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Potsdam „Twitter-Gewitter“: Nutzer können Feuerwehr-Alltag live erleben
Lokales Potsdam „Twitter-Gewitter“: Nutzer können Feuerwehr-Alltag live erleben
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00:20 13.02.2019
Andreas Tausche (links) und Hendrik Hänig twittern in der Leitstelle Potsdam. Quelle: FOTO: Stefan Gloede
Potsdam

Die Potsdamer Feuerwehr gewährt am Montag bei der Aktion „Twitter-Gewitter“ zum internationalen Tag des Notrufs mal einen anderen Blick in ihren Berufs-Alltag. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter berichten die Potsdamer Retter ab morgens um 8 Uhr 12 Stunden live über die Einsätze und alle Bereiche der Leit-, Feuerwehr- und Rettungsststelle. Von den insgesamt 107 Feuerwehren machen 41 bundesweit mit.

„Die meisten kennen uns nur, wenn wir bei ihnen mal zu Hause sind“, sagt Andreas Tausche, der bei der Feuerwehr Potsdam im Katastrophenschutz arbeitet. Andere wiederum sehen das Team von der Humboldtbrücke aus, wenn sie gerade bei der Kaffeepause auf der Terrasse sitzen. „Wir sind 24 Stunden hier – da gehören Pausen dazu“, erklärt er. Zudem will das Twitter-Team Tipps geben, in welchen Fällen man wie den Notruf absetzt – und wann nicht.

Konzept existiert seit 2015

Erst seit Februar 2017 hat die Wache einen eigenen Twitter-Kanal. „Bis dahin lief alles über die öffentlichen Stadt-Kanäle“, sagt Andreas Tausche. Das Konzept für den eigenen Social-Media-Account lag schon 2015 in der Schublade. Doch erst als der heutige Oberbürgermeister Potsdams, Mike Schubert (SPD), im September 2016 zum Sozialdezernenten ernannt wurde, nahm das Projekt richtig Fahrt auf.

Ins Leben gerufen hat den Feuerwehr-Account Andreas Tausche. „Ich habe damals gedacht: Man müsste in den sozialen Medien präsenter sein und die Bürger informieren“, sagt der 37-Jährige. Gerade hinsichtlich der Krisenkommunikation, wenn beispielsweise eine Bombenentschärfung ansteht, sei der direkte Kontakt sinnvoll. Ein eigens abgestelltes Social-Media-Team gibt es bei der Feuerwehr dafür nicht. Rund acht Mann haben einen Zugang – im Kern kümmern sich aber Andreas Tausche sowie Schicht- und Lagedienstführer Hendrik Hänig (34) mit viel Herzblut um den Kanal.

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Mit Twitter die breite Masse erreichen

Der Twitter-Kanal steht dabei in keiner Konkurrenz zu NINA, der Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes. Diese habe nach dem letzten aktuellen Stand 14 000 registrierte Nutzer in Potsdam – schon allein deshalb wird diese App weiterhin mit Meldungen im Notfall versorgt, sagt Andreas Tausche. Mit Twitter könne man die breite Masse erreichen und für den Nachwuchs werben. Außerdem: „Zuverlässige Informationen über eine gewisse Dauer bringen uns auch in anderen Situationen Vertrauen“, sagt Hendrik Hänig.

Geteilt wird nur, was von öffentlichem Interesse ist. „Das entscheidet auch das Bauchgefühl“, erklärt Tauscher. Etwa, wenn auf der Brandenburger Straße die Entrauchungsanlage in einem Kaufhaus ausgelöst wurde und die Straße plötzlich am Sonntag in einem mystischen Nebel liegt. Oder aber, wenn sie zum wiederholten Male zu der selben Stelle fahren. Eine Kurznachricht wird auch abgesetzt, wenn die Freiwilligen Feuerwehren mit an Bord sind. „Allein schon wegen der Wertschätzung“, erklärt Hänig. Der Grad, was und wie etwas über den Dienst in die Welt geht, ist dabei sehr schmal. Eine Regel ist dabei gesetzt: „Wir twittern nicht, wenn wir vermuten, dass wir auf Todesopfer treffen“, erklärt Tausche.

Tenor ist neutral

Eine heikle Abwägungssache ist das zudem bei Verkehrsunfällen. „Wenn klar ist, dass es kleinere Unfälle sind, twittern wir es“, sagt Tauscher. So könne man Autofahrer auf Autobahnen schnell über Sperrungen informieren. „Da zielen unsere Eingangs-Tweets in der Regel auf die Rettungsgasse ab“, sagt Hänig. Der Tenor ist dabei immer neutral. Zudem werden nicht die genauen Straßen preisgegeben, sondern lediglich Stadtteile genannt – auch um Gaffern vorzubeugen. In anderen Fällen wird bewusst zeitverzögert getwittert, wenn der Einsatz abgeschlossen ist.

Hier setzt man unterstützend auf die Erfahrung der Polizei-Kollegen, die mit ähnlichen Fällen zu tun habt und twittert. „Man lernt voneinander“, sagt Andreas Tausche.

Es gibt auch kuriose Anlässe, etwa wenn sich ein schrilles Geräusch als wild piepender Receiver am Fernseher herausstellt – oder aber Potsdamer selbstgebackene Kekse vorbeibringen, um den Rettern einfach „Danke“ zu sagen. Manchmal passiert an einem Tag auch gar nichts. Dann twittern die zwei Feuerwehrleute gerne mal: „Danke Potsdam, für 24 Stunden Ruhe.“

Von Anne Knappe

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