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Potsdam Im britischen Klassiker unterwegs
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17:16 21.08.2015
Jürgen Kreutz mit seinem feuerroten Austin 7- natürlich mit Potsdamer Kennzeichen Quelle: Rainer Schüler
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Teltower Vorstadt

Im Jahr 2000 hat Jürgen Kreutz sich einen Oldtimer gekauft, für 2000 D-Mark, ein Schrotthaufen auf Rädern. Von der einstigen Pracht des Austin 7 von 1938 war nichts mehr übrig. Aus England war der Wagen in die Schweiz gelangt und weiter nach Berlin und schließlich nach Götz bei Brandenburg. Manches Karosserieteil fehlte dem verlodderten Gefährt, als Kreutz es von einem Bastler bekam: Der obere Teil der Motorhaube etwa war verschwunden; die Frontscheibe und die Scheibenhalterungen waren weg. Das Stoffverdeck war völlig hin. Polster und Sitze lagen extra herum in einer offenen Scheune, in der der einst so schmucke Wagen zehn Jahre vor sich hin gerostet war. Der Austin fuhr nicht mehr; Kreutz musste ihn aus der Scheune ziehen. Im Tageslicht sah alles noch viel schlimmer aus.

Viel war nicht mehr übrig vom britischen Kleinwagen. Doch der Tüftler aus der Teltower Vorstadt ließ sich davon nicht abschrecken. Quelle: Rainer Schüler

Den gelernten Dreher und Automechaniker indes schreckte das alles nicht. Er weiß ja, wie man Rost mit Sand wegstrahlt, wie man Bleche grundiert, ausbeult, spachtelt, neu lackiert. Ersatzteile, die es damals noch genügend gab in England - heute wird das eng beim Motor und den Achsen - besorgte ihm der Vorbesitzer. Kreutz zerlegte den robusten Motor, säuberte ihn, baute alles wieder zusammen; es sieht werksneu aus. „Die Antriebstechnik ist ja selbst erklärend“ sagt Kreutz: simpel und beinahe unverwüstlich. In einer Werkstatt in Rehbrücke bekam er fast alles alleine wieder hin. Das Cabrioverdeck und die Sitzpolster musste allerdings ein Sattler machen, in Handarbeit, versteht sich.

Auch zur Bauzeit war vieles in der Austin-Fabrik noch Handarbeit. So waren die Karosseriebleche zwar vorgefertigt, wurden dann aber auf den Holzrahmen genagelt. Man zog sogar die Bleche um die Rahmenlatten herum und vernagelte sie innen, wo man sie mit Leder und Kunstleder verkleiden konnte. Heute muss man solche Bleche durch Dengeln auf einem Holzmodell neu in Form hämmern.

Der „Picknickkorb“ darf nicht fehlen. Gute Fahrt! Quelle: Rainer Schüler

Knapp 9000 Euro hat Kreutz über die Jahre in den Wagen investiert; allein für die Lackierung gingen 2000 drauf. Gelb und grün war der Austin mal lackiert; das ging für Jürgen Kreutz gar nicht: „Eine schreckliche Farbe!“ Der Austin wurde knallrot und macht in dieser Farbe eine wirklich prachtvolle Figur. Rot ist er nicht originalgetreu, aber 95 Prozent von ihm sind es. So funktionieren die seitlichen Winker zum Abbiegen wie am ersten Tag; sie leuchten sogar im Dunkeln, und wenn der Fahrer wieder gerade lenkt, klappen sie gehorsam wieder ein, Richtige Blinklichter gibt es aber auch, „besser fürs Gesehenwerden“, sagt Kreutz, „und heutzutage unverzichtbar.“

Einiges an der Originalausrüstung ist zudem auch originell. So kann man die Seitenscheiben aus den Steckverbindungen der Türen ziehen und in einem Fach in den Türen verstauen, abgedeckt mit einer Klappe. Auf dem Kotflügel gibt es ein Park- und Standlicht. Ein Kofferraum existiert innen nicht, sondern besteht als einklappbares Rost nur außen am Heck. Platz ist dort tatsächlich nur für einen Koffer; mit Gurten wird er festgeschnallt. Wenig Platz auch für den Beifahrer.

Zur Geschichte des Austin

Die Austin Motor Company wurde 1905 in Birmingham von Herbert Austin gegründet, der zuvor Manager der Wolseley Tool and Motor Car Company gewesen war.

In den 1920er Jahren produzierte die Firma den Austin 7, ein günstiges, kleines und einfaches Auto und eines der ersten Autos, die für den Massenmarkt konzipiert waren.

Der Austin Seven wurde ab 1927 auch in Deutschland unter Lizenz gefertigt, zunächst als Dixi A1 bei der Fahrzeugfabrik Eisenach, dann, als diese Firma 1929 von BMW übernommen worden war, als BMW Dixi.

Ab den 1970er Jahren litt das Image von Austin erheblich unter der schlechten Produktionsqualität im Dachkonzern British Leyland. Besonders stark davon betroffen war der Austin Allegro. Der letzte Austin wurde 1989 gebaut.

Austin 7 war der Name zweier Kleinwagenmodelle der britischen Austin Motor Company, die von 1909 bis 1911 und von 1922 bis 1939 hergestellt wurden. Das in den 1920er- und 1930er-Jahren gefertigte Modell war einer der populärsten Personenkraftwagen seiner Zeit und wurde „britisches Modell T“ genannt.

Die Bremsen werden über einen Seilzug gesteuert, der offen unter dem Wagen verläuft. Blattfedern dämpfen das katastrophale Großkopfsteinpflaster der Kolonie Daheim, wo Kreutz daheim ist und wo der Austin in einer Garage steht, bis Kreutz ihn heraus holt zu Ausfahrten und Feierlichkeiten, frisch geputzt und poliert natürlich. Sogar seine Frau lässt er den Wagen fahren; immerhin toleriert sie das Hobby ihres Mannes. Es ist ja irgendwie auch ein Frauenauto, denn mehr als 70 schafft er nicht. Gemütlichkeit ist angesagt und gutes Wetter, wenn es auf Tour geht. Und weil Kreutz zwar gerne Oldtimer fährt und trotzdem auch mal schnell sein will, denkt er über einen zweiten alten Wagen nach. Der gelernte Dreher aus dem früheren Reichsbahnausbesserungswerk ist ja auch Kfz-Mechaniker. Nach dem Schrott-Austin schreckt ihn kein Auto mehr.

Hier geht es zur MAZ-Oldtimer-Serie, in der bereits Herbert Schmidt (82) aus Bergholz-Rehbrücke mit seinem privaten Museum vorgestellt wurde und die Zweitauflage der Oltdimer-Rallye „24 Tour du Pont“ durch Potsdam.

Von Rainer Schüler

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