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„Kleiner Italiener“ arbeitet ohne Krach

Potsdamer Stadtentsorgung „Kleiner Italiener“ arbeitet ohne Krach

Die Stadtentsorgung testet zur Zeit eine elektrische Kehrmaschine, um die Gehwege in Potsdam ohne Lärm zu reinigen. Die Maschine des italienischen Herstellers „Dulevo“ hat einen Lautstärkepegel von 72 Dezibel.

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Die elektrische Kleinkehrmaschine ist mit einem Lärmpegel um die 70 Dezibel deutlich leiser, als konventionelle Dieselfahrzeuge, die um 90 Dezibel liegen.

Quelle: Peter Degener

Potsdam. Die Bürsten der orangen Kehrmaschine drehen sich, das sorgt für ein schleifendes Geräusch auf dem Boden und wirbelt buchstäblich Staub auf. Der Dieselmotor des Gefährts dagegen dröhnt auf dem Betriebshof der Potsdamer Stadtentsorgung Step, als würde ein Lastwagen vorbeirauschen – in Zeitlupe allerdings, denn auf einem Gehweg heißt es „Schritt!“. Rund 90 Dezibel beträgt der Lärmpegel der aus dem Stadtbild bekannten Kleinkehrmaschine. Ein Presslufthammer ist etwas leiser.

Neben der konventionellen Maschine steht an diesem Mittwochvormittag allerdings auch ein grün-weißes Gefährt auf dem Hof, das ganz hell und freundlich daherzukommen scheint und vor allem leise ist.

Die Kehrmaschine des italienischen Herstellers „Dulevo“ arbeitet voll elektrisch und ist gerade zur Serienreife gelangt. Am Mittwoch und Donnerstag wird sie von den Mitarbeitern der Step im Tagesbetrieb in der Innenstadt getestet. Ein erster Effekt: Während „Dulevo“ vor Mitarbeitern und Geschäftsführern erste Hofrunden dreht, verstummen die Gespräche nicht mehr. Der Lautstärkepegel des kleinen Italieners lieg bei rund 72 Dezibel, was nur einem Viertel des Diesellärms entspricht.

Leiser Feger für Potsdams Innenstadt

„Wir beschäftigen uns seit mehreren Jahren mit dem Fahren mit Strom als umweltfreundlichem Antrieb, um möglichst geräuscharm die Stadt sauber zu halten“, erklärt Marco Zielinski, der Leiter des Bereichs Reinigung der Step. Seit einem dreiviertel Jahr waren immer wieder Elektromodelle im Testeinsatz, die aber bisher meist nicht überzeugen konnten. Der „Dulevo“ gilt nun als heißer Kandidat für eine elektrische Ergänzung der Flotte. Im Vergleich zu einigen Testmodellen hat dieses Gefährt „vernünftige Kehrbesen und Saugkraft“ und auch der Preis liegt unterhalb dem der Konkurrenz bei knapp unter 200 000 Euro.

Damit ist so ein leiser Feger trotzdem ein gewisser Luxus. Nur rund 70 000 Euro kostet im Vergleich eine konventionelle Kehrmaschine. Andererseits verbraucht diese an jedem Tag etwa 50 EurMo für den Diesel, der zugleich Motor und Kehrwerk antreibt. „Der Strom für das Duvelo kostet Sie nur sieben Euro“, wirbt Marco Kaumanns vor Geschäftsführern und Mitarbeitern. Er stellt das elektrische Gefährt derzeit Kommunen in ganz Deutschland vor.

Bislang ist der „Dulevo“ nirgends im Einsatz. Im Frühjahr feiert er seine Premiere in Ingolstadt. „Nach vier Jahren hat sich die Anschaffung amortisiert“, sagt er und verspricht mit mindestens zehn Jahren eine deutliche längere Einsatzzeit als bei den Dieselfahrzeugen, die bereits nach sieben Jahren im kommunalen Einsatz durch seien.

Komplette Umrüstung ist noch nicht vorgesehen

Christian Weiß, der Fuhrpark-Manager der Step will genau hinschauen: „Wir werden nach dem Test genau kalkulieren, was das Elektrofahrzeug kostet.“ Zugleich ergründet das kommunale Unternehmen, wie eine entsprechende Lade-Infrastruktur umgesetzt werden könnte. 50 bis 70 Kilometer weit fährt eine Kehrmaschine in einer Schicht.

„Die Batterien müssen reichen, um so ein Tagwerk ohne Ladepausen zu schaffen und zugleich in der Kabine zu heizen oder zu klimatisieren. Es nützt mir nichts, wenn der Fahrer im Winter in der Kabine friert, weil die Ladung sonst nicht für den gesamten Weg reicht“, sagt Reinigungschef Zielinski. Vier kleine und elf größere Kehrmaschinen befinden sich derzeit im Step-Fuhrpark.

„Eine gänzliche Umrüstung der Flotte ist derzeit nicht vorgesehen“, sagt Weiß. Die großen Kehrmaschinen könnten noch nicht durch Elektrofahrzeuge ersetzt werden, da deren Batterien noch nicht die Kapazität für eine volle Schicht hätten. Zielinski gibt auch zu bedenken, dass die vier Diesel-Kehrmaschinen ganz eigene Vorteile bergen.

„Wir können sie mit anderer Technik auch im Winterdienst einsetzen, was mit dem Elektrogefährt nicht möglich ist“, sagt Zielinski. Den Einsatzbereich einer solchen vollelektrischen Maschine sieht er vor allem im Bereich des Hauptbahnhofs und der Innenstadt, wo an vielen Bereichen jeden Tag gereinigt wird. „Dort würden kleine, wendige Maschinen wie diese die Reinigungsarbeit nicht nur umweltschonender machen, sondern zugleich erleichtern.“

Von Peter Degener

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