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Potsdam Juwelier hat nach Überfall wieder geöffnet
Lokales Potsdam Juwelier hat nach Überfall wieder geöffnet
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12:23 20.01.2016
Mit einem Hammer hatten die Täter fünf Vitrinen zertrümmert. Inzwischen sind alle Scherben und Splitter aufgefegt. Neue Glastüren soll’s nächste Woche geben. Quelle: Julian Stähle
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Babelsberg

Den Ernstfall, das hatte sich Christian Goldmann vorgenommen, den wollte er immer mal durchspielen. Der Juwelier hatte dafür seine Filiale in Babelsberg ausgewählt. Weil sie so ruhig gelegen ist. Und weil dort in zehn Jahren nie etwas passiert ist, nicht mal ein Einbruch. Eines schönen Tages aber hätte es dort einen Überfall gegeben und dann – rasch, um die Nerven der ahnungslosen Angestellten ja nicht allzu sehr zu strapazieren – die Auflösung. Alles nur gespielt! Ein befreundeter Polizist hätte danach Tipps gegeben, wie man sich richtig verhält in so einer Ausnahmesituation. Einen Test unter realen Bedingungen hatte sich Christian Goldmann ausgemalt. So wie man auch einen Feueralarm probt.

Am Samstag hat die Realität den Juwelier eingeholt.

Zwei Vermummte stürmten das Geschäft in der Rudolf-Breitscheid-Straße 31, schlugen mit einem Hammer fünf Vitrinen kurz und klein und verschwanden mit den Taschen voller Gold. „Bis dahin“, sagt Goldmann, „war Potsdam ein absoluter Traum.“ Mit einem Schlag ist Potsdam nun zum Alptraum geworden. Vor allem für die Mitarbeiterin (28), die an jenem Tag Dienst hatte.

Sie ist allein im Geschäft, telefoniert gerade mit einer Kollegin in einer der anderen drei Filialen, als sich die automatische Ladentür aufschiebt und mit dem Gong die beiden Räuber eintreten. Die Frau drückt den Alarmknopf, verbarrikadiert sich in der Werkstatt und kauert dort, bis eine Passantin sie erlöst. „Sie hat alles richtig gemacht“, sagt Goldmann. „Egal, wie akribisch man sich vorbereitet, wie man wirklich reagiert, weiß man wohl erst im Fall der Fälle.“

Die Idee vom Probealarm ist nun passé. Das Geschäft in Babelsberg seit Montag wieder geöffnet. Eine der Angestellten hatte einen leistungsstarken Industriesauger mitgebracht. „Für den Feinschliff nach dem Ausfegen“, so der Chef. „Hier war ja alles voller Scherben und Splitter.“ Er sieht sich im Laden um. In den mit schwarzem Samt ausgeschlagenen Schaukästen blitzt es golden und silbern. Dazwischen muten die zertrümmerten Vitrinen wie schwarze Löcher an. Was die Täter nicht mitgenommen haben, ist ausgeräumt und anderswo einsortiert. Der Glaser war da, um für neue Türen Maß zu nehmen. Nächste Woche sollen sie fertig sein.

Die Deko-Büsten, denen die Täter die Ketten vom Hals gerissen haben, stehen derweil schmucklos in einer Ecke in der Werkstatt. „Was genau fehlt, ist noch immer nicht hundertprozentig geklärt“, so Goldmann. „Meine Mitarbeiterinnen hatten die Vitrinen erst ein paar Tage vor dem Überfall neu bestückt.“

Kurz nach dem Überfall am Samstagvormittag war die Kripo vor Ort. Die Ermittlungen laufen noch immer. Quelle: Julian Stähle

Nicht nur die Inventur, auch die Suche der Polizei läuft noch immer. „Die Ermittlungen dauern an“, sagt Sprecherin Jana Birnbaum. Man gehe nach wie vor von zwei Tätern aus. „Sie waren organisiert und top vorbereitet.“ Und womöglich um einiges kaltschnäuziger als bisher gedacht. „Beim Bäcker nebenan sollen sie sich vor dem Überfall noch etwas gekauft haben“, erzählt Christian Goldmann, der alles in allem Glück im Unglück hatte – er ist versichert und hofft, so wenigstens einen Teil des Schadens ersetzt zu bekommen. „Bei Vandalismus und Trickdiebstahl sieht das anders aus. Da gibt’s gar nix.“ Auf 15000 Euro schätzt er den Wert der Beute – man sei eben kein Luxus-Juwelier à la Tiffany & Co. mit Rolex-Uhren und diamantstrotzenden Colliers. „Wir sind der Juwelier für jeden Geldbeutel. Viele Kunden kommen auch mit Reparaturen zu uns.“

Um die kümmert sich die Goldschmiedin und Uhrmacherin Vanessa Wajngarten (34). Seit drei Jahren arbeitet sie in Babelsberg. Dort sollte sie auch am Samstag im Gefunkel stehen, hatte den Dienst aber mit einer Kollegin getauscht und die wiederum mit einer anderen. „Als ich erfahren habe, dass das Geschäft überfallen wurde, stand ich unter Strom“, erzählt Vanessa Wajngarten. „Als hätte ich in die Steckdose gefasst.“ Sie sei direkt zu einem Nachbarn gerannt – um in ihrer Fassungslosigkeit nicht ganz allein zu sein. Hatte es sie nicht erst ein paar Wochen zuvor geschüttelt? Als im November ein Juwelier am Ku’damm überfallen wurde, klopfte der Schrecken schon mal an. „Unser Edelsteinfasser arbeitet dort“, sagt Vanessa Wajngarten. „Er wurde bei dem Überfall verletzt: Die Räuber haben ihm den Daumen gebrochen.“ Ob die Taten in einem Zusammenhang stehen, ist unklar.

Hammer-Räuber auch in Berlin

Am helllichten Tag und mit einem Hammer bewaffnet haben Juwelenräuber am 24. November 2015 auch in Berlin zugeschlagen – mitten auf dem belebten Kurfürstendamm.

Die Polizei geht von vier Tätern aus. Einer der Männer gab sich als Kunde aus und klingelte gegen 12.20 Uhr an der Ladentür. Als ein Mitarbeiter öffnete, wurde der Räuber direkt handgreiflich und versuchte ihn zu überwältigen. Die Tür fiel zu, doch zwei Komplizen kamen hinzu, machten sich daran zu schaffen und konnten sie aufbrechen.

Die Täter waren zum Teil maskiert. Sie versprühten Reizgas im Geschäft, zerschlugen eine Vitrine und griffen sich hochwertigen Schmuck und Uhren.

Als Fluchtwagen diente in diesem Fall ein schwarzer Porsche Panamera mit gestohlenem Kennzeichen. In dem Auto saß der vierte Täter. nf

Von Nadine Fabian

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