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Potsdam Dietmar Meyer hat mehr als 1600 Autogrammkarten
Lokales Potsdam Dietmar Meyer hat mehr als 1600 Autogrammkarten
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00:22 24.01.2019
Autogrammjäger Dietmar Meyer mit den Unterschriften von Musiker Elton John und Rennfahrer Michael Schumacher. Quelle: Bernd Gartenschläger
Bornstedt

Hätte er nur ein bisschen mehr Geduld gehabt. Bei dem alten Weingut in Vevey am Genfer See klopfte Dietmar Meyer damals bei Charlie Chaplin an die Tür. Der Komiker hatte sich hier in einem Herrenhaus 1952 niedergelassen. Eine deutsch-französische Köchin öffnete ihm etwas wirsch die Tür. Charlie mache gerade einen Mittagsschlaf, sagte sie.

Beinahe drei Stunden harrte Dietmar Meyer draußen aus, um das ersehnte Autogramm zu bekommen – bis er schließlich aufgab. „Das ärgert mich bis heute“, erzählt Dietmar Meyer. „Ich habe damals noch keine Geduld gehabt.“ Jedes Mal, wenn er heute am Babelsberger Thalia Kino vorbeiläuft und ihn Charlie Chaplin von den Plakaten anlächelt, denkt er an jenen Tag im Jahr 1975 in der Schweiz. Denn zwei Jahre später schlief der weltbekannte Komiker im Alter von 88 Jahren für immer ein.

Seit 50 Jahren sammelt der Potsdamer Autogramme von Promis

Der 67-jährige Meyer ist ein echter Autogrammjäger. Seit 50 Jahren geht er auf die Pirsch und sammelt die Unterschriften von Schauspielern, Sportlern, Politikern und anderen Berühmtheiten. Früher arbeitete er als Rechtspfleger; vor zwei Jahren, als er in den Ruhestand ging, verkaufte er sein Haus im niedersächsischen Westerstede und zog mit seiner Frau nach Bornstedt. Weil er die Gegend hier so schön findet – und weil er hier auch näher an Berlin wohnt. Dort, wo die prominente Hautevolee ein- und ausgeht. Sogar den Dalai Lama hat er bei einem Besuch in Berlin schon getroffen.

Stundenlang wartet er so manches Mal an Balustraden, Eingängen oder Hintertüren. „So was Verrücktes“, sagt er lachend, „wer steht sich mit 67 Jahren schon für Autogramme die Beine in den Bauch?“

Filmdreh mit Jo Herbst inspirierte zum ersten Autogramm

Dabei begann alles mit einem Zufall. Anfang der 60er Jahre besuchte er als Kind Verwandte in Berlin. Bei einem Spaziergang entlang der Gedächtniskirche beobachtete er irgendwann einen Filmdreh und entdeckte dabei die Schauspieler Jo Herbst (1928-1980) und Achim Strietzel (1926-1989). Beide gehörten einst zum Berliner Kabarett „Die Stachelschweine“. Spontan kramte er Zettel und Stift aus der Tasche und bat um eine Unterschrift. „Seitdem hat es mich nicht mehr losgelassen. Ich habe an den Litfaßsäulen studiert, wo was los ist“, erzählt er. An Theaterausgängen postierte er sich dann, um die Schauspieler abzupassen.

Große Sammlung (obere Reihe, v.l.): Schauspieler Hans-Jürgen Bäumler, Mediziner Christiaan Barnard, Fußballer Fritz Walter und Boxer Max Schmeling. Darunter Eiskunstläuferin Marika Kilius, Pianist Lang Lang und der Dalai Lama.. Quelle: Bernd Gartenschläger

Inzwischen kennen ihn die meisten Pförtner persönlich. Das ist hilfreich und hat ihm schon dabei geholfen, die ein oder andere Autogrammkarte zu ergattern. Über 1660 Karten – darunter auch Elton John und Michael Schumacher – hat er inzwischen beisammen.

Jede einzelne erzählt eine Geschichte: In Bremerhaven wankte in den 1980er Jahren ein „sturzbetrunkener“ Johnny Cash (1932-2003) aus seinem Tourbus. Und als Bundespräsident Gustav Heinemann (1899-1976) seinen Antrittsbesuch in Berlin-Schöneberg machte, stand er an der Balustrade. Seine Verwandten sahen ihn später im Fernsehen. Nichtsahnend, dass man ihn dort für einen Ost-Agenten hielt und seinen Kugelschreiber auf Herz und Nieren untersuchte, ehe er das Autogramm erhielt.

In besten Zeiten 100 Autogramme in einer Woche gesammelt

Zu Höchstzeiten in den 1970er und 80er Jahren sammelte er 100 Autogramme pro Woche. Tagelang verbrachte er mit einer Dauerkarte in den Berliner Funkausstellungen. Komponist James Last (1929-2015) hat ihn sogar mal auf einen Drink eingeladen. „Ja, früher waren die Stars nahbarer“, sagt er. In seiner Sammlung finden sich viele internationale Größen wie US-Schauspieler Kevin Costner oder Elton John.

Gerade der britische Sänger war nicht leicht zu knacken. Mehr als eine Limousine bekam er selten zu Gesicht. „Da habe ich etwas gemacht, das ich sonst nicht mache: Ich bin ihm mit dem Auto hinterhergefahren“, erzählt Dietmar Meyer. Schließlich wartete er an einer Mülltonne, um den Sänger abzupassen. Weil er mit seiner höflichen Art gut bei ihm ankam, ergatterte er das Autogramm schließlich.

Mit Höflichkeit ans Ziel kommen

Er gehört nicht zu jener Sorte, die mit angespitzten Ellenbogen kreischend stehen. „Würden Sie eventuell, bitte unterschreiben?“, fragt er die Stars und Sternchen. „Mich reizt das ganze Drumherum daran und ich mache es für mich.“ Heute zieht er so dreimal in der Woche los. Ihm entgeht kaum ein Termin. Eines Tages möchte er die Sammlung vererben – finanzieller Wert hin oder her. Für ihn steckt eine ganz persönliche Geschichte mit vielen Erlebnissen dahinter.

Von Anne Knappe

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