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Taxifahrer soll Kundinnen gerammt haben

Prozessauftakt am Potsdamer Amtsgericht Taxifahrer soll Kundinnen gerammt haben

Eine durchtanzte Nacht endete für die Schwestern Steffi und Jasmine L. aus Potsdam mit blauen Flecken. Der Taxifahrer, der sie nach Hause gebracht hat, steht nun vor Gericht. Er soll die beiden angefahren haben. Zunächst habe er Steffi L. am Knie touchiert. Als Jasmine L. Beweisfotos machte, habe er direkt auf sie zugehalten.

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Vor dem Amtsgericht im Justizzentrum Potsdam muss sich ein 66-jähriger Taxifahrer wegen Körperverletzung verantworten.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Zwei bezechte Schwestern und ein Taxifahrer, der die eine Frau versehentlich, die andere mutwillig angekarrt haben soll – das Ende einer undurchsichtigen Nacht wird seit Dienstag am Potsdamer Amtsgericht verhandelt.

Angeklagt ist Bernd G. aus Potsdam. Der 66-Jährige muss sich unter anderem wegen fahrlässiger und wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Er soll am frühen Morgen des 22. März 2015 im Caputher Heuweg beim Wenden zunächst Steffi L. (41) am rechtem Bein unachtsam angefahren und dann frontal auf ihre Schwester zugehalten haben. So habe er verhindern wollen, dass Jasmine L. (32) das Nummernschild des Taxis mit dem Handy fotografiert. Beide Frauen erlitten laut ärztlichen Attests diverse blaue Flecken und Prellungen.

Der Beschuldigte, der die beiden Schwestern vom Hauptbahnhof in die Waldstadt chauffiert hatte, streitet alle Vorwürfe ab. Einen Anstoß habe es weder versehentlich noch beabsichtigt gegeben. Er habe von den Anschuldigungen ja überhaupt erst zwei, drei Tage später von seinem Chef erfahren, sagt G. Nach einer Woche lag das Schreiben der Polizei im Briefkasten.

Bernd G. hat seine Brille ins weiße, kurze Haar geschoben. An den Richtertisch tritt er in klassischer Vortragshaltung: Er hat die linke Hand in die Hosentasche gesteckt, mit der rechten gestikuliert er sparsam, aber pointiert. So zeichnet er auf ein Blatt Papier, wer wo wann gestanden hat. So beantwortet er die Fragen des Staatsanwalts. So geht er zurück zu seinem Platz auf der Anklagebank.

Sein Leben lang, erzählt G., habe er als Fotograf gearbeitet. Nun fahre er seit fünf Jahren Taxi, um die Rente aufzubessern. „Ich fahre nur nachts. Da läuft die beste Musik im Radio.“ Die Musik! Die habe einer der Damen gar nicht gefallen. „Ich höre Jazz“, sagt G. „Jazz beruhigt mich.“ Von Ruhe aber war er in jener Nacht meilenweit entfernt. Die Schwestern seien zum Taxi mehr getorkelt als gelaufen. „Die eine hatte die andere unterm Arm – sie hat nur noch in den Seilen gehangen.“ Eine der beiden – die Erzieherin Jasmin L. – sei „sehr aufgekratzt“ gewesen. Sie habe ihn auf der Fahrt ausgefragt (vor allem über das Auto, ein Skoda Superb) und Witze erzählt. „Die hat mich ganz schön in Beschlag genommen. Ansonsten war’s der ganz normale Taxialltag.“

Gegen 3.55 Uhr ist die Fuhre am Ziel. Zunächst steigt Steffi L. aus – torkelnd. Jasmine L. bleibt noch sitzen und gibt den letzten Witz zum Besten. Bis dahin decken sich die Aussagen.

In Bernd G.s Version, der Version ohne weitere Vorkommnisse, verschwindet Steffi L. dann. Weil sie Geld auf dem Rücksitz verloren habe, sei er ausgestiegen, um es einzusammeln und der Schwester zu geben. Diese habe ihn aber davon abgehalten und das allein erledigt. „Als ich wieder eingestiegen bin, ist sie ausgestiegen“, so G. Dann sei er gefahren. Es habe entgegen der Anklage kein Wendemanöver gegeben. „Ich musste auch nicht rückwärts fahren. Ich bin eingestiegen und los.“

In der Version der Schwestern gibt es kein verlorenes Geld. Steffi L. sei auch nicht verschwunden. Das Handy in der Hand und eine Nachricht tippend, sei sie auf der Fahrerseite am Taxi vorbeigegangen – G. erwischte sie beim Losfahren an der rechten Wade. Einen Fehltritt ihrerseits oder dass sie gegen das Taxi taumelte, schließt Steffi L. aus: „Nach dem Anstoß machte er die Tür auf und tat die Sache mit einem ,Ich hab dich nicht gesehen’ ab. – Da begann schon ein Wortgefecht mit meiner Schwester.“ Als die ankündigt, die Polizei zu rufen und sich „ein, zwei Meter vor dem Auto“ postiert, um ein Foto zu schießen, sei es passiert: „Er gab Gas.“ Ein Foto vom Kennzeichen gibt es übrigens nicht. „Ich hab nur den Bordstein erwischt“, so Jasmine L. „Aber zumindest wissen wir die genaue Zeit.“

Für Verteidigerin Marlen Block blieben etliche Fragen offen. Wie viel Promille hatten die Frauen in jener Nacht? Wie glaubwürdig sind sie? Wie glaubwürdig sind die Attests – ist doch der Arzt, der die Schwestern untersucht hat, Steffi L.s Arbeitgeber. Er und die damals zuständigen Polizisten werden noch angehört. Die Verhandlung wird am 25. Januar fortgesetzt.

Von Nadine Fabian

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