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Potsdam Gastronomen spenden mehr als 2000 Euro
Lokales Potsdam Gastronomen spenden mehr als 2000 Euro
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13:05 06.10.2015
Initiator der Aktion ist Patrick Berger, Inhaber des Buena Vida Coffee Clubs am Bassinplatz. Quelle: Mardel Kirf
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Potsdam

Mehr als 2000 Euro haben Potsdamer Gastronomen bei ihrer Spendenaktion „Trinkgeld für Flüchtlinge“ zusammenbekommen. Eine ganze Woche lang sammelten Mitarbeiter von Bars, Cafés und Restaurants, was Gäste ihnen zusätzlich gaben. Andere stellten Spendenbüchsen auf, stifteten aus eigener Tasche oder legten selbst Hand an. Initiator Patrick Berger, der nicht müde wird zu betonen, er habe schließlich nur die Idee gehabt, zeigte sich überwältigt von der Hilfsbereitschaft der Kollegen.

„Viele Chefs stehen selbst den ganzen Tag mit im Laden“, erklärt der Inhaber des Buena Vida Coffee Clubs am Bassinplatz den Grundgedanken hinter der Aktion. „Also können wir nicht wie so viele andere Potsdamer vor Ort in der Notaufnahmeeinrichtung in der Heinrich-Mann-Allee oder in den regulären Flüchtlingsunterkünften helfen.“ Da sich viele Gastronomen, Barkeeper, Baristi, Köche, Kellner und Geschäftsinhaber aber einig waren, dass auch sie etwas für die hilfsbedürftigen Neu-Potsdamer tun wollen, riefen sie die Aktion „Trinkgeld für Flüchtlinge“ ins Leben.

Fast zwanzig Unternehmen beteiligten sich daran. Viele sind in der Innenstadt ansässig wie das Belmundo, das Hafthorn, die Bar Gelb, das Bistro Jakobine und Waikiki Burger.

Aber auch weiter entfernte Läden wie der Lindenpark in Babelsberg, die Waschbar und der Zweitwohnsitz in Potsdam-West oder das fabrik Café in der Schiffbauergasse machten mit.

Darum spenden wir: „Meine Eltern haben auch Asyl bekommen und sind heute gut integriert. Deswegen ist es klar für mich, den Menschen zu helfen“, sagt Thai Thao Le (24), Chefin des Restaurants Le Cyclo. Quelle: Marcel Kirf

„Alle Mitarbeiter durften natürlich selbst entscheiden, ob sie dabei sind“, stellt Berger klar. „Trinkgeld ist ein wichtiger Teil des Einkommens im Dienstleistungsgewerbe, das wissen wir auch.“ Für die meisten war es selbstverständlich zu helfen. Mancherorts beteiligte sich einfach der Teil der Belegschaft, der einverstanden war. Oder es wurden andere Lösungen gefunden.

Darum helfen wir: „Aus unserer Geschichte ergibt sich die Verantwortung, geflüchteten Menschen zu helfen“, sagt Alexander Michel (40), Chef der Bar Rückholz. Quelle: Marcel Kirf

„Wir haben den Mitarbeitern die Entscheidung abgenommen. Wir haben nicht ihr Trinkgeld gespendet, sondern einen Teil unseres Umsatzes“, erzählt zum Beispiel Rückholz-Chef Alexander Michel. Das im Treffpunkt Freizeit beheimatete Café Midi und der Q-Regio-Laden am Bassinplatz gaben jeweils einen runden Betrag. Wieder andere, wie die UCI-Kinowelt am Hauptbahnhof, stellten Spendenbüchsen neben ihre Kassen. Aber es gab auch Lokale, die absagten.

Darum helfen wir: „Wir leben hier im totalen Überfluss. Da sollte es selbstverständlich sein, etwas abzugeben“, sagt Mareike Friedrich (25), Barkeeperin in der Bar Gelb. Quelle: Marcel Kirf

Die meisten Kunden unterstützten die Aktion gerne. Doch negatives Feedback blieb auch hier nicht aus. Manche Gäste gaben wegen des Aufrufs wenig oder kein Trinkgeld, wundert sich Thai Thao Le, Chefin des Restaurants Le Cyclo, noch immer. „Das hat mich echt umgetrieben“, sagt sie. „Ich bin doch selbst das Kind von Einwanderern.“

Im Internet laut gewordener Kritik, die an der Initiative Beteiligten würden nur für sich werben wollen, hingegen begegnen die Macher selbstbewusst. „Wir haben überlegt, was wir tun können und haben es getan“, sagt Patrick Berger. „Geld ist nicht alles, aber ein Anfang.“

Manche Gastro-Mitarbeiter wurden zusätzlich in den Flüchtlingsunterkünften tätig, unter den Ersthelfern fand sich manch bekanntes Gesicht aus Potsdams Nachtleben und der Zusammenschluss mobiler Küchenchefs „Die Zigeunerköche“ setzte seine Fähigkeiten am Herd ebenfalls direkt vor Ort ein.

Die Spendensumme aus der Aktion „Trinkgeld für Flüchtlinge“ wird in dieser Woche übergeben und soll die ehrenamtlich organisierten Strukturen in der Notunterkunft an der Heinrich-Mann-Allee unterstützen.

Von Marcel Kirf

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