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Potsdam Potsdamer Poetenpack probt für neues Stück
Lokales Potsdam Potsdamer Poetenpack probt für neues Stück
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20:26 12.06.2018
Bei der Probe im Seesportclub Potsdam: Andreas Hueck, Poetenpack-Chef, mit den Darstellerinnen Clara Schoeller (mitte) und Julia Borgmeier. Quelle: F. Bungert
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Babelsberg

Gerade ist Willi Händler das achte, neunte Mal um seine Kollegin Clara Schoeller gejoggt. Jetzt schnappt er sich ein Handtuch, tupft sich den Schweiß von der Stirn und macht Liegestütze an einer Bank.

„Gut, stopp. Ich will noch mal etwas probieren!“, ruft Andreas Hueck. Das Publikum jauchzt vergnügt auf. „Jaja, die Szene wird zum Running-Gag“, sagt er ebenfalls lachend. Der 49-jährige Regisseur und Chef des Potsdamer Poetenpacks hat sich die Schuhe ausgezogen und tänzelt jetzt auf der Probe-Bühne zwischen den weißen Blöcken herum. „Wenn du hinter Clara entlangläufst, schau sie dabei an. Und hier, wenn du hier bist“ – Hueck steht jetzt zwischen den beiden Schauspielern „muss schon gleich der Satz kommen“, erklärt er. Mimik, Pose, Text, Timing – alles muss genau passen.

Andreas Hueck klopft dem 74-jährigen Schauspieler Willi Händler, der zur elften Joggingrunde ansetzt, auf die Schulter. „Ich weiß ja, du kannst noch ganz andere Sachen“, sagt Hueck ermunternd. Händler nickt und lacht. Problemlos dreht er seine nächste Runde. Das Team ist eingespielt, mit allen sechs Schauspielern hat Hueck bereits zusammengearbeitet und weiß, wie sie ticken.

Hier im Saal des Potsdamer Seesportsclubs im Park Babelsberg durften Interessierte am Montag dem Potsdamer Theater Poetenpack bei den Proben für ihr neues Stück „Das Spiel von Liebe und Zufall“, das 5. Juli im friderizianischen Heckentheater am Neuen Palais Premiere feiert, über die Schulter schauen. Bereits zum dritten Mal veranstaltet das Team so eine öffentliche Probe, bei der Zuschauer für einen kurzen Moment mit zum Produktionsteam gehören und den Entstehungsprozess mit begleiten. Für Hueck ist das „ein intimer Vorgang“, bei dem auch er in gewisser Weise auf dem Prüfstand steht, sagt er.

Es geht um Konventionen

Die Komödie von Pierre Carlet de Marivaux handelt von Silvia (Clara Schoeller), die von ihre Vater Organ (Willi Händler) an Dorante (Andreas Klopp) verheiratet werden soll. Weil Silvia aber von der Ehe nicht viel hält, schlägt sie ihrem Vater ein Abkommen vor. Sie möchte mit ihrer kessen Zofe Lisette (Julia Borgmeier) die Rollen tauschen, um Dorante so zunächst unerkannt kennenzulernen. „Eine lustige Idee“, sagt Vater Organ darauf hin und willigt ein. Schließlich ist Dorante zufällig auf die gleiche Idee gekommen.

Daraus entspinnt sich eine witzige Verwechslungskomödie, in der Diener und Herren in eine andere Rolle schlüpfen. Aber das Stück von Marivaux erzählt auch von gesellschaftlichen Konventionen. „Im Prinzip wird ein Kampf zwischen Liebe und Vernunft ausgefochten“, sagt Hueck. Denn durch den Rollenwechsel würden sie gegen ihren Status heiraten. „Die Herren merken zudem, wie bitter es ist, Diener zu sein.“ Das fast 300 Jahre alte Stück sei dadurch auch immer noch aktuell. „Herrscher und Diener haben wir heute nicht mehr, aber es geht dennoch auch heute um soziale Diskrepanzen“, erklärt Hueck. Eigene Ansprüche und Vorurteile werden dabei auf die Probe gestellt.

Karten und Spielzeiten

„Das Spiel von Liebe und Zufall“ von Marivaux ist eine Kooperation wird am 5. bis 8.Juli, am 21. Juli und vom 25.-bis 28. Juli jeweils um 20 Uhr im Heckentheater am Neuen Palais aufgeführt. Ein weiterer Termin wird am 22.Juli um 17 Uhr sein.

Vorverkauf ist beispielsweise im Theaterbüro Potsdam (Lennéstraße 37), in den Besucherzentren am Neuen Palais, an der Historischen Mühle sowie online unter www.theater-poetenpack.de oder telefonisch unter 0331/97 91 291.

Karten kosten im Vorverkauf zwischen 18 und 30 Euro. An der Abendkasse liegen die Preise bei 22 bis 34 Euro.

Die Zuschauer waren nach der einstündigen Probewerkstatt begeistert. Heinz-Jürgen Wolff ist extra aus Berlin angereist. „Ich bin erstaunt, wie lange um kleine Details gerungen wird – und wie die Schauspieler die Gedanken gleich umsetzten können, sagt der 75-Jährige.

Bald 20 Jahre Poetenpack

Hueck hat das Theater Poetenpack 1999 gegründet – 2019 feiert es 20- jähriges Bestehen. Die Proben laufen derzeit noch im Potsdamer Seesportclub. Bis Ende September läuft noch der Vertrag, danach muss das Theater raus, so Hueck. Bislang gibt es noch keine Alternative. Wie berichtet soll ein umfangreicher Flächentausch zwischen Stadt und Schlösserstiftung bis zum 31.Dezember 2021 stattfinden. Das Stadtbad soll dabei bis zum Gelände des Seesportclubs vorrücken, das der Schlösserstiftung gehört.

Zu einem aktuellen Stand zum Seesportclub konnte man sich derzeit nicht äußern, hieß es von der Potsdamer Schlösserstiftung auf MAZ-Nachfrage. Die Details des Flächentauschs sollen von einer Arbeitsgruppe unter Federführung der Stadt bis 30. Juni 2018 festgelegt werden und bis Ende September 2018 in eine Verwaltungsvereinbarung münden.

„Für uns wird es eng“, sagt Hueck. Auf 450 Quadratmetern befinden sich im Seesportclub derzeit auch die Bühnenbilder und Kostüme, die künftig untergebracht werden müssen. Einen richtigen Plan-B gibt es derzeit nicht, zur Not müsse man ins Probenhaus nach Berlin.

Von Anne Knappe

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