem Zugang zum Thema vorgestellt werden. Peter Ulrich Weiß und Jutta Braun als Autoren des Buches „Im Riss zweier Epochen – Potsdam in den 1980er und frühen 1990er Jahren“ schreiben eröffnend vom „Wirken“ einer „weitgehend vergessenen Gruppierung“. Anspruch ihrer im Be.Bra Wissenschaft Verlag erschienenen Arbeit ist das „Panorama einer vielgestaltigen Gesellschaft im Wandel“, in dem auch die seit 1987 aktive Potsdamer Antifa ihren Platz hat.

Weder die SED noch die etablierte SED-Opposition habe die Antifa-Szene bis zum Wendeherbst „politisch ... sonderlich ernst genommen“, schreiben Braun und Weiß. „Sie wussten nur wenig über die Motivation ihrer Protagonisten und wenn doch, waren ihnen der subkulturelle Habitus und die spontanistischen Aktionsformen bedrohlich fremd. Das änderte sich auch während des politischen Umbruchs nicht, so dass das frühe couragierte Wirken der Antifa-Bewegung in Vergessenheit geriet, und zwar sowohl in der Erinnerungskultur als auch der Geschichtsschreibung.“

Für Christin Jänicke und Benjamin Paul-Siewert als Herausgeber des Buches „30 Jahre Antifa in Ostdeutschland – Perspektiven auf eine eigenständige Bewegung“ stellt sich die Frage des Vergessens nicht. Ihre Arbeit bietet eher den Versuch einer wissenschaftlichen Bestandsaufnahme, in der Potsdam breiter Raum zukommt. Auch das Cover dieses Buches ist ein Potsdamer Motiv: Gegründet nach einer Reihe rechtsextremer Übergriffe in der DDR, ging die von Jugendlichen gegründete Gruppe im November 1987 erstmals mit einer nächtlichen Flugblattaktion an die Öffentlichkeit. Das Flugblatt „Warnung! Neonazis auch in der DDR“ am Filmmuseum wurde zwar wie die meisten anderen noch vor Tagesanbruch entfernt, doch die Spuren des mit schwarzer Farbe gepinselten Rahmens sind noch heute an der Wand.

Braun und Weiß beschreiben die Entwicklung der Gruppe unter dem Dach der evangelischen Kirche, den hilflosen Umgang von SED und ihrer Jugendorganisation FDJ mit der überraschenden Opposition von links, die Entwicklung der Antifa zu einem „politisch ernstzunehmenden Teil der lokalen Oppositionsszene“, die sie mit der Ausrichtung des „1. Potsdamer Antifa-Tages“ im Juli 1989 auf dem Gelände der Erlöserkirche verbinden. „Ab 1990“ jedoch wurde es nach Einschätzung der Historiker „ruhiger um die Antifa-Gruppe“. Sie verweisen allerdings auf die Rathausfraktion „Die Andere“, die bis heute „linksalternative Positionen vertritt“.

Tiefgründiger ist die Analyse in dem vom Verlag Westfälisches Dampfboot herausgegebenen Buch „30 Jahre Antifa in Ostdeutschland“. Dietmar Wolf berichtet auch von Arbeitseinsätzen auf dem jüdischen Friedhof und einem 1988 initiierten eigenen Filmprojekt. Identische Wegmarken in beiden Büchern sind etwa Zusammenstöße am Rande der Kundgebung zum Tag der Opfer des Faschismus am 10. September 1989, bei dem die Warnung der Antifa vor Neonazis in der DDR rabiat als Provokation abgewehrt wurde.

Der Historiker Jakob Warnecke stellt schließlich fest, wie nachhaltig das Wirken der Antifa-Gruppe auch für das Potsdam der Nachwendezeit war. Beginnend beim „Winkelement“ als unabhängiger Zeitung bis zur ersten offiziellen Hausbesetzung im Dezember 1989. Aus den „Häuserkämpfen“ der 1990er Jahre sind, so Warnecke, „legale Projekte hervorgegangen“, die „einen Teil einer linken Infrastruktur bilden, die bis heute existiert“.

Von Volker Oelschläger

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