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Potsdam Potsdamer beherbergen Schüler aus aller Welt
Lokales Potsdam Potsdamer beherbergen Schüler aus aller Welt
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17:27 19.06.2017
Sonja aus Chile (l.) und Martin aus der Slowakei (r.) fühlen sich bei ihrer Potsdamer Gastmutter Birgit Raatzke wohl. Quelle: Marcel Kirf
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Potsdam

Eigentlich wollte Sonja Soto in die USA. Drei Wunschländer durfte die heute 17-jährige Schülerin aus Chile angeben, als sie sich für die Teilnahme am Jugendaustausch von Rotary International bewarb. Die Vereinigten Staaten standen ganz oben auf ihrer Liste, gefolgt von Australien und Neuseeland. Dort konnte sie sich am ehesten vorstellen, für knapp ein Jahr zu leben und zu lernen. Getrennt von der Familie, auf sich alleine gestellt, mit einer anderen Sprache und Kultur konfrontiert. Deutschland hatte sie nicht auf dem Zettel.

Positives Resümee nach elf Monaten: „Ich mag es hier“

Nach rund elf Monaten in Potsdam aber zieht sie ein positives Resümee. „Es ist eine schöne Stadt“, sagt sie. „Ich mag es hier. Die Leute sind nett. Und ich mag die deutsche Kultur.“ Von der wusste sie nicht viel, als sie aufbrach. Fußball, Autos, Bier – das hatte sie in ihrer Heimatstadt Rancagua, rund 90 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago de Chile gelegen, über das fast 13.000 Kilometer entfernte Land gehört. „Außerdem haben wir in der Schule natürlich viel europäische Geschichte behandelt“, erinnert sie sich. Die Sprache indes hatte sie nicht gelernt. So wurde die Kommunikation zur größten Herausforderung für die junge Frau. In der ersten Gastfamilie – es gehört zum Prinzip des Rotarier-Austausches, dass die Besucher bei bis zu drei Familien hintereinander leben, um unterschiedliche Lebenswelten kennenlernen zu können – unterhielt sie sich ausschließlich auf Englisch. Dann ging die Schule los. Sonja kam in eine 11. Klasse am Humboldtgymnasium. Abends büffelte sie die Sprache, besuchte einmal die Woche einen Deutschkurs. Inzwischen kann sie sich auch in der so schwer zu erlernenden Fremdsprache gut verständigen.

Da hatte es Martin Podhorsky leichter. Deutschland war die Wunschdestination des Slowaken, Deutsch hatte er bereits in der Schule gelernt und sein älterer Bruder war auch bereits für ein Austauschjahr in der Region gewesen. In der Slowakei richtet sich der Blick zudem eher gen Mitteleuropa als in Chile. Martin, der 18 Jahre alt war, als er eintraf, kannte deutsche Politiker, Sportler und Produkte. „Und Rammstein“, ergänzt er grinsend. Die Berliner Rockband ist auch in seinem Heimatland sehr erfolgreich. In der Slowakei wäre Martin, der aus der Industriestadt Žilina im Dreiländereck mit Tschechien und Polen stammt, in die 13. Klasse gekommen, um anschließend Abitur zu machen. In Deutschland musste er noch einmal die 11. Klasse besuchen, am Potsdamer Leibniz-Gymnasium. Manches war in der Slowakei nicht behandelt worden, vieles aber kannte er bereits. So nahm er sogar an Prüfungen teil. Das tun die Austauschschüler in der Regel nicht. Das Auslandsjahr kann unter gewissen Umständen anerkannt werden, normalerweise steigen die Schüler zuhause aber wieder da ein, wo sie vor dem Weggang aufgehört haben. Freundschaften hat Martin dennoch eher außerhalb der Schule geschlossen, über den Sport. „Im SV Motor Babelsberg habe ich eine Heimat gefunden“, sagt der aktive Judoka. Zwei- bis dreimal die Woche geht er hier seinen Kampfsport trainieren. Und auch für Sonja, der es durch die Sprachbarriere schwer fiel, Mitschüler näher kennenzulernen, war Sport ein Ausweg. Beim SC Potsdam spielt sie Volleyball in einer Freizeitgruppe.

Neue Freunde im Sportverein

Die Anmeldung in den Vereinen verdanken beide ihrer Potsdamer Gastmutter Birgit Raatzke. Deren 17-jährige Tochter Alina verbringt gerade ihr Rotary-Austauschjahr in Argentinien. Die Sekretärin und ihr Mann beherbergen im Gegenzug andere Gastschüler in ihrer Wohnung am Stern. Ein Jugendlicher aus Indien ist bereits abgereist, Martin aus der Slowakei wohnte bis vor kurzem hier und für Sonja aus Chile sind die Raatzkes bereits die dritte Station, bevor es im Juli wieder nach Hause geht. „Ich versuche die Gastschüler wie meine eigene Tochter zu behandeln“, sagt Birgit Raatzke. Es gelten dieselben Regeln, aber sie bietet ihnen auch dieselbe Zuwendung und Förderung an. „Auch für uns ist das eine der größten Erfahrungen unseres Lebens“, bilanziert sie. „Man lernt viel, führt ständig interessante Gespräche und steht denselben Herausforderungen gegenüber wie mit dem eigenen Kind.“

Rotary Youth Exchange – Weltweiter Schüleraustausch

Rotary International ist eine weltweite Vereinigung berufstätiger Frauen und Männer. Die Organisation hat sich zum Ziel gesetzt, die Gemeinschaft zu fördern und zu einer weltweiten Verständigung beizutragen.

Rund 1,2 Millionen Mitglieder in 116 Ländern organisieren Hilfs- und Förderprojekte. Am bekanntesten ist die Kampagne gegen Kinderlähmung „End Polio Now“.

Seit den 1960er-Jahren ist ein globaler Schüleraustausch offizieller Bestandteil des Rotary-Programms. Bis zu 10 000 Jugendliche nehmen jährlich an den weltweiten Austauschprogrammen teil. Die Schüler sind in der Regel knapp ein Jahr im Ausland, erhalten dort Sprachunterricht und kommen bei Gastfamilien unter.

Bewerben können sich alle Eltern mit schulpflichtigen Kindern unter 18 Jahren.

Von Marcel Kirf

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