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Potsdam Potsdamer Bündnis zeigt AfD die Rote Karte
Lokales Potsdam Potsdamer Bündnis zeigt AfD die Rote Karte
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18:55 18.08.2017
Rund 100 Potsdamer schlossen sich dem Bündnis „Potsdam bekennt Farbe“ an und zeigten der AfD die Rote Karte. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Innenstadt

Die Potsdamer Alternative für Deutschland (AfD) hat gestern unter dem Motto „Keine Islam-Zuerst-Politik“ das Gespräch mit Anwohnern der Burgstraße gesucht und ist dort auf wenig Resonanz gestoßen. „Es war schon im Vorfeld klar, dass unser Info-Stand behindert wird“, sagte Steffen Kotré, AfD-Landesvorstand und Listenkandidat zur Bundestagswahl: „Das massive Polizeiaufgebot und die Gegendemonstranten schrecken ab.“

Die AfD stieß nach ihren Kundgebungen zu Jahresbeginn erneut auf Protest: Rund 100 AfD-Gegner waren dem Aufruf des Bündnisses „Potsdam bekennt Farbe“ gefolgt, um der islamischen Gemeinde in der Landeshauptstadt und der Am Kanal gelegenen Al-Farouk-Moschee ihre Solidarität zu bekunden und Rassismus und Menschenfeindlichkeit die Rote Kart zu zeigen.

AfD-Anhänger muss Fahne wieder einholen

40 Polizisten sicherten die beiden, etwa 50 Meter voneinander entfernten Veranstaltungen ab. Laut Einsatzleiter Ronald Hilsky blieb es friedlich.Ein AfD-Anhänger wurde von den Beamten ermahnt: Er hatte eine Flagge mit Bundesadler entrollt – diese ist den Bundesbehörden vorbehalten.

Am Info-Stand machte Steffen Kotré (2.v.l.), AfD-Landesvorstand und Listenkandidat zur Bundestagswahl, Propaganda für seine Partei. Quelle: Bernd Gartenschläger

Wie berichtet, kritisiert die AfD, dass die Stadt der wachsenden muslimischen Gemeinde in einem leerstehenden Heizhaus in der Joliot-Curie-Straße Räume für einen Gebetsraum zur Verfügung stellt. Die Stadt subventioniere damit den Verein der Muslime und bevormunde die Bürger, die kein Mitspracherecht hätten. Eva-Maria Dähne – 73, partei- und konfessionslos – wohnt in der Burgstraße. „Ich bin wirklich weltoffen“, sagt die Rentnerin. „Aber eine Moschee will ich hier nicht haben.“ Die neuen Nachbarn machen ihr Angst, so Dähne. Dabei hat sie nach eigenem Bekunden nie eine schlechte Erfahrung gemacht: „Trotzdem: Ich will mich damit nicht beschäftigen und mich nicht daran gewöhnen.“

„Und das in der Stadt des Toleranzedikts!“

Derweil verweisen Nikolai-Pfarrer Matthias Mieke und Al-Farouk-Imam Kamal Mohamad Abdallah, die Migrationsbeauftragte Magdolna Grasnick und die Gleichstellungsbeauftragte Martina Trauth-Koschnick auf die vielfältigen Möglichkeiten, sich zu begegnen und kennenzulernen. „Ich habe keine Angst vor anderen Religionsgemeinschaften in unserer Stadt“, sagt Pfarrer Mieke. „Ich freue mich ausdrücklich darüber in einer Stadt zu leben, in der allen Menschen freie Religionsausübung ermöglicht wird – so wie es im Grundgesetzt steht.“ Auf Seiten des Bündnisses fanden sich auch die Syrerinnen Lamis Kafir, Sanaa Abaisi und Najwa Hajbakri ein. „Warum stoßen wir auf solche Ablehnung?“, fragen sie mit Blick auf den AfD-Stand, wo von Parallelgesellschaften, Gewalt und Terror die Rede ist. „Der Islam hat mit Terror nichts zu tun“, sagt ein Besucher aus Regensburg, der beim Stadtbummel auf den Info-Stand gestoßen ist. „Wieso hetzen Sie gegen eine Religionsgruppe? Sie differenzieren nicht zwischen Islam, Islamisten und Terroristen! Und das in der Stadt des Toleranzedikts!“

„Die AfD kann Stimmen für die Wahl mit Argumenten holen und nicht mit Hetze“, sagt Imam Abdallah. „Im Hass sind wir alle Verlierer.“

Ins Gespräch kommen

Am 1. September findet am Brandenburger Tor ein interreligiöses Gebet statt. Beginn: 18.30 Uhr.

Am 2. September laden die Potsdamer Religionsgemeinschaften zur Nacht der Freiheit ein. Das Fest der Religionen und Weltanschauungen findet von 18 bis 23 Uhr auf dem Bassinplatz statt.

Am 24. September startet die Interkulturelle Woche in der Französischen Kirche. Motto: Vielfalt verbindet.

Am 3. Oktober laden die Potsdamer Muslime zum Tag der offenen Moschee ein. nf

Von Nadine Fabian

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