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Potsdam Potsdamer Synagoge soll 2016 stehen
Lokales Potsdam Potsdamer Synagoge soll 2016 stehen
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21:58 27.08.2013
Ursprünglich geplanter Baustart war 2011 – heute könnte hier schon die Synagoge stehen. Quelle: Christel Köster
Innenstadt
 

Allerdings bedeutet der Haberland-Konsens nicht automatisch die Einigung über das Aussehen des Baus. Erster Knackpunkt ist die Fassade: Die soll zwar weiterhin modern sein, bekräftigte Gorholt. Der Architekt wird die Planung aber überarbeiten: "Der Charakter des Gebäudes als repräsentativer und erhabener Sakralbau soll besser zur Geltung kommen." In drei nicht-öffentlichen Gesprächsrunden sollen Entwürfe diskutiert werden. Zweiter Knackpunkt ist die Raumverteilung, etwa auf welche Etage der Gebetsraum platziert wird. Gorholts Prophezeiung: "Die Jüdische Gemeinde wird möglichst nah am Haberland-Entwurf bleiben wollen; die Synagogengemeinde wird alles wieder auf den Kopf stellen wollen." Die Debatten zwischen den Gemeinden bezeichnete er unverhohlen als "Machtkampf". Bis Jahresende will das Ministerium mit allen Parteien eine Einigung über Raumstruktur und Fassade erzielt haben.

Keine geeinten Gemeinden

Architekt Jost Haberland über die Synagogengemeinde: „Ich freue mich über jede – konstruktive – Zusammenarbeit.“

Hinter den Kulissen schieden sich gestern bei den Gemeinden wieder die Geister. Jeder präsentierte seine eigene Interpretation. Ud Joffe, Vorsitzender Synagogengemeinde, in einer ersten Reaktion an Kulturstaatssekretär Gorholt: „Insbesondere hoffen wir, dass Sie als Bauherr dem Architekten die nötige Freiheit gönnen, ja ihn zu dieser Freiheit ,beauftragen’, wo man ihm in der Vergangenheit Grenzen setzte.“

Michail Tkach, Vorsitzender Jüdische Gemeinde: „Die Mitteilung von Herrn Joffe lässt uns befürchten, dass alle bisherigen Ergebnisse hinsichtlich der Raumstruktur der künftigen Synagoge erneut zur Disposition gestellt werden. Für uns wäre dies keine Grundlage für weitere Gespräche. Mit einer neuen Umplanung des gesamten Vorhabens wird sich die Jüdische Gemeinde nicht einverstanden erklären.“

Shimon Nebrat, „Gesetzestreue“: „Ich weiß nicht, mit wem Herr Joffe sich geeinigt haben sollte – sicher nicht mit uns und der Jüdischen Gemeinde.“

Neu ist, dass sich das Land komplett aus der Trägerschaft der Synagoge rausziehen will: "Nicht-jüdische Stellen, Einrichtungen und Personen sind in den Gremien des Betreibers nicht vertreten." Man folgt damit einem Vorschlag der "Gesetzestreuen" von Shimon Nebrat. Die Synagoge selbst wird nicht im Besitz des Landes bleiben, sondern in das Eigentum des Trägers übergehen.

Gorholt geht von einem Baustart 2014 aus. Klappt es, könnte Ende 2016 die Synagoge an der Schlossstraße 1 stehen, wo wegen der innerjüdischen Querelen eine Baulücke klafft.

Von Ildiko Röd

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