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Potsdamer Startup feiert mit „goalio“ Erfolge

Junge Unternehmer Potsdamer Startup feiert mit „goalio“ Erfolge

Eine Software zur Verwaltung von Sportvereinen ist keine vollkommen neue Erfindung. Doch was die jungen Unternehmer Philipp Dobrigkeit, Stefan Kleff und Constantin Malycha 2013 mit ihrer Software „goalio“ auf den Markt geworfen haben, ist weit flexibler als andere Systeme. Möglich wurde diese Universalsoftware nur durch schlaue Programmiertricks.

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Bei Sportvereinen wird das neue System immer beliebter.

Quelle: imago

Potsdam. Ist Marcel, den der Trainer für das Regionalspiel am Sonntag aufstellen wollte, schon ordentliches Mitglied des Vereins? Und wie viele Mitglieder hat der Verein derzeit überhaupt? Sind eigentlich schon alle Beiträge für dieses Jahr eingegangen? Und wer kümmert sich übrigens um frische Trikots? Fragen wie diese tauchen in Sportvereinen ständig auf. Trainer planen Spieleraufstellungen, der Geschäftsführer will die Liste zahlender Mitglieder, Sportler wiederum würden sich gern über den Ort des nächsten Trainings informieren.

Das „goalio“-Team David Michel, Constantin Malycha, Philipp Dobrigkeit und Stefan Kleff (v

Das „goalio“-Team David Michel, Constantin Malycha, Philipp Dobrigkeit und Stefan Kleff (v. l.) ist selbst an Sport interessiert und kennt daher die Ansprüche der Vereine.

Quelle: Christel Köster

Den ehemaligen Bachelor- und Master-Studenten am Potsdamer Hasso-Plattner-Institut (HPI), Philipp Dobrigkeit,  beschäftigen solche Fragen schon seit 1993. Damals spielte er als 14-Jähriger Basketball im hessischen Verein VfL Bensheim. Später war er dort Trainer. Oft genug hätte er gerne an seinem Computer einfach per Mausklick alle ihn interessierenden Daten mit einem Schlag abgerufen. Natürlich gab es auch schon zu Dobrigkeits aktiver Zeit als Sportler Software. Aber es waren besondere Anwendungen für ganz besondere Aufgaben.

Die Software-Expertise macht das System so gut

Eine funktionierende „Alles-in-einem“-Software zur Organisation von Sportvereinen gibt es erst seit 2013. Seitdem ist nämlich „goalio“ auf dem Markt. Die Schöpfer: Philipp Dobrigkeit und sein früherer Kommilitone am HPI, Stefan Kleff. Mit Kleff teilt Dobrigkeit nicht nur die Leidenschaft für Sport und Vereinsleben – beide brachten auch die Software-Expertise mit, um ein solch komplexes und technisch bislang einmaliges System überhaupt entwickeln zu können. Inzwischen sind sie mit ihrem erst vor zweieinhalb Jahren auf den Markt gekommenen System so erfolgreich, dass sie neben dem früh eingestiegenen Wirtschaftsingenieur Constantin Malycha noch David Michel als weiteren Vertriebs- und Marketingleiter eingestellt haben. Dieses Jahr wollen sie von ihrem Sitz im Luftschiffhafen aus zumindest in Norddeutschland das Vereinsleben aufmischen. 

Sponsoren als Lizenznehmer

„goalio“ ist eine im Internet abrufbare Vereinssoftware, für die die Gründer zwei Vertriebswege entwickelt haben.

Sportvereine selbst können das Software-System gegen eine monatliche Lizenzgebühr erwerben. Enthalten sind in dieser Gebühr auch Weiterentwicklungen der Software und Serviceangebote für die Lizenznehmer.

Modell B sieht Sponsoren als Lizenznehmer vor. Diese können sich dann entscheiden, welchen Sportvereinen sie die Applikation kostenlos zur Nutzung überlassen wollen.

Einer der ersten Werbekunden , der dieses Modell in Anspruch nahm, war die Sparkasse Bensheim. Sie stellt jetzt dem VfL Bensheim „goalio“ zur Verfügung. Die Firmengründer wollen künftig verstärkt auf dieses Lizenzmodell setzen, weil bei entsprechenden Sponsoren eine überregionale Verbreitung der Vereinssoftware möglich wäre.


Vereinssoftware an sich ist absolut keine neue Erscheinung. „Spielerplus“ wurde zum Beispiel 2014 gegründet. Mit diesem Online-System kann man Spieler eines Teams verwalten und Trainingseinheiten in den Kalender eintragen. Die Gratis-Software „JVerein“ erfasst Mitgliedsdaten und Beiträge und verwaltet Kontobewegungen. „WISO Mein Verein 2016“ ermöglicht sogar statistische Auswertungen über Ausgaben und Einnahmen.bra

Eine zentrale Datenbank für Vereine zu schaffen, bei der jeder Funktionär und jedes Mitglied auf die Dinge zugreifen kann, die für seine Arbeit wichtig sind, war keine leichte Aufgabe. Gemeistert haben Dobrigkeit und Kleff sie erst nach eineinhalb Jahren härtester Programmierarbeit. Und es hätte wohl überhaupt nicht geklappt, hätte sich der Diplom-Informatiker Kleff nicht schon während seines Masterstudiums am HPI auf Systeme spezialisiert, die er mit der Metapher vom Legobaustein umschreibt. 

Das Bauprinzip „Legostein“

  „Technisch geht es darum, nicht einzelne Anwendungsfälle zu programmieren, sondern diese Anwendungsfälle in einer Programmiersprache zu beschreiben“, sagt Kleff. Diese allgemein formulierten Anwendungsfälle entsprechen in etwa einem einzelnen Legobausteinen eines Gesamtprogramms. Viele solcher „Legosteine“ können praktisch beliebig miteinander  kombiniert werden. So schafft das System den Spagat zwischen allen denkbaren Aufgaben des Vereinslebens und den individuellen Anforderungen eines ganz konkreten Vereins.

„goalio“ deckt dank dieses Baukasten-Systems alles ab: Mitgliederlisten, Terminkalender, Aufgabenverteilungen, Spielberichte, Inventur der Sportgeräte, Wettkampfvorbereitungen, aber auch Verwaltungsaufgaben wie das Kassieren von Beiträgen. Das System verknüpft solche Informationen miteinander und stimmt sie aufeinander ab. Das spart Verwaltungsaufwand.

Auch Babelsberg 03 schwört auf „goalio“

Diese Vorteile entdeckten nicht nur die beiden „Testvereine“ des Systems, der VfL Bensheim und der SC Potsdam. „Wir sind inzwischen bei rund 100 Vereinen“, sagt Marketingleiter Malycha. „goalio“ betreue gut ein Drittel aller Sportler in Potsdam, selbst „Babelsberg 03“ schwört bereits auf „goalio“. Dobrigkeit, Kleff, Malycha und Michel nennen sich deshalb die „Hidden Champions“ der Vereinssoftware.

Inzwischen führen die Gründer sogar Verhandlungen mit dem Deutschen Eishockey-Bund und mit „sportspaß“ Hamburg, dem mit rund 73 000 Mitgliedern bundesweit größten Verein für Breitensport. Die vier „goalio“-Leute, die ihre Kredite aus einem Exist-Gründerstipendium und aus eigenen Einsätzen fast schon amortisiert haben, glauben, dass sie dieses Jahr auch noch um einige Mitarbeiter wachsen werden.

Und die Konkurrenz? Schläft nicht, hat aber bisher nichts Vergleichbares auf den Markt gebracht. „Es gibt wahnsinnig viele Anbieter für Einzelfunktionen“, sagt Kleff. Aber die Entwicklung eines Gesamtsystems stecke anderswo noch in den Kinderschuhen. Warum aber kamen andere Unternehmer nicht auch auf diese Idee? Der Markt ist ja wohl da. Vielleicht weil ihnen zwei Dinge fehlten: Die Leidenschaft für Sport der beiden „goalio“-Gründer, kombiniert mit einem in der heutigen Businesswelt selten gewordenen langen Atem beim Programmieren. Der war aber nötig, um einen ziemlich einzigartigen Systemtypus wie „goalio“ ordentlich zum Laufen zu bringen.

Von Rüdiger Braun

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