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Potsdamer Voltaire-Schüler protestieren

Schulmensa marode und zu klein Potsdamer Voltaire-Schüler protestieren

Rund eine halbe Stunde müssen Schüler der Voltaire-Gesamtschule auf die Essensausgabe warten - um sich dann der nächsten Herausforderung, der Suche nach einem geeigneten Sitzplatz in der überfüllten Kantine, zu widmen. Nun haben sie es satt - und gehen aus Protest in die Rathaus-Kantine.

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Die Voltaire-Gesamtschule in der Potsdamer Lindenstraße.

Quelle: Beatrice Pieper

Potsdam. Die Schüler der Voltaire-Gesamtschule sind pappsatt. „Von der Stadt werden wir immer nur vertröstet“, sagt Vanessa Brüchert. „Deshalb planen wir jetzt eine Demonstration.“ Seit Jahren schon setzen sich die Schülersprecherin und ihre Mitschüler, die Eltern und Lehrer dafür ein, dass die viel zu kleine und heruntergekommene Mensa saniert oder am besten von Grund auf neu gebaut wird. „Das ist kein Zustand, in dem wir hier sitzen gelassen werden“, sagt Vanessa Brüchert. „Das ist von der Stadt unverantwortlich.“ Statt in den Hungerstreik gehen die Jugendlichen jetzt zum Protestessen in die Rathauskantine. In den nächsten Tagen wollen sie dort aufkreuzen – und das nicht nur einmal, verspricht die 18-Jährige. „Vielleicht können wir uns so ins Gespräch bringen.“

Dichtes Gedränge in der Mittagspause
Wer es wagt, um Punkt 12 Uhr mittags den Kopf in die Voltaire-Mensa zu stecken, entdeckt auf einen Blick viele Probleme: Löcher in der Decke, herausgefallene Deckenplatten, Mief. Vor allem aber fällt die unerträgliche Enge auf. Die Ersten, die einen Platz ergattern konnten, sitzen Po an Po, Ellbogen an Ellbogen. Weil der Speiseraum und die integrierte Essenausgabe aber viel zu klein sind, warten Dutzende andere in einer langen Schlange zunächst auf ihre Portion, dann auf einen Sitzplatz.

„Da ist locker eine halbe Stunde rum, bis man sich überhaupt erst zwischen die anderen quetschen und mit dem Essen beginnen kann“, sagt Vize-Schülersprecher Moritz Rütenik (18). „Ich gehe seit anderthalb Jahren nicht mehr in die Mensa – das ist mir zu stressig.“ Lieber bringt er sich von zu Hause mehr Stullen mit und isst auf einem der Flure im Schulhaus. „Das ist auch nicht viel entspannter, aber immer noch um Längen besser.“ Die meisten älteren Schüler gehen in die Stadt und versorgen sich dort. „Das ist natürlich viel teurer“, sagt Vanessa Brüchert. „Um es ganz deutlich zu sagen: Unser Schulessen ist nicht schlecht. Viel mehr würden es gern in Anspruch nehmen. Wenn nur das Umfeld stimmen würde.“

Stadt lehnt Architektenentwurf ab
Wie das aussehen könnte, hat der Architekt Rolf Jaster zu Papier gebracht. Sein Sohn hat die Voltaire-Schule zwar schon verlassen, aber als ein mit der Mensa-Not bestens vertrauter Ex-Elternvertreter engagiert sich Jaster weiter für die Sache. Sein Entwurf bietet drei Dinge auf einmal, die man im Hause Voltaire dringend verbessert haben möchte und die laut seiner Planung für insgesamt acht Millionen Euro zu haben sind: eine große Turnhalle (die auch die Max-Dortu-Grundschule und Vereine nutzen könnten), eine große Mensa und obendrauf im zweiten Stock eine große Aula.

„Die Aula wird von der Stadt mit Verweis darauf, dass die Schule so etwas nicht braucht, abgelehnt“, sagt Jaster. Er meint indes, dass die Schule sehr wohl eine große Aula braucht: für Regenpausen und Freistunden, für Versammlungen, Theater- und Konzertaufführungen – und fürs Abitur. Wo das im kommenden Frühjahr geschrieben wird, steht nämlich noch in den Sternen, sagt Schulleiterin Karen Pölk. 140 Abiturienten – durch die Leistungs- und Begabtenklassen etwa 50 mehr als in den vergangenen Jahrgängen – müssen mit einem einzelnen Tisch versorgt sein. „Keine Ahnung, wie wir das schaffen sollen.

Die größten Probleme

  • Die Mensa ist dem Schüleransturm nicht gewachsen. Zwar sind die Schüler angehalten, in drei Schichten zu essen, dennoch reicht die Warteschlange oft bis auf den Schulhof; die Wartezeit auf einen Sitzplatz beträgt mitunter 30 Minuten. Von den mehr als 900 Voltaire-Schülern nutzen etwa 500 die Schulspeisung – laut Schulleiterin Karen Pölk wären es bei besseren Bedingungen 750. Generell ist die Mensa in so schlechtem Zustand, dass es laut Karen Pölk schwer war, einen Caterer zu finden: „Einige Anbieter sagten allein wegen der Mensa ab.“ 
  • Die Aula ist zu klein, ist marode und verfügt über keinerlei Brandschutz. Weil sie direkt an die Mensa anschließt, weichen viele Schüler dorthin mit ihrem Essen aus. Allerdings findet dort auch Unterricht statt. Die Aula kann nicht gelüftet werden: Die Knäufe an den unteren Fenstern wurden abgebaut; die oberen Fenster sind nur durch ein waghalsiges Klettermanöver zu erreichen. Zudem ist die Akustik schlecht, die Raumtemperatur lässt sich nicht regulieren. 
  • Die Turnhalle ist ebenfalls zu klein. Um den Sportunterricht absichern zu können, haben einige Klassen bereits in der nullten Stunde um 7.30 Uhr Sport, andere in der letzten bis 17 Uhr. Bei einigen Schülern kommt es vor, dass sie um 7.30 Uhr beginnen und erst um 17 Uhr Schulschluss haben.

Von Nadine Fabian

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