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Der Anbau steht, jetzt ist das Stammhaus dran

Umbau des Potsdamer Humboldt-Gymnasiums Der Anbau steht, jetzt ist das Stammhaus dran

Viele Querelen mussten überstanden werden, doch nun ist es geschafft: der Anbau am Potsdamer Humboldt-Gymnasium ist nach knapp zwei Jahren Bauzeit fertig gestellt worden. Nun folgt die Sanierung des altehrwürdigen Stammhauses der Schule.

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Kompromiss geglückt: Dreistöckige Verbindung mit Glasdach. Der ursprüngliche Entwurf hatte für Unmut beim Denkmalschutz gesorgt.

Quelle: Jacqueline Schulz -

Potsdam. Nach knapp zwei Jahren Bauzeit sind die 9,34 Millionen Euro teuren Arbeiten am Neu- und Anbau des Humboldt-Gymnasiums in der Potsdamer Heinrich-Mann-Allee abgeschlossen. Die Sportflächen, darunter Gymnastikwiese, Kugelstoßfläche und Kleinsportfelder, werden bis Schuljahresbeginn fertig sein. Jetzt folgt die Sanierung des altehrwürdigen Stammhauses der Schule. Im September sollen die Brandschutz- und energetischen Sanierungsarbeiten begonnen werden. Die Fertigstellung ist im vierten Quartal 2016 geplant.

Im Rahmen der traditionellen Sommertour des Oberbürgermeisters besichtigte Jann Jakobs die neue Aula

Im Rahmen der traditionellen Sommertour des Oberbürgermeisters besichtigte Jann Jakobs die neue Aula. Unten ist die ausfahrbare Tribüne zu erkennen.

Quelle: Jacqueline Schulz

Viele Querelen bis zum Kompromiss

Vor den Sommerferien konnten endlich die neuen Klassenräume bezogen werden. Die Bauarbeiten waren zwar schon seit Ende 2012 geplant gewesen, hatten sich dann aber wegen eines Streits mit der Denkmalschutzbehörde verzögert. Zwischen Stammgebäude und Neubau hatte der Bauplan eine dreigeschossige, überdachte Glasverbindung vorgesehen – für Landeskonservator Thomas Drachenberg eine Beeinträchtigung der Architektur des Humboldt-Gymnasiums „auf brutale Weise“. Nach sechs Monaten Verzug bei der Erteilung der Baugenehmigung wegen des Dissensverfahrens konnten die Bauarbeiten im Oktober 2013 beginnen – die Verbindung zwischen den Bauten sollte nun zweigeschossig und unüberdacht sein. Dies stellte jedoch gegenüber behinderten Schülern eine nicht hinnehmbare Diskriminierung dar. Schüler im Rollstuhl hätten, so Potsdams Behindertenbeauftragter Christoph Richter, bei Regen oder Schnee zwei Mal mittels des Aufzugs die Etage wechseln müssen, um trocken das Gebäude wechseln zu können. Erneut wurde umgeplant, der Humboldt-Neubau hat nun doch einen dreigeschossige Verbindung zum Neubau – als Kompromiss konnte man sich auf eine transparente Fassade einigen, welche die Sichtachsen kaum stört.

Probesitzen

Probesitzen: Oberbürgermeister Jann Jakobs und Architekt René Rudolf testen die neue Sitzecke.

Quelle: Jacqueline Schulz - meistermaedchen.de

Das Potsdamer Humboldt-Gymnasium: Schule mit langer Tradition

Am 7. Januar 1822 eröffnete die Schule als „Königliche Handwerksschule“ im damaligen Zivilwaisenhaus. Im Laufe der langen Geschichte wurde mehrfach die Schulform gewechselt, seit 1991 lernen die Schüler am Humboldt-Gymnasium.

Seit 1947 ist die Schule nach den Gebrüdern Wilhelm und Alexander Humboldt benannt. Das Leitbild der Schule orientiert sich am Erbe der Brüder, man verzichtet auf eine frühzeitige Spezialisierung der Schüler, um ihnen lange ein breites Spektrum an Bildungsangeboten zu öffnen.

Das Gymnasium hatte im vergangenen Schuljahr 695 Schüler. Gemessen an der Schüleranzahl ist das Humboldt-Gymnasium damit das drittgrößte der fünf Potsdamer Gymnasien.

Acht Schüler haben im letzten Jahr das Abitur mit der Traumnote 1,0 bestanden – der beste Wert unter Potsdams Schulen.

53 Lehrkräfte unterrichten an der Schule. Künftig sollen die Klassen von 26 auf 28 Schüler aufgestockt werden.

Ein Prominenter Ex-Schüler ist Flugpionier Otto Lilienthal.

Architektonische Besonderheiten finden sich jedoch auch abseits der Glasverbindung. Highlight des Gebäudes ist die neue Aula in Eiform. Mit Galerie und ausfahrbarer Teleskoptribüne, die 150 Sitzplätze bietet soll der Raum für die Schulspeisung, Theateraufführungen und Prüfungen genutzt werden. Die extravagante Tribüne wurde dabei nicht aus städtischen Mitteln, sondern aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert. Nichtsdestotrotz nutzte Oberbürgermeister Jann Jakobs während seines Baustellenbesuchs am Montag die Bühne für den großen Auftritt, textsicher und mit großen Gesten zitierte er aus einer Ballade des spätmittelalterlichen französischen Dichters François Villon.

Bauleiter Wolfgang Tränkner präsentiert des mechanismus der Teleskoptribüne

Bauleiter Wolfgang Tränkner präsentiert des mechanismus der Teleskoptribüne. Diese wurde nicht aus städtischen Mitteln finanziert.

Quelle: Jacqueline Schulz

Herzensangelegenheit für den Bauleiter

Bauleiter Wolfgang Tränkner führte Jakobs und seine Begleiter, unter ihnen Bernd Richter, Werkleiter des Sanierungsträgers KIS, über die Baustelle. Tränkner schaute dabei mit Stolz auf sein Werk, besonders die Teleskoptribüne hat es ihm angetan. Für Tränkner war der Bau ein Herzensprojekt, sein eigener Sohn hat vor einigen Jahren das Abitur am Hymboldt-Gymnasium abgelegt, Wolfgang Tränkner fühlt sich der Schule verbunden. Der Neubau sei „eigentlich eine ganz normale Schule, aber sie bietet alle Möglichkeiten für eine hervorragende Ausbildung.“ Eine ganz normale Schule ist das Humboldt-Gymnasium allerdings dann doch nicht: nach dem Umbau bildet es das einzige komplett barrierefreie Gymnasium im Land Brandenburg.

Von Saskia Popp

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