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Potsdamer Bartender mixt sich nach oben

Alexander Albrecht nimmt an World Class Competition 2015 teil Potsdamer Bartender mixt sich nach oben

Süß und klebrig und voll die Achtziger. Zu bunt. Einfach nicht sein Ding. So dachte Alex Albrecht über Bars und Cocktails – bis er das erste Mal selbst hinterm Tresen stand. Inzwischen ist er der Head Bartender bei den Barfritz’n, dem derzeit hipsten Laden in Potsdam. Und er will mehr. Jetzt mischt er beim renommiertesten Wettbewerb der Barszene mit.

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Alexander „Alex“ Albrecht ist die Nummer 1 hinterm derzeit angesagtesten Tresen der Stadt.

Quelle: Florian Devriel

Potsdam. Der Abend, der alles verändern sollte, begann wie so viele Abende zuvor. Unaufgeregt. Alexander Albrecht tritt damals im Oktober 2011 seine Schicht im „Rückholz“ in der Brandenburger Vorstadt an. Seit ein paar Wochen ist er der Barback, das heißt, er hält Barkeeper Thomas Zilm den Rücken frei. Er schnippelt Gurken, achtelt Limetten, ritzt Zitronen die gelbe Schale vom Leib. Er holt Eis, wischt die Theke. Und er nimmt Bestellungen an. Irgendwann an jenem Herbstabend einen „Rum Punch“. Thomas Zilm tritt an ihn heran, legt ihm die Hand auf die Schulter und meint, dass die Zeit nun gekommen sei: Es ist der erste Drink, den Alexander „Alex“ Albrecht für einen Gast mixen darf. Seine Hände zittern.

Das alles ist kaum mehr vorstellbar, erlebt man Alex Albrecht heute, ungezählte Drinks später, bei den „Barfritz’n“ in der Potsdamer City. Hinterm derzeit hipsten Tresen der Stadt ist er die Nummer 1. Als es im Mai 2014 plötzlich und unerwartet vorbei ist mit dem „Rückholz“ (das komplette Barteam warf hin), wird Alex Albrecht noch in derselben Nacht von den „Barfritz’n“ rekrutiert. Inzwischen soll es Leute geben, die drauf bestehen, dass nur er ihre Drinks mixt. Und ist er mal nicht da, werden hier und da von ihm gekritzelte Rezepte aus Hosentaschen und Portemonnaies gezogen. Sicher ist sicher.

Wenn Alex Albrecht aus seinem 29-jährigen Leben erzählt, greift er sich manchmal an die Stirn, als würde er selbst nicht glauben können, wie weit er es geschafft hat. Vom gefeuerten Koch-Azubi zu einem, der es versteht, die Glut einer Sommernacht mit dem Cocktail-Shaker einzufangen. Vom gestrauchelten Abendschüler zu einem, der anderen bei feinsten Verkostungen in der Bar Welten aufschließt: die wundersame Welt des Champagners zum Beispiel oder die abgründige des Gin. Seit jenem Schubs im Oktober 2011 weiß Alex Albrecht, wo er hingehört – und dass er noch ein gutes Stückchen weiter gehen will auf diesem Weg. „Das Rückholz“, sagt er, „war mehr als ein normaler Arbeitsplatz – das war mein Leben. Und die Barfritz’n – einfach Wahnsinn, was hier passiert, was ich hier mit entwickeln kann.“ Irgendwann aber – in nicht näher bestimmter Zukunft – will er nicht mehr nachts am Tresen stehen. „Ich will Betreiber meiner eigenen Bar sein“, sagt Alex Albrecht. „Da will ich hin.“

Zur Person

Alex Albrecht wurde in Berlin-Kaulsdorf geboren und ist in Marzahn aufgewachsen. Als Teenager kommt er 1997 nach Potsdam, geht hier zur Schule, legt die mittlere Reife ab. Nach unvollendeter Kochlehre lässt er sich in einem Süßwarengeschäft zum Kaufmann im Einzelhandel ausbilden.

In der „Waschbar“ in der Geschwister-Scholl-Straße steht er im Jahr 2010 zum ersten Mal hinterm Tresen – seine Aufgaben beschränken sich darauf, Bierflaschen zu öffnen, Snacks zu servieren und ab und zu einen Gin Tonic oder Cuba Libre zu mixen.

Im „Rückholz“ in der Sellostraße beginnt er im August 2011 als Helfer des Barkeepers. Er lernt schnell und darf ab Oktober 2011 selbst Drinks mixen. Das Team wirft im Mai 2014 geschlossen hin. Die Branchenbibel „Mixology“ berichtet in ihrer Online-Ausgabe: „Auch in der Potsdamer Institution Bar Rückholz kam es zur kollektiven Barflucht. Das Team mag nicht mehr und stürzt seine zahlreichen Anhänger in tiefe Depressionen. Die Tonlage schwankt zwischen Verzweiflung, Fassungslosigkeit und Hilfsangeboten, als sei ein schlimmes Unglück geschehen. Für Potsdam ist es wohl auch so.“

Bei den „Barfritz’n“ heuert er im Mai 2014 an – da ist der von Ronny Rammelt und Stefan Hummel eröffnete Laden gerade mal ein halbes Jahr alt. Inzwischen sind die Fritz’n vom Nauener Tor in die Dortustraße umgesiedelt. nf

Seine Hände zittern jetzt nur noch selten. Neulich etwa bei der „Academia del Ron“, einem der begehrtesten Cocktailwettbewerbe Deutschlands mit der Option, beim Weltfinale in Havanna zu starten. Alex Albrecht hat dafür das Rezept für einen eigens kreierten Drink mit dem Zeug zum „Next Cuban Classic“ eingereicht. „Die Idee war direkt da“, sagt er. Kuba – diese ferne Insel, die sich in den glitzernden Wellen des Atlantischen Ozeans räkelt. Schon der Name duftet nach Sommer, Sonne, Strand und Meer. Für seinen „Ponche de Baracoa“ infundiert Alex Albrecht einen siebenjährigen Rum mit kubanischem Baracoa-Rohkakao, dessen Würze an Kaffee erinnert. Schmeckt ab mit Moscovado-Zucker, der so weich ist, wie feuchter Sand. Spielt mit Bananen-, Limetten- und Aprikosenaromen. Mit dem Rezept ergatterte er einen der gefragten 20 „Academia“-Startplätze – und kehrte zwar nicht als Sieger, wohl aber mit dem Wissen heim, dass die anderen auch nur mit Rum mixen.

Oder mit Whisky. Darum geht’s am 8. und 9. Juni, wenn Alex Albrecht beim deutschen Finale der „World Class Competition“ in Köln – ausgerichtet von Diageo, dem weltgrößten Spirituosenkonzern – startet. Der Sieger fliegt zum globalen Finale und damit zu einem der prestigeträchtigsten Wettbewerbe der Barszene überhaupt. Ein echter Shake-Down! „Da stehen mir echt die Schweißperlen auf der Stirn, wenn ich nur dran denke“, sagt Alex Albrecht. Würde der schüchterne Junge, der er mal war, jetzt fragen, weshalb er sich diesen Stress antut, was würde er antworten? „Weil ich möchte, dass mehr Leute wissen, was ich kann“, sagt Alex Albrecht. „Weil ich selbst wissen möchte, was ich kann.“

17 Bartender aus Deutschland und Österreich wollen es bei der „World Class“ wissen: Wer von ihnen ist der Beste? In drei Challenges stellen sie ihre Gastgeberqualitäten und ihr Gespür für außergewöhnliche Cocktailkreationen unter Beweis. „Die World Class ist um Klassen schwieriger als die meisten anderen Bartender-Wettbewerbe“, sagt Alex Albrecht. „Meine größte Herausforderung bisher.“ – Zumal die „Barfritz’n“ den Auftritt ihres Mannes am Montagabend live ausstrahlen. Für Zuschauer und Jury unsichtbar, aber eine wichtige mentale Stütze in Köln: Thomas Zilm. Einst Mentor, längst Freund und stets einer der engagiertesten Kritiker, begleitet er Alex Albrecht zum Wettbewerb. Klar, dass er zu den ersten – und sehr wenigen – gehört, die den „World Class“-Drink schon probieren durften. Sein Fazit: Ein Zungenschnalzer.

„Import-Export“ hat Alex Albrecht seinen Drink genannt, den er eigens für die „Word Class“ kreiert hat

„Import-Export“ hat Alex Albrecht seinen Drink genannt, den er eigens für die „Word Class“ kreiert hat.

Quelle: Florian Devriel

„Import-Export“ hat Alex Albrecht den Drink genannt, in dem sich diverse Whiskys mit Portwein, Wermut und einem selbst gekochten Rauchbier-Sirup verlustieren. Mixen wird er ihn unter anderem für einen anderen Alex, der mit Anfang 30 schon alles erreicht hat: Alex Kratena ist Head Bartender der „Artesian Bar“ im Londoner Langham-Hotel, die Kenner Jahr für Jahr zur besten der Welt küren. Allein damit geht für Alex Albrecht ein Traum in Erfüllung: Dürfte er sich aussuchen, wer einmal auf den Barhockern vor seinem Tresen Platz nimmt, steht Alex Kratena ganz oben auf der Liste. Ebenfall dabei: Sean Connery und Al Pacino. – Unrealistisch? I wo! Wie heißt’s neuerdings so schön? Was nicht ist, kann ja noch fritz’n.

Von Nadine Fabian

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