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Potsdamer Uni-Gelände mit wechselvoller Geschichte

Bildband über Campus Griebnitzsee Potsdamer Uni-Gelände mit wechselvoller Geschichte

Die Juristische und die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Potsdam beleuchten in einen aktuellen Bildband die Geschichte des Campus Griebnitzsee – und damit auch ein Stück deutscher Geschichte.

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Das einstige DRK-Hauptgebäude.

Quelle: DRK

Babelsberg. Als Markus Wicke 1991 als neuer Student der gerade gegründeten Universität Potsdam den Campus Griebnitzsee betrat, wusste er mit dem länglichen Hauptgebäude nicht viel anzufangen. Dass das Haus mit seiner strengen Front und den rechteckigen Säulen ursprünglich etwas mit dem Nationalsozialismus zu tun hatte, ließ seine Erscheinung ahnen. Den wirklichen Zweck kannten auch Kommilitonen nicht. „Irgendetwas mit dem Roten Kreuz“, hieß es.

Heute, nach mehreren Jahren Politik- und Soziologiestudium, Recherchen im Bundesarchiv und nach vielen Jahren im Vorstand des Fördervereins des Potsdam-Museum kann Wicke auf seinen Führungen über den Campus nicht nur berichten, wie ausgerechnet ein SS-Oberführer zum Vize-Präsidenten des Deutschen Roten Kreuzes wurde, sondern auch wie jener Ernst-Robert Grawitz im 1943 fertig gestellten Verwaltungsgebäude des DRK-Präsidiums in Babelsberg zum Schreibtischtäter par excellence wurde. Mit seiner Erlaubnis, KZ-Häftlinge mit Hepatitis-Viren zu infizieren, pervertierte er das humanistische Ideal des DRK.

Wicke ist einer der Anreger und Autoren des jetzt erschienen Bandes „Der Universitätscampus Griebnitzsee“. Die beiden herausgebenden Fakultäten, die Juristische und die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche, die am Griebnitzsee ihren Sitz haben, holen einen winzigen, aber höchst repräsentativen Flecken Deutschlands aus der Vergessenheit und liefern vor allem durch eine hervorragende Bildarbeit eine frappierende Zusammenfassung von 120 Jahren deutscher Geschichte. Einen „wunderbaren Baustein“ in der Aufarbeitung der Geschichte der Universität nennt Unipräsident Oliver Günther die mit „Standortgeschichte“ untertitelte Dokumentation. Gerade noch rechtzeitig am Ende des Jubiläumsjahres 2016 erscheint die 81 Seiten umfassende Broschüre, die erneut ein Schlaglicht auf die bislang oft verschwiegene Vorgeschichte von Brandenburgs größter Hochschule wirft.

Fünf politische Systeme umfasst das Büchlein. Schon vor dem bekannten Hauptgebäude gab es 1896 in Neubabelsberg ein Depot für Lazarett-Baracken. Das Hauptgebäude selbst wurde später von sowjetischen Truppen genutzt, dann war es Sitz der Akademie für Staat und Recht der DDR, jetzt gehört es zur Juristischen Fakultät.

Im Buch sagen Bilder mehr als Worte. In einer Aufnahme aus dem Jahr 1943 parken schwarze VW-Käfer unter Nazi-Fahnen am Haupteingang. Später feiern auf dem Gebäude große Lettern die „Lehren von Marx, Engels und Lenin“. Inzwischen erstrahlt das Hasso-Plattner-Institut in aller Pracht auf dem Campus. Damit ist der Gipfel der Wendungen erreicht. Der Rechtshistoriker Stefan Saar machte sich in seiner Ansprache über das dreifach auf dem Campus residierende Rotkäppchen als „Attitude“ von Kunst am Bau lustig. Ob diese zwischen Kitsch und Kunst pendelnde Skulptur nicht doch der beste Ausdruck für diesen denkwürdigen Ort ist, dazu liefert das Buch selbst genügend Stoff zur Diskussion.

 

Demnächst zu bestellen beim Universitätsverlag Potsdam unter:

https://publishup.uni-potsdam.de/

Von Rüdiger Braun

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