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Potsdam Potsdamer Studentenzentrum Kuze ist dicht
Lokales Potsdam Potsdamer Studentenzentrum Kuze ist dicht
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17:50 21.11.2016
Das Kuze besteht seit 2005. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Nördliche Innenstadt

Eine Institution im Potsdamer Nachtleben steht offenbar vor dem selbstgewählten Aus: Das selbstverwaltete Studentische Kulturzentrum Kuze stellt seinen Kneipen- und Veranstaltungsbetrieb bis auf Weiteres ein. Alle Veranstaltungen sind abgesagt. Das veröffentlicht die Einrichtung unter dem Titel „The Worst Case – Das Kuze ist geschlossen!“ aufs einer Homepage und in sozialen Netzwerken. Hintergrund sind offenbar Lärmbeschwerden von Anwohnern und unbelehrbare Gäste.

„Wir sind konfrontiert mit Beschwerden von Anwohnern, einem Publikum, das sich uns gegenüber zunehmend ignorant verhält und unsere ehrenamtliche Arbeit nicht wertschätzt“, schreibt das Kuze-Team. „Das führt dazu, dass wir als Kollektiv immer weniger Spaß haben, das Projekt am Laufen zu halten und das stark an unserer Motivation zerrt“, heißt es weiter. Diesen Mittwoch um 18.30 Uhr soll bei einem öffentlichen Krisentreffen im Kuze-Büro besprochen werden, wie es weitergeht.

Kaffee und Kuchen mit den Nachbarn

Im Netz schlägt die Schließung hohe Wellen. „Euer Engagement kann man nicht genug wertschätzen“, schreibt ein Unterstützer bei Facebook. „Wo gefeiert wird, da ist es laut und wer in solche Gegenden zieht, hat sich damit abzufinden“, schreibt ein anderer. Das Kuze in der Hermann-Elflein-Straße 10, das vor elf Jahren eröffnet wurde, liegt mitten in der Innenstadt. „Wir waren immer um ein gutes Verhältnis zu unseren Anwohnern bemüht“, antwortet das Kuze-Team. „Haben sie zu Kaffee und Kuchen eingeladen und versucht, eine gemeinsame Lösung zu finden. Allen ist klar, dass ein lautloser Kulturbetrieb nicht möglich ist“, heißt es weiter. Offenbar war auch das Ordnungsamt mehrfach eingeschritten, nachdem Nachbarn über Lärm klagten. Gleichzeitig beklagen die Betreiber, dass sich Gäste „ignorant und gleichgültig gegenüber Engagierten und Gästen aufführen und zusehen, wie sich „seit Neuestem Hakenkreuzgeschmiere und chauvinistisches Verhalten unkommentiert breit machen“.

Für die Studentenszene wäre ein dauerhaftes Aus des Kuze ein schwerer Schlag, denn ein vergleichbares, innerstädtisches Angebote für ein junges Publikum sucht man in der Landeshauptstadt vergeblich. Der seit 1999 bestehende Nil-Klub im Kellergewölbe des Neuen Palais wird zwar von Studierenden ebenfalls gut angenommen, liegt aber abseits des Zentrums.

Weil die Universität an den drei Standorten am Neuen Palais, in Golm und in Griebnitzsee über die Stadt verteilt ist, war der Austausch zwischen den Studierenden früher erschwert. Um diesen Missstand zu beheben, entwickelte der Allgemeine Studierendenauschuss (Asta) bereits Ende der 90er ein Konzept für ein studentisches Kulturzentrum in der Innenstadt, das 2005, nach langer Standortsuche, schließlich realisiert wurde. Das Studentenwerk Potsdam, das die Ausstattung des Kuze maßgeblich sponserte, wollte sich am Montag nicht zu der Entwicklung äußern und verweist auf den Trägerverein des Zentrums. Die Aktiven des Kuzes sagen dazu nur, dass es den Konflikt mit Anwohnern schon seit Gründung des Kulturzentrums gebe. „Ich hoffe, die genannten Probleme werden ausgeräumt und das Kuze macht weiter“, sagt Linken-Kreischef Sascha Krämer gegenüber der MAZ. „Potsdam wäre sonst um eine attraktive Location ärmer.“

Institution in der Hermann-Helflein-Straße

Im November 2005 wurde das Studentische Kulturzentrum in der Hermann-Helflein-Straße 10 mit einer Festwoche eröffnet. Es ist in Trägerschaft des Vereins ekze e.V.

Vorangegangen war eine eineinhalb Jahre dauernde Umbauphase des Areals. 2001 hatte der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) auf Vorschlag des damaligen OB Matthias Platzeck (SPD) mit dem privaten Eigentümer der Hermann-Elflein-Straße 10, der VDLB GmbH, verhandelt und gemeinsam mit dem Eigentümer, der Stadt und dem Land ein Konzept für ein Kulturzentrum entwickelt.

Stadt, Land und Eigentümer investierten einen Million Euro in die Sanierung.

Reaktion zum Offenen Brief auf Facebook

Die Anteilnahme und die Hilfsbereitschaft in den sozialen Netzwerken sind groß. „Traurig“…„mega traurig“ lauten erste Reaktionen. Den Kommentar „R.I.P. KuZe!“ eines Facebook-Nutzers will die Community aber so nicht hinnehmen. Es gebe schließlich noch „ein paar Erste Hilfe Maßnahmen“, die man einleiten könne, schreibt ein User.

Die Macher des Casino der Fachhochschule Potsdam sehen das genauso und haben bereits Unterstützung angeboten. Auch das studentische „Pub à la Pub“, das linke Kulturzentrum „Archiv“ oder das Roller-Derby-Team des SV Babelsberg 03 zeigen sich solidarisch. Am kommenden Mittwoch wolle man zu dem angekündigten Treffen kommen, heißt es unisono. Dort soll es dann um die Zukunft des KuZe gehen.

Doch wie konnte es soweit kommen? Für einen User steht fest, dass es Schuld der Anwohner sei. Wer eine „tolle Wohnung in der ‚hippen und lebendigen‘ Innenstadt Potsdams“ gesucht habe, der müsse sich damit abfinden, dass lauter sei. Man müsse eben nicht in solche Gegend ziehen. Ein anderer schreibt, dass es die „‘Neu-Anwohner‘ Potsdams [wieder] geschafft haben, Kultur aus der Stadt zu verdrängen“. Doch die generelle Anwohner-Kritik will nicht so richtig zünden.

Die Schuld für den nun erfolgten Schritt sucht das „KuZe“ nämlich nicht (in erster Linie) bei den Anwohnern. Natürlich seien Beschwerden von Anwohnern gekommen, aber der Brandbrief richtet sich wohl vor allem an ein „Publikum, das sich [den „KuZe-Kräften] gegenüber zunehmend ignorant verhält und [die] ehrenamtliche Arbeit nicht Wert schätzt“. Es sei zudem zu „chauvinistischem Verhalten“ und „Hakenkreuzgeschmiere“ gekommen, schreiben die Verfasser.

Das alles kommt den Machern vom „Pub à la Pub „leider bekannt vor“. Einige Gäste müssten sich an „die berühmte eigene Nase“ fassen. Seitens des „Archivs“ heißt es: „Eine „krasse Entscheidung, aber leider sehr verständlich“.

Die „Kulturlobby“ zeigt sich aufgrund des Briefes nachdenklich und schickt „solidarische Grüße“ über Facebook. „Freiräume sind so wichtig – aber auch so fragil“, mahnen die Kulturschaffenden.

Von Marion Kaufmann

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