Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 16 ° wolkig

Navigation:
Potsdamer HFF-Absolventin drehte im Cannes-Rummel

„Männer zeigen Filme und Frauen ihre Brüste“ Potsdamer HFF-Absolventin drehte im Cannes-Rummel

Der Wunschtraum aller Filmschaffenden: Mit dem eigenen Werk einmal nach Cannes zum wohl berühmtesten Festival der Welt zu kommen. Die Vorfreude der jungen Regisseurin Isabell Šuba über die Einladung war bald getrübt, denn im offiziellen Wettbewerb 2012 lief kein einziger Beitrag einer Frau.

Voriger Artikel
Verdoppelte Besucherzahl
Nächster Artikel
Vier jungen Bands aus Potsdam und Umgebung

Ermattet von den Filmfestspielen in Cannes: Produzent David Wendtland (Matthias Weidenhöfer) und Isabell Šuba (Anne Ha

Quelle: Produktion

Babelsberg. Sollte das Internationale Filmfestival Cannes immer noch nur ein Ort für abgrundtiefe Dekolletés, nicht aber für Künstlerinnen sein? "Das hat mich genervt", erzählt die 32-jährige Absolventin der Hochschule für Fim und Fernsehen "Konrad Wolf" (HFF), deren Kurzdoku "Chica XX Mujer" im vergangenen Jahr in der sogenannten Kurzfilmrolle in Cannes lief. Statt an der Croisette Partys zu feiern und nur über Filme zu plaudern, wollte Isabell Šuba lieber selbst einen Film drehen und ein Frauenpower-Zeichen setzen.

Mit Lisa Glock (30), die ihre Brötchen als freie Werbetexterin verdient, schrieb sie wenige Wochen vor dem Abflug an die Côte d' Azur ein autobiografisch gefärbtes Mini-Drehbuch über die lesbische Regisseurin Isabell Šuba, die mit ihrem ebenso unfähigen wie latent sexistischen Produzenten David Wendtland zum Festival reist...

An nur fünf Tagen im Mai 2012 entstand mitten im Cannes-Rummel "Männer zeigen Filme und Frauen ihre Brüste", ein knapp anderthalbstündiger unterhaltsamer Mix auf Fiktion und Dokumentation, der Mittwochabend Deutschlandpremiere bei den 47. Internationalen Hofer Filmtagen feiert.

Weil die Regisseurin ja drehte, schlüpfte Theaterschauspielerin Anne Haug in die "übersteigerte, aber mit Fakten aus meinem Leben angereicherte" Rolle der Isabell und nimmt beim Festival ihre Identität an, während die "echte" Isabell unter anderem Namen als Filmstudentin akkreditiert ist. Als eitler Produzent stand HFF-Schauspiel-Absolvent Matthias Weidenhöfer vor der Kamera. In der Figur David Wendtland vereinte Isabell Šuba ein "Konglomerat anstrengender Arbeitsbeziehungen". Das ungleiche Paar kämpft sich durch den Festival-Wahnsinn, verpasst Interviews und Empfänge, macht eine ernüchternde Erfahrung mit einer Fernsehredakteurin, wohnt mit anderen Filmleuten in einem viel zu kleinen Hotelzimmer...

"Um so höher es auf den Berg geht, desto dünner wird die Luft für Filmemacherinnen. Sie stoßen an die gläserne Decke", sagt Isabell Šuba. Dagegen wollte sie anfilmen. Das Festival Cannes fand 1946 zum ersten Mal statt, eine Goldene Palme gewann seither nur Jane Campion 1993 für "Das Piano". Auf kleineren Festivals wie in Zürich oder Hof laufen seit Jahren selbstverständlich Werke von Filmemacherinnen ‒ "wenn auch noch nicht im Verhältnis 50:50", sagt Isabell Šuba, die ihren Film "Guerilla-Projekt" nennt.

Trotz des wichtigen Anliegens - schmerzte es sie nicht, in Cannes nicht selbst auf der Bühne gestanden und den Applaus für "Chica XX Mujer" eingeheimst zu haben? "Das Vergnügen zu sehen, wie Anne dort oben der Arsch auf Grundeis ging, hat mich entschädigt", so die Regisseurin.

WEITERE HFF-BEITRÄGE BEI 47. INTERNATIONALEN HOFER FILMTAGEN

Außer Isabell Šubas „Männer zeigen Filme und Frauen ihre Brüste“ sind weitere Beiträge von HFF-Absolventen ab heute bei den 47. Internationalen Hofer Filmtagen zu sehen.

Regisseur Philip Nauck feiert mit seinem Diplomfilm „Der zweite Mann“ Weltpremiere in Hof. Bei dem fürs ZDF entstandenen Mystery-Thriller um Insidergeschäfte (toll besetzt mit Max Riemelt und Fabian Busch) fungierte Christopher Lenke als Co-Regisseur und Co-Autor.

Seine Uraufführung erlebt auch das Drama „Habib Rhapsody“ von HFF-Absolvent Michael Baumann, der vier Männerschicksale erzählt.

In „As Time Goes By in Shanghai“ porträtiert HFF-Absolvent Uli Gaulke die vielleicht älteste Band der Welt, die seit mehr als 30 Jahren in einem Hotel in Shanghai Jazz spielt.

Frederik Steiner studierte Regie in Babelsberg und zeigt sein Sterbehilfe-Drama „Und morgen Mittag bin ich tot“. Regisseurin Petra Volpe hat ihren ersten Kinospielfilm „Traumland“ genannt. Darin begegnen im Laufe eines Tages vier Menschen der 18-jährigen Prostituierten Mia.

Von Ricarda Nowak

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam
Die Karikaturen des Potsdamers Hafemeister

Jörg Hafemeister karikiert seit Jahren die Potsdamer Lokalpolitik. Nun hat er immer mittwochs seinen festen Platz im Potsdamer Stadtkurier. Wir zeigen an dieser Stelle alle Karikaturen.

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg