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Potsdam Potsdamer Studenten zeigen Rentner-Doku
Lokales Potsdam Potsdamer Studenten zeigen Rentner-Doku
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00:17 31.10.2013
Ausschnitt aus dem Film über holländische Rentner. Quelle: Verleih
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Potsdam/Leipzig

„Was hast du, Mädchen?“ Theo lehnt sich raus zu ihr, so weit das geht im Sitzen, hinüber zu seiner Frau Gonny. Er verspricht ihr Schokolade und eine Zigarette. Das beruhigt. Sie jammert nicht mehr, greift nach seinem Kopf, die Rollstühle verkeilen sich für einen Augenblick. Alles ist gut, eine Umarmung, ein Kuss, so wird es schon immer gewesen sein. Theo und Gonny – längst haben beide die 80 überschritten. Kleine Zärtlichkeiten konnten sie sich bewahren, auch wenn Gonny nicht mehr alles mitkriegt, was um sie herum geschieht. Wenn Theo da ist, ist die Welt in Ordnung.

Mehr als zwei Jahre ist es her, dass die Potsdamer Filmstudenten Daniel Abma und Florian Lampersberger diese Szene mit der Kamera dokumentiert haben. Für Theo ist es eine schöne Erinnerung, nun, da Gonny nicht mehr da ist. „Ich vermisse sie jeden Tag“, sagt er am Telefon auf die Neuigkeit, dass der Film endlich fertig ist. Theo und Gonny sind zwei der Protagonisten in „Holanda del sol“, einer Dokumentation über niederländische Senioren, die ihren Lebensabend unter der Sonne der spanischen Costa Blanca verbringen, wo viele ihrer Landsleute in Benidorm leben.

Produziert wurde der 45 Minuten lange Film von der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ (HFF) in Potsdam. Daniel Abma, 35, studiert dort Regie, Florian Lampersberger, 32, hat sein Kamerastudium bereits beendet. Weit gebracht haben sie es schon: Ihr Werk misst sich im nationalen Wettbewerb von Deutschlands wichtigstem Festival für Dokumentar- und Animationsfilme, dem „Dok Leipzig“, das gestern begann und bis 3. November läuft.

„Holanda del sol“ ist das erste gemeinsame Projekt von Abma (Regie, „Nach Wriezen“) und Lampersberger (Regie/Kamera). Benidorm kannte der Niederländer Abma zuvor nur aus dem Fernsehen, wenn es mal wieder eine Reise an die Costa Brava zu gewinnen gab. „Es ist wie mit den Deutschen und Mallorca“, sagt Abma. Neben der Liebe von Theo und Gonny erzählen er und Lampersberger von Mieke, die vor Jahrzehnten eine inzwischen legendäre Strandgymnastikgruppe gegründet hat, und von Nel, die im hohen Alter zur Religion findet. Lenie und Frau Simonis begleiten die HFF-Studenten tagtäglich beim Essen. Ob Zucker im Kaffee sei, fragt Frau Simonis irritiert, die sich abends vergebens nach einem Wein sehnt. Und: „Warum filmen die beiden uns beim Essen?“ Diese Frage hörten Abma und Lampersberger stets aufs Neue. Frau Simonis jedenfalls, diese adrette Frau mit gemachter Frisur und Perlenkette um den Hals, ist vergesslich.

Was den Leipziger Festivalkuratoren imponiert haben muss, ist die Ehrlichkeit, mit der Abma und Lampersberger an ein ungemütliches Thema herangegangen sind. So manche, denen sie während ihrer vierwöchigen Dreharbeiten im März 2011 zwischen Strand und Bettenburg begegneten, sind heute nicht mehr am Leben. Mit dem Alter, das zeigt ihr Film, kann jede Nichtigkeit noch so große Bedeutung erlangen – zumindest dann, wenn man das Geld hat, sich einen Platz in einem niederländischen Altenheim oder ein Winterquartier im Appartement-Hochhaus zu leisten.

Dennoch lag Abma und Lampersberger nie daran, ihre Protagonisten vorzuführen oder über sie zu richten. „Das hat uns beschäftigt“, sagt Lampersberger in Erinnerung an die demente Gonny. Einen Film gerade über so ein sensibles Thema zu drehen, sei ein „unheimliches Geschenk“. In Leipzig wollen die beiden Filmemacher für ihre Ideen und Projekte werben, sich vernetzen, vielleicht einen Verleiher und neue Produzenten gewinnen. Eine Kopie des Films ist schon nach Benidorm unterwegs. Theo freut sich darauf, den Film dort zu zeigen.

Im Wettbewerb des Festivals „Dok Leipzig“ läuft „Holanda del sol“ im CineStar am 30.10., 13.30 Uhr, 1.11., 19 Uhr und in der Schaubühne Lindenfels am 2.11., 14 Uhr.

Von Bastian Pauly

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