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Potsdam Potsdamer Buchpaten retteten 555 Werke
Lokales Potsdam Potsdamer Buchpaten retteten 555 Werke
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20:08 22.04.2016
Bibliotheksdirektorin Marion Mattekat hofft, mit Hilfe der Paten das Brandenburgische Kochbuch aus dem Jahr 1732 erwerben zu können. Quelle: Foto: Gartenschläger
Potsdam

Einige alte Schätze hat Rosemarie Oback selbst im Bücherregal. „Rousseau: Über den Umgang mit Weibern“, sagt die 84-Jährige und lächelt dabei wissend. Auch eine Rarität: Eine Ausgabe aus NS-Zeiten von Else Urys Backfisch-Roman „Nesthäkchen“. Die Jüdin Else Ury starb 1943 im Konzentrationslager Auschwitz. Die Kinderbuchausgabe, die Rosemarie Oback einst von ihren Eltern bekam, ist deshalb auch ein zeithistorisches Dokument. „Ich hänge sehr an alten Büchern“, sagt die Rentnerin. Dass sie sich als Buchpatin engagiert und historischen Folianten zu neuem Leben verhilft, ist für die Potsdamerin Ehrensache.

Seit 19 Jahren existiert das Projekt zur Rettung des historischen Altbestandes der Stadt- und Landesbibliothek unter Schirmherrschaft des Kulturministeriums, das mittlerweile auch in anderen Brandenburger Städten Schule gemacht hat. Seit 1997 spendeten 185 Buchpaten rund 167 000 Euro. 555 Werke aus vier Jahrhunderten, vorrangig mit Bezug zu Brandenburg, erfuhren so „lebensverlängerende Maßnahmen“, so Bibliotheksdirektorin Marion Mattekat. Am Vorabend des Welttag des Buches wurden jene 16 Paten geehrt, die im Vorjahr rund 3800 Euro für Titel des 21. Katalogs „Abschied mit Preußen“ spendeten.

Ein literarisches Erbe für künftige Generationen

Jeder gibt, so viel er kann. 20 Euro pro Jahr, mehr könne sie von ihrer Rente nicht abzweigen, sagt Rosemarie Oback. Die Potsdamerin hat früher selbst als Bibliothekarin in Berlin gearbeitet, in der internationalen Musikbibliothek, der Zentralbibliothek auf der Museumsinsel und beim VEB Deutsche Schallplatte.

„Die Bewahrung historischen Kulturguts hat in Potsdam eine große Lobby“, betont auch die Kulturbeigeordnete Iris Jana Magdowski (CDU). Das Konzept, alte Bücher durch bürgerschaftliches Engagement zu erhalten, sei aufgegangen. Nicht nur für Heimatforscher und Historiker, sondern auch für die kommende Generation seien die geretteten Werke, die sich vorwiegend mit der heimischen Geschichte und Kultur befassen, von unschätzbarem Wert.

Restauratorin Ria Tiemeyer hat die neun „Sorgenkinder“ aus dem Vorjahr von Schimmel und Holzwurm befreit, Eselsohren ungeschehen gemacht und alte Umschläge ausgebessert oder nach historischem Vorbild ersetzt. „Hinterher kann man sich gar nicht mehr vorstellen, wie kaputt die Bücher einmal waren. Dann hat man sein Handwerk richtig gemacht“, erklärt sie.

Zwei alte Werke sollen erworben werden

Künftig will die Bibliothek mit ihren Paten neue Wege beschreiten. Nicht mehr die Restaurierung alter Bücher, sondern der Erwerb antiquarischer Schätze ist das Ziel. In diesem Jahr sollen eine Abhandlung über den fränkischen Hohenzollernzweig von 1756 und ein Brandenburgisches Kochbuch aus dem Jahre 1732 in den Bestand aufgenommen werden. Letzteres sei kein Kochbuch im herkömmlichen Sinne, erklärt Frank Hoppe, Bereichsleiter Landesbibliothek. „Das war ein Statussymbol zur damaligen Zeit.“ Man erfahre darin, was seinerzeit en vogue war in den märkischen Adelshäusern. Spenden in Höhe von rund 3000 Euro sind für die beiden Werke nötig. Am Freitag sicherten schon die ersten Paten Unterstützung zu.

Veranstaltungen zum Welttag des Buches

Der Unesco-Welttag des Buches wird seit 1995 immer am 23. April gefeiert.

Die Stadt- und Landesbibliothek bietet am heutigen Samstag mehrere Veranstaltungen zum „Feiertag der Bibliophilen“. Los geht es um 10 Uhr mit einem Kinderkrimi. Die Berliner Autorin Nina Petrick liest aus „Charlie und die Halstuchbande“ in der Kinderwelt.

In der Senioren-Reihe „Akademie im Bildungsforum“ gibt Edith Gaida um 10.30 Uhr Einblicke in Leben und Werk des Schriftstellers Wolfgang Borchert.

Einen Bücherbasar vor der Bibliothek bietet der Förderverein Potsdamer Bibliotheksgesellschaft zwischen 14 und 18 Uhr.


Bestseller-Autor Harald Marten-stein, trifft um 19 Uhr auf drei Bläser der Kammerakademie und liest aus seinem neuen Kolumnenbuch. Das Café im Bildungsforum wird einen speziellen Literatur-Cocktail anbieten. Bereits am Freitag las Jakob Hein.

Die Volkshochschule Potsdam zeigt noch bis 20. Mai aus Anlass des Welttages des Buches die Ausstellung „Lesen verbindet – Alphabetisierung als Menschenrecht.“ Zu sehen ist die Schau montags bis freitags von 9 bis 20 Uhr in der VHS im Bildungsforum.

Die Grundschule Groß Glienicke feierte bereits am Freitag mit Autoren wie Annabell Sperber, Caroline Flüh, Birge Tetzner und Klaus Andreas.

Von Marion Kaufmann

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