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Potsdam Potsdamer Eltern sind Impfverweigerer
Lokales Potsdam Potsdamer Eltern sind Impfverweigerer
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11:03 07.09.2016
In Potsdam sind gerade Eltern mit einem hohen Sozialstatus wahre Impf-Muffel. Quelle: dpa
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Potsdam

Die Zuckertüten sind noch nicht mal leer genascht und die Einschulungsaufregung noch gar nicht verflogen, da kommt schon eine Hiobsbotschaft für die Abc-Schützen und ihre Eltern: Potsdams Erstklässler werden immer häufiger krank. Im Behördendeutsch des nun vorliegenden Gesundheitsatlas für die Landeshauptstadt, der gestern von Sozialdezernent Mike Schubert (SPD) im Rathaus vorgestellt wurde, wird das so formuliert: „Der Anteil von Einschülerinnen und Einschülern, bei dem ein Befund festgestellt wurde, steigt an.“ Im Jahr 2015 betraf das fast die Hälfte der Kinder bei der Schuleingangsuntersuchung durch den städtischen Kinder- und Jugendgesundheitsdienst. „Bei fast fünf von zehn Kindern liegt am Ende der Schuleingangsuntersuchung ein medizinisch relevanter Befund vor“, resümierte Frank Thomann, Fachbereichsleiter Gesundheit und Soziales, das Ergebnis.

Impf-Quote in Potsdam unter Landesdurchschnitt – vor allem im Westen

Ein weiteres interessantes Ergebnis aus dem Atlas: Gerade Eltern mit einem hohen Sozialstatus sind wahre Impf-Muffel. „In Potsdam liegt der Schnitt unter dem Brandenburger Durchschnitt“, sagte Thomann mit Blick auf die Impfungen für Masern, Mumps und Röteln. Ähnlich liegt der Fall bei Tetanus. Negativ-Spitzenreiter ist die Brandenburger Vorstadt. Sie hat die geringste Immunisierungsquote mit 76,5 Prozent (Masern, Mumps, Röteln) beziehungsweise 83,3 Prozent bei Tetanus. Besonders bei Eltern aus dem Westen herrsche große Skepsis, so Thomann. Da es keine Impfpflicht gibt, geht man von Seiten der Stadt nun neue Wege: Kinder ohne Impfschutz müssen in Zeiten einer Krankheitswelle zu Hause bleiben, sagte Gesundheitsamtsleiterin Kristina Böhm. Ärzte fordern seit Jahren die Impfpflicht. Seit Monatsbeginn ist die Beratung zum Impfschutz verbindlicher Bestandteil der sogenannten U-Untersuchungen beim Kinderarzt, für die es seit 1. September neue Regeln gibt.

Häufige Befunde sind Sprachstörungen und Allergien

Die sechs Potsdamer Sozialräume sind folgendermaßen aufgeteilt: Nördliche Ortsteile/Sacrow, Potsdam Nord, Potsdam West/Innenstadt/Nördliche Vorstädte, Babelsberg/Zentrum Ost, Stern/Drewitz/Kirchsteigfeld, Schlaatz/Waldstadt I und II/Potsdam-Süd.

3,5 Prozent aller Potsdamer Kinder wachsen in sozial schwachen Familien auf.

Gute Nachrichten: Die Stadt steht insgesamt immer besser da. Zwischen 2011 und 2015 ist der niedrige und mittlere Sozialstatus der Eltern weiter gesunken zugunsten des hohen Sozialstatus.

Seit 2008 steigt die Zahl der einzuschulenden Kinder, allerdings sinkt die Zahl der vorzeitigen Einschulungen.

Rund ein Viertel der Schulanfänger, die aus Familien mit niedrigem Sozialstatus kommen, leiden unter Allergien oder Störungen der Feinmotorik.

Im Zuge der Sprachförderung hat das Jugendamt fünf Sprachberater eingesetzt zur Schulung des Kita-Personals. Bei der Beratung bei sozialen und emotionalen Problemen kommen Schulhelfer zum Einsatz. Bei der Sprachförderung sollte der Erzieherschlüssel vom Land verbessert werden, fordert Sozialdezernent Mike Schubert (SPD).

Nur 88 Prozent aller Potsdamer Eltern lassen ihre Kinder impfen, während es landesweit 95 Prozent sind. Somit liegen die durchschnittlichen Brandenburger weit näher am Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die mindestens 95 Prozent der Bevölkerung mit einem Impfschutz versehen will.

Auch bei Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten und Kinderlähmung scheuen die Potsdamer Eltern mit ihren Kindern den vorsorgenden Gang zum Doktor. Die Zahl der Impfungen ist insgesamt seit 2011 deutlich rückläufig.

Im ersten Quartal 2017 gibt es eine Konferenz zum Gesundheitsatlas.

Immer häufiger erkranken Kinder an Allergien, wozu Asthma zählt

Zu den Defiziten, die 2015 am häufigsten festgestellt wurden, zählen: Sprach- und Sprechstörungen (15,7 Prozent), Allergien (12,3 Prozent) emotionale und soziale Störungen, zu denen Phobien, depressive Störungen und Zwangsstörungen zählen (5,7 Prozent). Interessant: Während die emotionalen und sozialen Störungen seit 2012 rückläufig waren, wurden sie seit 2015 wieder häufiger diagnostiziert. Über Gründe wollte Schubert nicht spekulieren, warnte aber gleichzeitig davor, das Ansteigen automatisch mit der Flüchtlingswelle in Verbindung zu bringen. Ein weiteres Ergebnis im Gesundheitsatlas: Immer häufiger erkranken Kinder auch an Allergien. Allein zwischen 2014 und 2015 gab es einen Anstieg um 3,4 Prozent. Zu den Allergien zählen Asthma, atopische Dermatitis – im Volksmund: Neurodermitis – oder Nahrungsmittelallergien.

Gesundheitsatlas schlüsselt Ergebnisse nach Stadtteilen auf

Der Gesundheitsatlas basiert auf Daten aus den Jahren 2011 bis 2015. Er ist eine Fortschreibung des ersten Atlas, der Datenmaterial aus dem Zeitraum von 2008 bis 2011 zusammengefasst hatte. Das Besondere: Die Ergebnisse werden auch nach einzelnen Stadtteilen aufgeschlüsselt. „Kinder, die aus sozial benachteiligten Familien kommen, weisen häufiger gesundheitliche Beeinträchtigungen auf“, fasste Frank Thomann, Fachbereichsleiter Gesundheit und Soziales, zusammen. Am deutlichsten wird dies bei den Sprach- und Sprechstörungen: Kinder aus bildungsärmeren und finanzschwächeren Familien sind zu fast 45 Prozent davon betroffen. Im Gegensatz dazu sind es aber nur 10,5 Prozent der Kinder aus Familien mit höherem Sozialstatus.

Viele sprachliche Defizite in Kirchsteigfeld, Schlaatz und Waldstadt II

Jeder dritte Erstklässler aus dem Kirchsteigfeld, dem Schlaatz und der Waldstadt II hat Entwicklungsdefizite in Form von Sprach- und Sprechstörungen. Doch auch finanziell besser gestellte, bildungsaffinere Familien haben nicht automatisch ein Leben im Paradies. Bei den Kindern findet sich vermehrt die Tendenz zu Verhaltensauffälligkeiten, wozu emotionale oder soziale Störungen und Einnässen zählen. Besonders viele Fälle wurden in Fahrland, Neu Fahrland, Uetz-Paaren und Zentrum-Ost registriert.

Von Ildiko Röd

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