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Potsdamer Eltern und Erzieher machen Druck

Kita-Demo vor dem Rathaus Potsdamer Eltern und Erzieher machen Druck

In allen Potsdamer Kitas wurden die Aufrufe verteilt – mit Erfolg: Rund 300 Demonstranten forderten am Mittwoch vor dem Rathaus mehr Einsatz der Stadt für bessere Kitas. Am Ende stand ein Stadtverordnetenbeschluss.

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.Eltern und Erzieher vor dem Rathaus.

Quelle: Foto: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Lautstark für mehr Kita-Personal: Mit Trillerpfeifen, Transparenten und Sprechchören haben am Mittwoch Nachmittag Eltern, Kinder und Erzieher für bessere Kinderbetreuung in Potsdam demonstriert. Rund 300 Teilnehmer folgten dem Aufruf einer Elterninitiative und vier Kita-Trägern und zogen während der Sitzung der Stadtverordneten vor das Rathaus.

„Wir wollen das, was gerade abgeht in Potsdam, nicht länger hinnehmen“, so Wiebke Kahl, Demo-Organisatorin und Initiatorin der Online-Petition für bessere Kitas, die 7800 Unterstützer fand. Unter lauten Rufen und Pfiffen wurden die Unterschriften vor dem Stadthaus an Oberbürgermeister Jann Jakobs und Sozialdezernent Mike Schubert (beide SPD) übergeben. In Potsdam herrsche wegen der hohen Berufstätigkeit der Eltern eine Sondersituation bei der Kinderbetreuung, so Kahl. Die Erzieherinnen könnten die langen Betreuungszeiten kaum abdecken. Deswegen müsse die Stadt auch ihren Beitrag zur besseren personellen Ausstattung der Einrichtungen leisten, die in der Landeshauptstadt komplett in die Hand freier Träger geben wurden. „Wir erwarten, dass sich die Kommunalpolitik bewegt und Geld freimacht“, so Kahl. „Das Land wird uns nicht helfen.“

Hoher Krankenstand in den Kitas

„Der vom Land vorgegebene Kita-Schlüssel ist nur Augenwischerei“, meint auch Sabine Reichel, Leiterin der Fröbel-Kita „Benjamin Blümchen“ in Drewitz mit 236 Plätzen, die mit mehreren Kolleginnen zur Kundgebung gekommen war. Einige Kitas in Potsdam schlossen früher oder boten nur eine Notbetreuung an, damit die Erzieherinnen an der Demonstration teilnehmen konnten. „So schlimm wie jetzt war die Situation noch nie“, so Kitachefin Reichel. Der Krankenstand sei hoch, die Gruppen dementsprechend überfüllt.

„Den hohen Krankenstand bei den Erzieherinngen bekommen wir zu spüren“, sagt Jenny Schaefer. Die Potsdamerin hat zwei Kinder im Krippenalter. Schon mehrfach sei sie gebeten worden, die Kinder wegen Personalmangels zu Hause zu lassen oder früher abzuholen. „Für Berufstätige ist das unmöglich“, sagt die Mutter.

„Auch die Stadt hat eine Verpflichtung, die Kitas gut auszustatten“, betont die Bezirkschefin der Arbeiterwohlfahrt (Awo), Angela Basekow. Über eine Pauschale für besondere Bedarfe etwa sei es möglich, die Landesfinanzierung zu flankieren. Die Awo als größter Kita-Träger in Potsdam hatte vor dem Plenarsaal einen Parcours mit Wickelstation eingerichtet, um den Stadtverordneten die Arbeitsbelastung der Erzieherinnen vor Augen zu führen.

Die Stadt sieht das Land in der Pflicht

Ein von der Elterninitiave und den Linken vorbereiteter und von SPD, CDU/ANW und Bündnis90/ Grünen unterstützter Kita-Antrag wurde anschließend einstimmig beschlossen. Der Oberbürgermeister wird darin aufgefordert zu prüfen, welcher Aufwand nötig wäre, um den Betreuungsschlüssel zu verbessern, und gleichzeitig beim Land Druck zu machen. Jakobs machte den Demonstranten keine Hoffnung auf kommunale Mittel. „Dass sie für bessere Kitas auf die Straße gehen kann ich nachvollziehen“, so Jakobs, „aber wir sind dafür nicht der richtige Adressat.“ Die Stadt dürfe das Land nicht aus der Pflicht lassen, erklärte auch der Sozialbeigeordnete Schubert.

Bereits mittags hatte die Liga der Freien Wohlfahrtspflege vor dem Landtag für die Investition von Bundesmitteln in Kitas demonstriert.

Erfolgreiche Online-Petition

7800 Unterstützer haben die Online-Petition unterschrieben, die Potsdamer Eltern im April dieses Jahres ins Leben gerufen haben. 6400 Unterzeichner kommen direkt aus Potsdam.

Die Initiatoren fordern unter anderem, dass sich die Stadt Potsdam selbst finanziell für die Kitas engagiert und sich nicht allein auf das Land als zuständigen Akteur beruft. Die Unterschriften wurden durch die Initiative, die auch zu der Demonstration aufgerufen hatte, gestern an die Stadtspitze übergeben.

Als erstes Zugeständnis an die Initiative soll Anfang 2017 ein stadtweiter Elternbeirat als Mitsprachegremium eingerichtet werden. Bis dahin sicherte der Sozialbeigeordnete Mike Schubert (SPD) monatliche Gespräche zu.

Von Marion Kaufmann

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