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Potsdamer Jungentage feiern Jubiläum

Camp auf dem Gelände des Treffpunkt Freizeit Potsdamer Jungentage feiern Jubiläum

Seit zehn Jahren veranstalten der Verein Manne und der Treffpunkt Freizeit die Potsdamer Jungentage. Die Organisatoren sind weiterhin davon überzeugt, dass geschlechtshomogene Angebote die Entwicklung der Kinder befördern. Im Jubiläumsjahr haben sie sich deshalb ein ganz besonderes Angebot ausgedacht.

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Die Organisatoren der Potsdamer Jungentage Uwe Rühling (l.) und Eike Schwarz.

Quelle: Marion Kaufmann

Potsdam. Der Jugendliche besucht eine Förderschule, 20 Kilometer von seinem Wohnort entfernt. Die Mutter trinkt, der Vater ist nicht da. „Am Wochenende hängt er mit den Hells Angels ab“, schildert Lehrer und Trainer Eike Schwarz (52) die mögliche Biografie eines Heranwachsenden, der mangels positiver männlicher Vorbilder vermeintlichen Halt bei den martialischen Rockern sucht. Andere sind anfällig für Rechtsextremismus oder Salafismus. „Was diese gestrauchelten Jungs suchen, sind männlich strukturierte Gruppen, wo ihnen Gemeinschaft versprochen wird“, erklärt Schwarz, Vorsitzender von Manne e.V. Potsdam.

„Wir wollen an früher Stelle eine Alternative bieten“, sagt Sozialpädagoge Uwe Rühling (41), Leiter des Treffpunkts Freizeit. In diesem Jahr organisieren der Treffpunkt und Manne zum zehnten Mal gemeinsam die Jungentage Potsdam, die vom Jugendamt und der Gleichstellungsbeauftragten der Landeshauptstadt unterstützt werden. Hundert Jungs im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren gestalten gemeinsam mit 25 Männern aus den unterschiedlichsten Berufen, Altersstufen und sozialen Schichten drei Tage auf dem Gelände des Freizeittreffs am Heiligen See. Lagerfeuer, Bogenschießen, Kampfsport, aber eben auch malen, tanzen und einfach nur reden – bei dem Camp nur für Jungs dürfen diese Kind sein, ohne in der Gesellschaft noch immer verankerten Rollenbilder schlüpfen zu müssen.

Dabei geht es zunächst gar nicht um hehre Ziele wie Extremismusbekämpfung oder den Ausgleich des durch Studien nachgewiesenen Lernnachteils von Jungs gerade in jüngeren Klassen, sondern darum, ohne Druck und Rituale Gemeinschaft zu erleben und zu entspannen. Das könne aber durchaus eine hilfreiche Erfahrung sei, um später keinen radikalen Weg einzuschlagen, meinen die Organisatoren.

Als der Verein Manne vor 20 Jahren in Potsdam gegründet wurde, habe geschlechtsbewusste Jungenarbeit in Brandenburg so gut wie gar nicht stattgefunden, so Eike Schwarz. Inzwischen hat sich Manches getan, die Jungenarbeit hat sich quasi emanzipiert. „Den“ Mann gebe es nicht mehr. Ernährer, Beschützter, Kämpfer, gleichzeitig einfühlsamer Vater, Künstler, Hausmann – wann ein Mann ein Mann ist, lässt sich heutzutage nicht leicht beantworten. „Wir leben in Zeiten, in denen sich Rollen extrem verändern“, so Schwarz. Das Credo von Manne: starre Normen haben keinen Platz. Die 25 höchst unterschiedlichen Männer bei den Jungentagen, teils Väter der teilnehmenden Kinder, leben das vor.

In diesem Jahr gibt es erstmals auch Mädchentage

Einige Jungs, die früher selbst beim Camp dabei waren, machen inzwischen als Betreuer mit – oft als Vorstufe für das Ergreifen eines pädagogischen Berufes. Noch immer, sagt Diplompädagoge Eike Schwarz, gebe es vor allem in Kitas und Grundschulen zu wenig Männer. Auch Frauen müssten noch lernen, loszulassen: „Wenn man als Vater zum Elternabend kommt, wird man teilweise gar nicht wahrgenommen“, schildert Schwarz, der wie Treffpunkt-Leiter Uwe Rühling vier Kinder hat. Jeder der beiden hat zwei Jungs und zwei Mädchen.

Zum zehnjährigen Jungentage-Jubiläum haben sich die Initiatoren deshalb etwas Besonderes ausgedacht: Erstmals gibt es auch Mädchentage, von Männern organisiert. Vom 19. bis 20. Mai findet die Abenteuerübernachtung für Mädels statt. „Beim Abholen von den Jungs­tagen waren viele Schwestern immer begeistert von dem Angebot.“ Nun sollen beide Geschlechter einmal Raum nur für sich haben und sich ausprobieren können – um sich hinterher umso besser zu verstehen.

Verein Manne besteht seit 20 Jahren

Der Verein „Manne Potsdam; Information – Beratung – Bildung für Jungen und Männer“ wurden 1997 gegründet und besteht aus rund 20 Mitgliedern.

Die Jungentage 2017 finden vom 15. bis 17. September unter dem Motto „Zehne zeigen – Herz verschenken“ im Treffpunkt Freizeit statt. Teilnehmen können Jungs von sechs und zwölf Jahren, Elternbeitrag 20 Euro. Info: info@jungentage-potsdam.de

Mädchentage , organisiert von Manne und Treffpunkt Freizeit, finden erstmals vom 19. bis 20. Mai statt. Sie sind nicht zu verwechseln mit den Mädchentagen des Vereins Stadtrandelfen, die vom 1. bis 2. Juli auf dem Gelände des Volksparks stattfinden.

Von Marion Kaufmann

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