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Potsdamer Schüler drehen Kurzfilm

Filmwettbewerb Potsdamer Schüler drehen Kurzfilm

Für den bundesweiten Filmwettbewerb „99fire-films-Award“ haben fünf Schüler der Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule tief in ihre Ideenkiste gegriffen. In 99 Stunden drehten sie einen 99 Sekunden langen Film. Die MAZ war bei den Dreharbeiten dabei.

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Hauptdarsteller Chris Schlangen liegt im Bett, Kalenderblätter regnen auf ihn nieder. Links daneben steht die Hauptdarstellerin des Films, Hannah Goral.

Potsdam. Es ist die Wohnung einer Künstlerin. Die Hintergrundwände sind ausgerollt. Ausrangierte Kameras und Objektive liegen in einem Regal. Zwei Studioleuchten stehen im Wohnzimmer, ausgerichtet auf einen jungen Mann mit Rändern unter den Augen. Die Mieterin ist nicht zu Hause. Ihr Sohn hat die komplette Wohnung für einen Filmdreh in Beschlag genommen. Sein Name ist Ilya Berdaschkov, er ist 19 Jahre alt und Schüler an der Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule. Er und seine Freunde drehen einen Kurzfilm, mit dem sie bei dem bundesweiten Wettbewerb „99fire-films-Award“ antreten wollen.

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99 Stunden hatten sie Zeit, einen 99 Sekunden langen Film zu drehen. Das ist das Konzept des Wettbewerbs „99fire-films-Award“. Fünf Leonardo-da-Vinci-Schüler haben sich angemeldet und die Herausforderung angenommen. Die MAZ war bei den Dreharbeiten dabei.

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Der Film heißt „Wieder so ein Werbefilm“

Der wichtigste Raum an diesem zweiten und letzten Drehtag ist das Schlafzimmer. Im Bett soll die Hauptfigur träge und runtergekommen daliegen, traurig über die verloren gegangene Liebe. Das Motto das Wettbewerbs ist „Ich liebe es.“ Der Titel des Potsdamer Beitrages „Wieder so ein Werbefilm“. In dem Film der Jugendlichen, die bis auf einen Freund, allesamt auf die Da-Vinci-Schule gehen, geht es um einen jungen Mann, der versucht sein Leben auf die Reihe zu bekommen. Er jobbt hier, er jobbt da. Erste Erfolge stellen sich ein – bis er auf einer Party seine Ex-Freundin mit einem anderen Mann sieht. Das wirft ihn wieder aus der Bahn. Es geht ihm schlechter und schlechter. Doch dann hilft ihm eine alte Kindheitsfreundin. Das Kampf aus diesem Tief mithilfe der jungen Frau ist die Auflösung des Films und schlägt den Bogen zum vorgegebenen Motto des Wettbewerbs.

Ilya und sein Schulfreund Oliver Katz führen gemeinsam Regie. Es ist die zweite Zusammenarbeit der beiden. Schon bei der MBS-Abi-Challenge, einem Filmwettbewerb der Mittelbrandenburgischen Sparkasse, hatten sie teilgenommen und das recht erfolgreich. Sie belegten den vierten von 26 Plätzen. Um sie herum hat sich eine eingeschworene Truppe gebildet, die großen Spaß am gemeinsamen Filmemachen zu haben scheint. Sie laufen durch die Wohnung, jeder hat seine Aufgabe. Als nächstes steht die Szene im Bett auf dem Plan. Die Jugendlichen lassen kleine Kalenderblätter auf den Darsteller regnen. Damit wollen sie zeigen, wie die Zeit verstreicht während er immer verlotterter aussieht und sein Tief zelebriert.

Es gab viele Herausforderungen. Allen voran: Die Zeit

Die Idee zum Film haben sie gemeinsam entwickelt. Am Donnerstag bekamen sie das Thema per Mail – ab da lief die Uhr. Konzept des Wettbewerbs „99fire-films“ ist nämlich, dass in 99 Stunden ein 99-sekündiger Film entstehen soll. Mitmachen kann jeder, vom erfahrenen Filmemacher bis zum Tierpfleger, der schlicht Leidenschaft für die Materie hat. Kaum hatten Oliver, Ilya und ihre Freunde, Chris Schlangen, Hannah Goral und Christian Scholz das Thema erfahren, ging es an die Arbeit. Zunächst hieß es: Eine Idee erarbeiten. Als die stand, mussten die Charaktere entwickelt und Drehorte gefunden werden. „Es ist schwierig, die Charaktere den Zuschauern in 99 Sekunden so nahe zu bringen, dass das Publikum mitfühlen kann“, beschreibt Oliver eine der zahlreichen Herausforderungen.

Auch das Thema hatte es in sich. „Es schränkt sehr ein“, sagt Ilya. „Aber das ist auch die Kunst, unter einem bestimmten Thema ein gelungenes Resultat abzuliefern.“ Es sei letztlich alles machbar, wenn man nur die richtigen Leute an Bord habe. Zusammenhalt und produktive Teamarbeit sei bei solchen Projekten schlicht das wichtigste.

Nach der Schule zum Film

Vier der fünf jungen Filmemacher können sich sehr gut vorstellen, nach der Schule beruflich in die Richtung Film zu gehen. Einer von ihnen, Christian, hat sogar schon einen Ausbildungsplatz. Er beginnt im August an der Medienschule eine Ausbildung zum gestaltungstechnischen Assistenten. Ilja möchte sich an der Filmuniversität Babelsberg bewerben und Regie studieren. Ein Ausreißer ist Chris. Er ist der Hauptdarsteller ihres Films. Beruflich kann er sich das aber nicht vorstellen. „Ich mache das tierisch gern und wenn mich jemand für ein Projekt anspricht, bin ich auf jeden Fall dabei“, sagt er. „Aber ich habe keine Lust auf den Zwang und die Unterordnung und Verpflichtungen. Ich mache das einfach, weil ich Spaß dran habe.“ Er studiert in Berlin. Nichts im Filmbereich.

Die Jugendlichen drehen am Sonntag fünf Stunden Material. Daraus und mit dem Gedrehten vom Vortag einen 99-Sekunden-Streifen zu schneiden, vor der Aufgabe steht Ilya am Sonntagnachmittag. Bis Montagmittag, 13 Uhr, hatte er Zeit. Dann musste ihr Film hochgeladen sein. Letztlich hat er bis zwei Uhr morgens geschnitten und sich noch einmal kurz vor Abgabe an die letzten Einstellungen gesetzt. „Man hat ja immer Mängel, ändern können wir nun aber nichts mehr“, sagt Ilja am Montagnachmittag. „Der Film ist abgegeben und wir sind zufrieden mit dem, was wir geschafft haben.“

Von Annika Jensen

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