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Potsdam Kulturschutzgesetz, Plattner und „Panikmache“
Lokales Potsdam Kulturschutzgesetz, Plattner und „Panikmache“
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08:40 03.08.2015
„Der Jahrhundertschritt“ von Wolfgang Mattheuer aus dem Jahr 1984 wurde von Hasso Plattner für seine geplante Kunstgalerie erworben und im Kutschstallhof am Neuen Markt aufgestellt. Quelle: Foto: Christel Köster
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Palo Alto / Potsdam

Im Streit um das Gesetz zum Schutz von Kulturgütern droht der Potsdamer Software-Milliardär und Kunst-Mäzen Hasso Plattner mit Konsequenzen. Sollte das Gesetz von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) Wirklichkeit werden, könne er eine Verlagerung seiner Gemälde-Klassiker aus dem kalifornischen Palo Alto nach Deutschland „nicht mehr verantworten“. Die Sammlung verlöre auf einen Schlag die Hälfte ihres Wertes, schreibt Plattner in einem Brief an Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). Damit würde dem geplanten Kunstmuseum Barberini am Alten Markt in Potsdam der Wegfall wertvoller Bestände drohen, nämlich der Sammlung aus Werken des Impressionismus und der Klassischen Moderne. Rund 250 Bilder gehören dazu, knapp zwei Drittel davon sind Plattner zufolge museumsreif. Seine Sammlung ostdeutscher Kunst, für die er international keinen Markt sieht, ist jünger als 50 Jahre und von dem Gesetz nicht betroffen, das noch gar nicht beschlossen ist.

Falls das in der Kunst- und Galerieszene höchst umstrittene Gesetz durchkommt, will Plattner in Palo Alto ein neues Museum für seine Klassiker bauen. Dem Ort, an dem sich eine Filiale des von ihm mitgegründeten Softwarekonzerns SAP befindet, habe er „viel zu verdanken“.

Grütters’ Sprecher Hagen Philipp Wolf sagte der Deutschen Presse-Agentur, Plattner solle warten, bis der offizielle Gesetzentwurf vorliegt. „Dann wird er sehen, dass seine Sammlung durch die Gesetzesnovelle gar nicht betroffen sein wird.“ Neu an dem Gesetz sei nur eine erforderliche Ausfuhrgenehmigung in den europäischen Binnenmarkt, wenn ein Kunstwerk einen bestimmten Wert und Altersgrenzen überschreitet, nämlich 50 Jahre und 150 000 Euro. Die Ausfuhr in den außereuropäischen Markt sei so schon seit 1992 geregelt und funktioniere ohne Probleme.

Potsdams Oberbürgermeister Jakobs (SPD) hat dagegen in einem Brief an Grütters, der der MAZ vorliegt, gewarnt, ein „kulturpolitischer Skandal allerersten Ranges“ bahne sich in Potsdam an, wenn Plattner seine Klassik-Sammlung nicht ins künftige Palais Barberini bringt. Er trete für eine „radikale Veränderung“ ein; am besten wäre eine Rücknahme des Gesetzes. Ohne das Engagement international agierender privater Sammler und Mäzene wäre der Kunstbetrieb in den deutschen Kommunen längst zum Erliegen gekommen, schreibt Jakobs. Er wirft der Bundesregierung eine „Bevormundung und staatliche Kontrolle“ vor, die „unabsehbare Folgen“ für Galeristen und für Museen haben werde. Der Leihverkehr der Museen, die sich für zeitweilige Ausstellungen Werke aus privaten Sammlungen besorgen, werde behindert, so auch die Eröffnungsschau Plattners im Palais Barberini, das derzeit neu aufgebaut wird und 2017 eröffnen soll. Der Mäzen hat bereits Sammlerfreunde um Leihgaben gebeten und Kontakt zu internationalen Museen aufgenommen, darunter in Russland.

Plattner selbst hat zehn seiner Klassiker von Museen in den USA gekauft, die diese Erlöse für Umbauten verwendeten. Der Mäzen betont, Museen und Sammler bräuchten die Flexibilität, auch mal ein Werk zu verkaufen, um dafür andere Kunstgüter zu erwerben oder Aufwendungen zu decken. Bislang wollte der SAP-Mitbegründer nach seinem Tod das Museum Barberini zum ständigen Sitz seiner Sammlung machen.

Jakobs sagte der MAZ am Sonntag, man müsse Plattners Bedenken ernst nehmen; das Problem betreffe ganz Deutschland. Er habe den „Eindruck, dass das von vielen unterschätzt wird.“ Es gehe für Potsdam nicht nur um „ein paar Bilder“, sondern um die Grundphilosophie des Palais Barberini“, wo Plattners Kunstsammlung auch nach seinem Tode gezeigt werden soll. „Wenn dieses Vermächtnis nicht erfüllbar wird, bricht das Grundgerüst des Barberini-Projektes zusammen“, sagte Jakobs: „Die Leute wissen gar nicht, welch wertvolle Kunstsammlung Hasso Plattner da über Jahre systematisch aufgebaut. So eine Sammlung werden wir in den nächsten Jahren deutschlandweit nicht mehr bekommen.“ Er stehe mit Plattner im Mailkontakt zu dem Problem.

Der Bauherrenvertreter Willy Athenstädt findet es „gut, dass Plattner rechtzeitig seine Bedenken äußert, ehe alles fertig ist und man sagt: Hättet Ihr Euch mal gekümmert!“ Das Palais Barberini werde in jedem Fall fertig gebaut. Wenn Plattners Sammlung aus den USA nicht nach Potsdam komme, werde es eben die DDR-Kunst des Mäzens und Wechselausstellungen beherbergen. Wenn das Gesetz unverändert kommt, sei das das Aus für Plattners Klassiker-Sammlung. Es gebe aber auch viele andere Betroffene, die Kritik äußern: „Die Bundesregierung hört jetzt Kritik von vielen Seiten. Warten wir mal ab, wie die Politik jetzt reagiert“, sagte Athenstädt am Sonntag gegenüber der MAZ.

Das Palais Barberini

Das Palais ließ Friedrich der Große (1712-1786) nach dem Vorbild des Palazzo Barberini in Rom errichten. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Barockbau zerstört. Plattner finanziert nun den Wiederaufbau.

Zu seiner Sammlung ostdeutscher Kunst gehören 80 Werke von 18 DDR-Künstlern, darunter Wolfgang Mattheuer, Bernhard Heisig, Willi Sitte und Werner Tübke. Zu den Klassikern zählen Werke von Monet, Renoir, Munch und Nolde.

Das „Kulturschutzgesetz“

Mit dem Gesetz will die Bundesregierung den Schutz von Kunstwerken neu regeln und an EU-Recht anpassen. In dem Entwurf heißt es: „Nationales Kulturgut als Teil des kulturellen Erbes Deutschlands unterliegt dem Schutz gegen Abwanderung aus dem Bundesgebiet.“

Die Gesetzespläne waren in der Kunstwelt auf massive Kritik gestoßen. Der Maler Georg Baselitz etwa zog aus Protest seine Leihgaben aus deutschen Museen zurück.

Von Rainer Schüler

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