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12:28 11.03.2018
Der Zugang zum Kellergeschoss und die breite Abgrabung an der Hauswand sind an der Reling erkennbar.
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Nauener Vorstadt

Ronald Granz hat die Medien eingeladen, um zu klagen, wie ihn das Potsdamer Bauamt schikaniert. „Engstirnige Bau-Bürokratie, die sich verständnislos gegenüber der Not von Schutzsuchenden zeigt“, hat er dort ausgemacht. Er wolle Flüchtlinge in seinem Kellergeschoss unterbringen, doch beim Amt werde eine Forderung nach der anderen laut, bevor die Nutzungsänderung des Kellers in eine Wohnung genehmigt werden könne. Für Belichtung und einen zweiten Notausgang habe er schon gesorgt.

Granz sagt, er wolle vor allem Flüchtlingen helfen

„Jetzt hat man beim Bauamt festgestellt, dass die Abgrabungen, die die großen Fenster ermöglichen, gegen den Bebauungsplan verstoßen“, sagt Granz vor Ort. Seit einigen Monaten wohnen mindestens zwei Iraner im Untergeschoss des Hauses und zahlen Miete an Granz. „Mit Tränen sehen die beiden iranischen Flüchtlinge jetzt dem unverständlichen Zwang zum Auszug und damit der Obdachlosigkeit entgegen“, schreibt Granz in einer ersten Mail an die MAZ.

Der Hauseigentümer Ronald Granz. Quelle: Peter Degener

Der 61-jährige Autor aus Berlin besitzt seit 1995 ein Haus in der Langhansstraße am Neuen Garten, das denkmalgeschützte Landhaus Neubelt. Den Keller hat er nach eigenen Angaben schon damals wohnlich gemacht. Dielenboden, zwei Zimmer, zwei Bäder, eine Etagenheizung und eine größere Wohnküche finden sich auf 90 Quadratmetern.

Räume wurden schon vor über 20 Jahren ohne Genehmigung umgebaut

Durch Abgrabungen von mehreren Kellerwänden hatte er vor 22 Jahren Fenster und einen externen Zugang angelegt. Ohne Genehmigung, wie er vor Ort selbst zugibt. Seit einigen Jahren versucht er allerdings, die Umnutzung zum Wohnraum und den Umbau nachträglich zu legalisieren. Über Jahre seien Künstler für seine Theaterprojekte im „Treffpunkt Freizeit“ dort monateweise untergekommen.

Granz wirft dem Bauamt „bürokratische Hindernisse“ vor

„Das Untergeschoss wird vom Bauamt immer stärker mit fadenscheinigen Argumenten als Nicht-Wohnbereich attackiert“, hat Granz in einem für die Presse präparierten Schreiben formuliert. Er wirft dem Amt vor, wegen der Unterbringung von Flüchtlingen gegen seine Pläne zu mauern. „Nachdem bekannt geworden ist, dass Flüchtlinge dort Unterkunft gefunden haben“, sei ihm mitgeteilt worden, „dass wir die Stellungnahme wohl negativ erwarten dürfen.“ Die Sachbearbeiterin „fürchtet, dass sie im Blick auf Flüchtlinge Ärger mit anderen Anwohnern der Straße bekommt und lässt sich deshalb immer neue bürokratische Hindernisse einfallen“, schreibt Granz in einer weiteren Mail.

Drohplakat gegen Flüchtlinge entpuppt sich als Einbrecher-Warnung

Auf die Bitte hin, dies im Gespräch genauer zu schildern, will Granz den Vorwurf lieber fallen lassen. Er beschreibt auch die „Abwehrhaltung einiger Anwohner“ in der Nachbarschaft gegenüber den Flüchtlingen, die mit einem „Drohplakat“ vor „räuberischen Fremden“ gewarnt hätten. Auf konkrete Nachfrage entpuppt sich das Plakat als eine Warnung vor Einbrechern, die an mehreren Laternenpfählen angebracht worden war – allerdings lange vor dem Einzug von Flüchtlingen in seinen Keller.

Bauamt weist zurück, es hätte wegen Flüchtlingen anders entschieden

Das Potsdamer Bauamt teilt auf Anfrage mit, dass Granz bereits 2004 eine Nutzungsänderung beantragt hatte, die abgelehnt wurde, was auch nach einem Widerspruch bestätigt worden war. Das Amt weist auch die Behauptung zurück, „dass die Bewertung aufgrund der Geflüchteten als Bewohner anders erfolgt. Die endgültige Entscheidung ergeht aufgrund der geltenden Bau- und Planungsgesetze und im Rahmen des rechtlichen Entscheidungsspielraums“, so ein Rathaussprecher. Mittlerweile habe man allerdings den Eindruck, „dass der Eigentümer die Räume zwischenzeitlich trotz Versagung widerrechtlich vermietet beziehungsweise nutzt.“

Früherer Mieter zweifelt an selbstloser Hilfsbereitschaft

Erhebliche Zweifel an der selbstlosen Hilfsbereitschaft von Ronald Granz erhebt ein früherer Mieter des Hauses. Stefan Anders* hat mit seiner Familie mehrere Jahre lang in dem Haus gewohnt. Er wirft seinem Vermieter fragwürdige Methoden vor. „Granz hat ohne Genehmigung den Keller umgebaut, als noch gar keiner über private Flüchtlingshilfe nachgedacht hat. Das hat bei ihm auch nichts mit Menschenliebe, sondern mit Geld zu tun“, sagt Anders.

Morteza Sheverin aus dem Iran lebt seit einigen Monaten im Keller und ist dort glücklich. Er zahlt monatlich 370 Euro Miete an Granz. Auch ein iranischer Freund wohnt in einem zweiten Zimmer. Quelle: Peter Degener

Den fraglichen Keller hatte Granz sich im Mietvertrag für eigene Nutzung vorbehalten – „mündlich hieß es uns gegenüber, er wolle dort Gegenstände lagern“, sagt Stefan Anders. Während die Mieterfamilie nicht vor Ort war, ließ Granz im Keller plötzlich Flüchtlinge einziehen. „Dort lebten und schliefen über ein Jahr lang mindestens drei bis sieben Personen, in der Spitze sogar elf“, sagt Anders, der diese umfangreiche Zweckentfremdung des Kellers dokumentiert und die Bauaufsicht informiert hat.

Granz kündigte Mietern wegen Eigenbedarf, zog aber nie mehr ein

Anders und seine Familie wurden nach eigener Aussage durch Granz wegen Eigenbedarfs gekündigt. Die Familie zog aus, doch Granz wiederum zog nie wieder selbst in das Haus ein – der Eigenbedarf scheint nur vorgetäuscht. Tatsächlich sagte Granz selbst der MAZ im Gespräch vor Ort: „Dort oben wohnt eine Wohngemeinschaft junger Leute. Die verstehen sich gut mit den Flüchtlingen hier unten“, er selbst wohnt dagegen in Berlin.

„Wegen Geld? Davon habe ich genug“, sagt Granz zu den Vorwürfen

„Er schiebt die Wohnungsnot und die Flüchtlinge vor, um leichter die Genehmigung für eine nachträgliche Nutzungsänderung zu erhalten“, sagt der einstige Mieter über Granz’ Motive. Mit der Frage konfrontiert, ob er die Not von Flüchtlingen zum eigenen finanziellen Vorteil nutzen wolle, sagte Ronald Granz der MAZ: „Wegen Geld? Davon habe ich genug. Mir geht es um die Menschen.“

Von Peter Degener

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