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Potsdamer Schönheitschirurg packt aus

Mojtaba Ghods vom Ernst-von-Bergmann-Klinikum im MAZ-Interview Potsdamer Schönheitschirurg packt aus

Seit es das Zentrum für Ästhetik am Ernst von Bergmann-Klinikum gibt, verdoppelt sich die Zahl der Schönheitsoperationen in Potsdam von Jahr zu Jahr. Mojtaba Ghods, Chefarzt und Leiter der Einrichtung, spricht im Interview mit der MAZ über Trends in Potsdam.

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Alles für die Schönheit – auch wenn es schmerzhaft ist.

Quelle: dpa

Potsdam. In Potsdam lassen sich Frauen und Männer immer häufiger von Schönheitschirurgen operieren. Die MAZ hat mit Mojtaba Ghods, Schönheitschirurg im Ernst-von-Bergmann-Klinikum darüber gesprochen, warum die OPs im Trend liegen und wer sich häufiger operieren lässt.

Herr Dr. Ghods, kommen mehr Männer oder Frauen zu Ihnen?

Ghods: Ich würde sagen, 70 Prozent Frauen, 30 Prozent Männer. Das hat sich gewandelt. Vor drei Jahren sagten Frauen noch zu mir: ;Bitte schicken Sie die Rechnung nicht nach Hause.‘‚ Heute bringen sie ihre Männer mit und fragen: ‚Können Sie bei ihm gleich Fett absaugen, wenn Sie schon meine Oberlider straffen?‘

Was wollen Frauen, was Männer?

Ghods: Frauen wollen meist eine Oberlidplastik, eine Faltenbehandlung und die Brust vergrößern oder verkleinern. Bei Männern sind neben dem Fettabsaugen ebenfalls die Faltenbehandlungen beliebt. Außerdem verbessern Männer gerne ihre Gesäßform: Sie lassen sich an einer anderen Stelle des Körpers Fett absaugen und ins Gesäß einspritzen.

Schicken Sie Leute auch wieder weg?

Ghods: Wenn Wünsche aus meiner Sicht medizinisch nicht vertretbar sind, lehne ich die Behandlung ab oder wenn ein Paar kommt, und der Mann sagt: ‚Können Sie das und das machen‘, die Frau das aber gar nicht will. Denn bloß weil etwas machbar ist, muss man es nicht auch machen. Ich rede zunächst mit meinen Patienten – jeder hat im Leben eine Phase, in der nicht alles gut läuft. Ich habe schon sagen müssen: ‚Glauben Sie nicht, dass Sie Ihre Ehe retten können mit einem größeren Busen.‘ In einem solchen Fall hilft eher eine psychologische Behandlung, man wird unglücklich bleiben. Oder Leute bringen das Bild einer fremden Person mit und sagen, dass sie so aussehen möchten. Dann sage ich: ‚Bringen Sie ein Foto mit von vor zehn Jahren, auf dem Sie sich wohl gefühlt haben.‘ Wenn jemand anderes fragt: ‚Haben Sie sich operieren lassen?‘ - dann wurde zuviel gemacht. Wenn jemand fragt: ’Waren Sie im Urlaub, Sie sehen so frisch aus?`- dann ist es genau richtig.

Kommen zunehmend jüngere Menschen zu Ihnen und wenn ja, was halten Sie von dieser Entwicklung?

Ghods: Früher kamen die Menschen mit Mitte 50 oder 60 zu mir, jetzt schon mit Mitte 30. Das ist gut! Denn wenn man früh mit kleinen Schritten beginnt, etwa mit dem Spritzen von Botox und Hyaluronsäure, dann brauchen sie vielleicht später keine große OP.

Chefarzt seit 2008

Mojtaba Ghods ist seit 2008 Chefarzt in der Klinik für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Mikrochirurgie/Handchirurgie. Das Zentrum für Ästhetische Medizin am Ernst von Bergmann-Klinikum gibt es seit 2012.

Der Arzt ist 49 Jahre alt und im Iran geboren. Der verheiratete Vater von zwei Kindern lebt mit seiner Familie in der Berliner Vorstadt. Er ist Sachverständiger bei Gerichtsverfahren und arbeitet als Dozent an der Uni Potsdam.

Welche Tipps geben Sie für ein besseres Aussehen?

Ghods: Die Leute sollen nicht rauchen, genügend schlafen, Stress vermeiden und nicht zu oft in die Sonne gehen. Und nach einer OP schicken wir die Patienten zu einer professionellen Kosmetikerin oder Ernährungsberaterin, damit sie wissen, wie sie sich verhalten müssen, um das Ergebnis zu erhalten. Man kann nämlich nicht sagen: ‚Ich gehe einmal zur Plastischen Chirurgie und dann verhalte ich mich wieder wie vorher.‘ Man muss danach den Umgang mit seinem Körper ändern.

Wie läuft die Beratung?

Ghods: Wir werden nie sofort operieren, erst mal klären wir die Leute auf. Bis sich jemand bei mir operieren lässt, hat er immer zwei bis drei Termine. Nach dem ersten Beratungsgespräch frage ich beim zweiten Termin immer: ‚Haben Sie sich das gut überlegt?‘ Denn je aufgeklärter die Patienten sind, desto besser kann man mit ihnen umgehen. Das Wichtigste ist, dass meine Patienten sagen: ‚Herr Doktor Ghods, ich habe Vertrauen zu Ihnen.‘

Welche Trends erkennen Sie?

Ghods: Bei Falten wurde früher mehr Hyaluronsäure gespritzt. Heute wollen die Leute eher, dass überschüssiges Eigenfett etwa aus Bauch und Oberschenkel ins Gesicht oder in die Brust eingespritzt wird. Allerdings sind wir da sehr konservativ – es gibt noch zu wenig Daten zu diesen Verfahren. Die Tendenz geht außerdem mehr zu Natürlichkeit, also, dass man nicht zu viel spritzt, es nicht zu straff aussieht und es eine Harmonie zwischen Hals und Kopf gibt. Die Dicke Lippen sind nicht mehr in. Und eine Mutter soll nicht wie ihre Tochter aussehen. Falten haben ja auch etwas Erotisches, denn sie zeigen die Lebenserfahrung.

Übernimmt die Krankenkasse einen Anteil?

Ghods: Nein, keine ästhetischen Eingriffe. Das finde ich auch richtig so. Die Kassen sind dazu da, kranke Patienten zu versorgen. Wenn jemand aber 100 Kilo abnimmt und die Haut hängt, da übernimmt die Kasse teilweise die Kosten. Auch bei Eingriffen, die medizinisch indiziert sind und die Gesundheit negativ beeinflussen, zahlt in vielen Fällen die Kasse.

Wie hat sich das Zentrum für Ästhetik entwickelt?

Ghods: Seit Gründung haben sich die Besucherzahlen jedes Jahr verdoppelt. Die Leute sind viel körperbewusster geworden, sie leben auch viel gesünder. Viele wollen noch im Alter Sport machen, in die Sauna gehen oder große Reisen machen.

Wie alt ist ihr jüngster, wie alt ihr ältester Patient?

Ghods: Die jüngste Patientin war 20. Meine älteste Patientin ist 81 Jahre. Diese Generation wird 100 Jahre alt, mit 80 Jahren wollen die Leute noch fit sein und das Leben genießen.

Wird es nicht mit zunehmendem Alter schwieriger, plastische Eingriffe vorzunehmen?

Ghods: Nein, das biologische Alter ist entscheidend.

Frage: Gehen die Leute offen mit dem Thema Schönheitschirurgie um?

Ghods: Ästhetische Chirurgie ist nichts Schlimmes! Im Iran, wo ich herkomme, lassen sich viele Leute die Nase operieren. Und die, die das Geld nicht haben, kleben sich Pflaster auf die Nase, um so zu tun, als ob sie sich die Nase operiert haben lassen! Denn warum soll man einen Makel, unter dem man leidet, akzeptieren? Natürlich muss man einen seriösen Kollegen finden, der sein Metier beherrscht.

Wie sind Sie Schönheitschirurg geworden?

Ghods: Ich hatte schon immer eine Liebe zur Schönheit und zur Natürlichkeit. Seit 20 Jahren bin ich auf dem Gebiet der plastischen Chirurgie tätig. Ich wollte immer erst die rekonstruktive Chirurgie, also die Wiederherstellungschirurgie, beherrschen, um die Ästhetische überhaupt anbieten zu können. Das gibt mir die Sicherheit, Komplikationen zu beherrschen.

Würden Sie auch bei sich selbst etwas ändern lassen?

Ghods: Ja, klar. Dafür bin ich offen, alles andere wäre peinlich. Selbst mein Vater hat sich mit 80 Jahren noch Haar transplantieren lassen. Ich würde zuerst meine Falten behandeln.

Von Anne-Kathrin Fischer

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