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Potsdamer Bastion wird wieder Baustelle

Zweiter Anlauf für Aussichtsplattform Potsdamer Bastion wird wieder Baustelle

Vor gut zehn Jahren gab es einen ersten Anlauf zur Rekonstruktion der historischen Aussichtsplattform am Schillerplatz in der Brandenburger Vorstadt in Potsdam. Nach langer Pause soll es nun weitergehen: Am Freitag ist Baustart für den ersten von drei Bauabschnitten. Die Bastion wurde in den 1930er Jahren als Teil der heutigen Siedlung am Schillerplatz gebaut.

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Blick von der Bastion in die heutige Siedlung am Schillerplatz. Im Hintergrund die Erlöserkirche.

Quelle: PWG

Potsdam. Die Bastion am Schillerplatz wird wieder zur Baustelle. Vertreter der Stadt, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und des Fördervereins eröffnen am Freitag um 11 Uhr offiziell den ersten von drei Bauabschnitten zur Wiederherstellung.

Nach Angaben von Rathaussprecher Jan Brunzlow sind in den nächsten drei Monaten Maler-, Erd-, Entwässerungs- und Abdichtarbeiten geplant: „Ziel ist es, die Bastion wieder als Aussichtsplattform sichtbar zu machen und das Denkmal zu sichern.“ Wann mit den nächsten Schritten begonnen werden kann, sei „unklar, da die Finanzierung noch offen ist“. Der Förderverein hoffe auf weitere Spenden.

Die Bastion wurde in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre in der Achse von Erlöserkirche und der Inselkirche Hermannswerder als Aussichtsplattfom in einer Parkanlage errichtet, die das Ensemble der sogenannten Friedrichsstadt komplettierte.

Die nach dem damaligen Potsdamer Oberbürgermeister Hans Friedrichs (1875-1962) benannte Siedlung mit dem heutigen Schillerplatz als Zentrum gilt als erstes und bedeutendstes Projekt des sozialen Wohnungsbaus in der NS-Zeit in Potsdam. Die Bastion war architektonischer Bestandteil der Siedlung. In ihrem Inneren war eine Pumpstation zur Bewässerung der Grünflächen.

Die Siedlung am Schillerplatz wurde 1987 unter Denkmalschutz gestellt. Doch für die Rekonstruktion der Bastion fehlten die Mittel. Kurz vor dem Mauerfall wurde sie mit Erde bedeckt, der Wiederaufbau sollte späteren Generationen überlassen werden.

Die teilweise rekonstruierte Bastion am Schillerplatz

Die teilweise rekonstruierte Bastion am Schillerplatz.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Seit 2005 engagieren sich die Wohnungsbaugenossenschaft Potsdam-West und der Förderverein zum Wiederaufbau der Bastion am Schillerplatz um die Rekonstruktion. Die Erde des bei Winterwetter als Rodelberg beliebten Hügels wurde abgetragen, das teils eingefallene Mauerwerk mit gelbem Glindower Klinker repariert. Nach einer teilweisen Rekonstruktion der Aussichtspattform mit rotem Sandstein ermattete die Kraft der Beteiligten.

Seither gab es mehrere Anläufe zur Fortsetzung des Projekts. Für öffentliche Beachtung sorgte etwa das Mittsommernachtsfestival Fête de la Musique 2015, für das die Bastion erstmals zur Freilichtbühne wurde.

Nächster kultureller Höhepunkt an der Bastion soll am 11. September die offizielle Eröffnung des Tags des offenen Denkmals werden. Nach dem Auftakt mit Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) sind an dem Bauwerk Jazz, Kaffee und Kuchen angekündigt.

Eine blutige Vorgeschichte

Blutig ist die mittelalterliche Vorgeschichte des Platzes der Bastion am Schillerplatz: Bis ins 18. Jahrhundert hinein war dort die mit Galgen und Rädern ausgestattete Gerichtsstätte von Potsdam.

1730 wurde unter dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. der Rädelsführer einer Soldatenmeuterei mit „glühenden Zangen gerissen“ und gehenkt.

Namentlich überliefert ist der Fall der 1738 enthaupteten Mörderin Anna Dorothea Bratring, deren Körper am Havelufer aufs Rad geflochten wurde. Ihren Kopf steckte man daneben auf einen Pfahl.

Später standen auf dem Grundstück zwei Windmühlen.

Mehrfach wurde der Bau eines Schlosses mit Blick zum Wasser erwogen – und wieder verworfen. Das Neue Palais wurde schließlich im Schlosspark Sanssouci errichtet, das Marmorpalais am Heiligen See.

Von Volker Oelschläger

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