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Potsdam Sprengmeister Schwitzke: Schlamm konserviert
Lokales Potsdam Sprengmeister Schwitzke: Schlamm konserviert
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00:21 06.07.2018
Nach der Entschärfung hält Sprengmeister Mike Schwitzke den Zünder in der Hand. Quelle: Foto: Bernd Gartenschläger
Innenstadt

Nein, das Basecap mit der Sonnenbrille über’m Schirm nimmt Mike Schwitzke nicht ab: „Das gehört zur Dienstkleidung“, sagt der Sprengmeister: „Und es ist mein Markenzeichen.“ Aber er lacht wie immer in die Kameras, obwohl nichts an dieser Entschärfung so war wie immer. Immerhin lag die 250-Kilo-Bombe eineinhalb Meter unter Wasser in einem Baggerloch zwischen der Landesbank und der Nuthe; das Grundwasser war ins Loch gelaufen und hatte den britischen Blindgänger bedeckt. Als man ihn am Dienstag letzter Woche fand, war das noch anders; da guckte die Bombe noch halb aus einer Pfütze. Man legte Europaletten ringsherum, um nicht im Schlamm zu versinken. So konnte Schwitzke in Gummihosen an den Zünder herankommen und erkennen: Ein mechanischer Aufschlagzünder, explosionsbereit entsichert, gut erhalten. „Schlamm konserviert eben“, sagt Schwitzke.

Man schlang ein Gurtband um die Bombe und ließ sie in den Schlamm versinken. Gestern konnte man auf das Abpumpen des Wassers verzichten und holte mit dem Gurt die Bombe wieder hoch, lud sie auf dem Trockenen ab. Schwitzke konnte den Zünder herausdrehen, doch den Detonator zwischen Zünder und Sprengsatz musste er sprengen.

Der Zünder der Bombe funktionierte noch. Quelle: Julian Stähle

Knapp 70 Prozent des Geländes neben und hinter der Investitions- und Landesbank sind erst abgesucht, sechs Tonnen Munitionsschrott aus dem Zweiten Weltkrieg geborgen und entsorgt, darunter nun also auch vier Bomben aus dem Nachtangriff der britischen Royal Air Force vom 14. April 1945.

Eine 250-Kilogramm-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg wird am 3. Juli 2018 in der Potsdamer Innenstadt entschärft. Der Blindgänger war in etwa drei Meter Tiefe in der Nähe des Hauptbahnhofes entdeckt worden.

„Bis Herbst wird hier noch gesucht“, sagte Schwitzke der Presse. „Kann sein, dass wir uns morgen an dieser Stelle wieder sehen oder in zwei Monaten oder auch gar nicht mehr in diesem Jahr.“ „Auf jeden Fall wird hier nichts gebaut, bevor nicht alles abgesucht und sicher ist“, sagte Ordnungsdezernent Mike Schubert (SPD) gegenüber dieser Zeitung: „Erst holen wir den ganzen Schrott hier raus.“

Ordnungsdezernent Mike Schubert (SPD, l. ) gratuliert dem nervenstarken Sprengmeister Mike Schwitzke, der sich von Fotografen und Reportern nie aus der Ruhe bringen lässt. Quelle: Julian Stähle

Auf der jetzigen Fläche zum Beispiel soll ein Kinderspielplatz entstehen, irgendwann einmal, keiner weiß es so genau.

Für Schwitzke war der Job noch nicht vorbei, als die Presse ihn wieder in Ruhe ließ: „Ich hab noch Papierkram zu erledigen“, sagte er, „Meldungen schreiben und Protokolle; das sieht ja keiner.“ Gegen 16 Uhr und also „wie fast immer“ werde er dann Feierabend machen. Dankesgeschenke, wie sie sein Amtsvorgänger Manuel Kunzendorf stets bekam, gibt es heute nicht mehr. „Leider“, bedauert Schubert: „Aber er darf nichts annehmen, sagt das Land.“

Von Rainer Schüler

Bombenstimmung beim Stadtgeburtstag, Chaos auf den Straßen garantiert. Wir hoffen, dass Sprengmeister Mike Schwitzke den Blindgänger schnell entschärfen kann und der Sperrkreis früh aufgehoben wird – sonst wird es knapp, mit der Olsenbande.

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