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Potsdam Potsdamer kämpfen um WM-Titel im Tanzen
Lokales Potsdam Potsdamer kämpfen um WM-Titel im Tanzen
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21:28 16.05.2018
Beim Tanzen zählt im klassischen Tanz mit Elementen des Balletts vor allem die Spannung des Körpers. Quelle: Julian Stähle
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Potsdam

Wenn Colleen Kranig tanzt, dann ist das ein Ausdruck ihrer Gefühle. Sie springt in die Luft, winkelt die Beine an. Ihr ganzer Körper ist angespannt. „Schultern tief, Hals lang, Bauch und Beine fest“, sagt sie. Vier Mal in der Woche fährt sie mit dem Bus von Werder/Havel zum Training nach Potsdam in die „Pirouette Dance Company“ in der Zeppelinstraße. Mal bleibt die Schülerin eine Stunde, mal gleich drei. Tanzt sie im Wettbewerb, gibt es extra Vorbereitungen. „So viel Zeit, wie ich eben brauche“, sagt sie.

Der helle Raum, durch dessen Fenster das Licht nach innen fällt und in dem sie sich auf der riesigen Spiegelfront beim Tanzen beobachtet, ist so etwas wie ein zweites Zuhause für die 12-Jährige. Das Tanzen ist ihre Leidenschaft, ein unentwegtes Gefühl von Freude und Glück. „Ohne das Tanzen könnte ich nicht, wüsste nicht, was ich tun soll“, sagt die Werderanerin, die auch im Schulalltag beste Noten erreicht. Beginnt der Takt der Musik, kann sie nicht still sitzen.

Colleen wärmt sich auf. Quelle: Julian Stähle

Colleen Kranig ist Deutsche Meisterin. 2018 holte sie im Frühjahr gleich zwei Titel: Als Meisterin im Modern Dance mit Diamantauszeichnung, weil sie die beste Punktzahl erreichte, nimmt sie im Sommer an der Europameisterschaft in Österreich teil. Als Meisterin im Jazzdance in der Gruppe fährt sie mit elf weiteren Kindern und ihren Tanzlehrern im Juni zum Dance World Cup, tanzt mit den anderen Mädchen und Jungen um die Weltmeisterschaft vom 22. bis 30. Juni in Sitges bei Barcelona.

Paul und Sophia Nabuda lehren das klassische Tanzen – Ballett, Modern Dance, Jazzdance, Akrobatik-Tanz. Das Ehepaar hat selbst in frühesten Kindertagen begonnen, sich später bei der Trainerausbildung kennen und lieben gelernt. Seit 2014 gibt es die Tanzschule als Verein, dieses Jahr holten ihre Schüler gleich fünf nationale Meistertitel.

150 Kinder bei dem jungen Ehepaar. „Bei uns ist das wie eine große Familie“, sagt der 25-jährige Nabuda. Es ist ihm wichtig, dass die Gruppen angemessen klein sind und sie persönlichen, engen Kontakt zu den Kindern aufbauen. Die Gemeinschaft komme vor dem Einzelnen, die Leistung ist eine in der Gruppe.

Trainingsalltag in der Tanzschule „Pirounette" für die WM im Jazzdance. Quelle: Julian Stähle

Manchmal braucht es Ansporn, um die Leistungen bei den Kindern und Jugendlichen herauszukitzeln. Ein Drill? „Vielleicht, aber die Kinder wissen, wie wir das meinen. Gut meinen, um sie zu dem Lohn zu bringen, den sie verdient haben“, sagt Paul Nabuda. Der 25-Jährige weiß, wie man mit Kindern umgeht, arbeitet hauptberuflich als Erzieher. Spaß und Leidenschaft steckt er in die Tanzschule, leben kann er davon noch nicht. Irgendwann, sagt er, ist das sein Ziel.

Jeder Tanz hat seine eigene Geschichte, sagt Colleen Kranig. Es braucht nicht nur Muskeln und Figuren. Manchmal muss sie auch Schauspielerin sein, um unterschiedliche Stimmungen zum Ausdruck zu bringen. Gibt es noch das klassische Lampenfieber? Es komme ganz auf die Elemente an, die gefordert sind. Gibt es Figuren, die bei aller Schwierigkeit auch einmal nicht klappen können, hat sie einen inneren Druck. Dann gibt es die Momente, „in denen vorher der Bauch kribbelt und man denkt: Ich will nicht.“ Colleen ist Perfektionistin, ärgert sich, wenn etwas nicht klappen will. Aber sie gibt nicht auf, trainiert weiter – „nicht härter, denn es muss immer noch Spaß machen. Das Tanzen ist schließlich ein Hobby.“

Paul Nabuda leitet Kinder wie Colleen Kranig an. Quelle: Julian Stähle

Tanzen kann eigentlich jeder, der die körperlichen Voraussetzungen mitbringt, sagt Trainer Paul Nabuda. Er setzt auf „Learning by doing.“ Neue Schüler werden in die Gruppen der Fortgeschrittenen integriert. Und die, die bereits weiter sind, nehmen die Neuen an die Hand. In der Gruppe gibt man sich Halt, auch bei Wettbewerben wie der anstehenden Weltmeisterschaft.

Doch so eine Reise nach Barcelona ist nicht günstig. Der Verein möchte nicht auswählen, um die Kosten für alle übernehmen zu können. „Die Kinder haben sich den Erfolg gemeinsam ertanzt und sie alle sollen die Möglichkeit haben, den nächsten Schritt zu gehen“, sagt Nabuda. 700 Euro kostet die Reise pro Kind – Unterkunft, Verpflegung, Flüge zur Hauptreisesaison. Das kann der kleine Verein nicht komplett stemmen. Deshalb rühren alle Beteiligten die Werbetrommel, um Spenden zusammen zu bekommen.

Tanzen kann jeder, der die Leidenschaft mitbringt, sagt Paul Nabuda, Quelle: Julian Stähle

„Für die Kinder ist die Fahrt zu einer Weltmeisterschaft ein riesiges Geschenk, weil sie lange darauf hingearbeitet haben.“ Das Zusammensein zählt vor Ort, gemeinsam die Stadt erkunden, an den Strand zu gehen – und die Chance auf den Titel zu haben. Auf einen Gewinn spekuliert der Trainer indes nicht. Er wolle sich die Freude über jede Platzierung über dem Letzten bewahren.

Bis zum Wettbewerb braucht es kontinuierliches Training, manchmal gibt es Hausaufgaben. Dazu brauche es Leidenschaft, so, wie sie Colleen Kranig hat. Drehungen, Radschläge, Pirouetten – das alles sind für sie Feinheiten, ja Grundlagen, die in allen Tanzrichtungen vorkommen.

Die Tanzschule „Pirouette" hat ihr Domizil in der Zeppelinstraße 15, ist jedoch über die Feuerbachstraße erreichbar. Quelle: Julian Stähle

Das klassische Tanzen ist ihre Welt. Möglicherweise auch ein Beruf in der Zukunft? „Hinter der Bühne vielleicht, dann bin ich dabei und begleite andere auf ihren Wegen“, sagt sie. Zuerst einmal möchte sie den WM-Titel mit ihren elf Freunden aus der Tanzschule nach Potsdam holen. Dann springt sie auf dem hellen Grund der „Pirouette Dance Company“ wieder in die Luft, dreht sich um sich selbst, landet fest auf dem Boden und blickt mit einem Lächeln in die Spiegelfront.

Info: Wer die Kinder bei ihrem WM-Abenteuer unterstützen möchte, kann sich bei der Tanzschule unter www.pirouettedancecompany.de informieren. Spendenkonto: IBAN – DE62 1605 0000 1000 8548 48

Von Christin Iffert

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