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18:19 16.03.2018
In wer weiß wie vielen Tagen um die Welt: Jessica und Benjamin Heese bereisen mit ihrer elf Monate alten Tochter Lena Carlotta („Lotti") den Globus. Quelle: Alle Fotos: privat
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Potsdam/Portland

Wann, wenn nicht jetzt und wer, wenn nicht wir: So könnte – als Antwort, nicht als Frage – das Kapitel heißen, das Benjamin und Jessica Heese aus Babelsberg gerade in ihr Leben schreiben. Eine Weltreise mit Baby, seit mehr als 100 Tagen, Rückkehr unbekannt. Sie machen das, um auszubrechen, die Elternzeit gemeinsam auszunutzen, sich die Betreuung gerecht aufzuteilen, die eigenen Denkweisen bewusst und offen mit der Welt zu konfrontieren und möchten anderen Mut machen, Träume nicht auf die lange Bank zu schieben. „Eine Weltreise machen kann jeder. Es braucht nicht viel, außer Geld und Mut“, berichtet Benjamin Heese in einer Liveschaltung nach Portland an der US-Westküste. „Wir hatten viele Kollegen, die gesagt haben: Das würde ich auch gern machen. Man muss dafür nur die Ärmel hochkrempeln.“

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Seit dem 31. Oktober 2017 sind Jessica und Benjamin Heese mit Baby Lotti aus Potsdam Babelsberg auf Weltreise.

Punkt eins also: Geld. Die Babelsberger sind beide in Elternzeit. Mit dem Elterngeld kommt jeden Monat ein verlässliches Einkommen in die Familienkasse, dazu Kindergeld und ein kleines Zubrot über gewinnbringende Links und Deals auf ihren Onlinekanälen, wo sie „Lottis first worldtrip“ für die Daheimgebliebenen mit Fotos, einer Website und per Videotagebuch dokumentieren. Das außerdem Ersparte häuften sie an, indem sie ihr Auto und andere Gegenstände verkauften. Ihre Wohnung ist bis Juli an ein Paar untervermietet, das Heeses über Ebay-Kleinanzeigen fanden. „Das Teuerste unterwegs sind die Unterkünfte, je nach Anspruch und Budget. Wir buchen keine Hotels, nur Wohnungen mit Selbstversorgung. Fliegen kostet heutzutage kein Geld mehr“, sagt Benjamin Heese. Eine festgelegte Route für den Trip über die Kontinente gab es nie, „das entscheidet man spontan nach Flugpreisen“. Und Visabedingungen. Bei der Unterbringung nutzen die Weltenbummler die Onlinebörse Airbnb, vor Ort neue Kontakte für preiswerte Unterkünfte, sie kommen aber auch, wie aktuell in Nordamerika, bei Freunden unter.

Zweitens: Mut. „Eigentlich bin ich eher der Typ, der kurzen Prozess macht“, sagt Jessica Heese, die kurz vorm Reiseantritt Ende Oktober ihr BWL-Studium abschloss. Bedingung für das Abenteuer war für sie, dass sie als junge Eltern gut mit dem Kind zurechtkommen und Lotti, die im März ein Jahr alt wird, das Reisen gut verträgt. Die bisherigen Stationen Amsterdam, Den Haag, Brüssel, Florida, Costa Rica und Portland hat der Säugling, wenn auch mit Jetlag, gut weggesteckt. Die Zugkraft für das Abenteuer, das liest sich in ihren Reiseberichten, geht vom Kindsvater aus. „Ein radikaler Schritt“, sagt der früher auf seine Karriere fokussierte 29-Jährige dazu, „bringt manchmal mehr, als ewig etwas mitzuschleppen.“ Als ein guter Freund 2015 bei einem Unfall starb, sah das Paar aus Potsdam entscheidende Fragen für sein eigenes Leben plötzlich sehr schnell und klar beantwortet. Ihr Freund war optimistisch: hatte schon ein Haus und Auto angeschafft für Kinder, zu denen ihm die Frau noch fehlte.

Verpasste Chancen müssen sich seitdem beeilen, die zwei, inzwischen drei, noch einzuholen. „Wir sind noch so jung“, sagt die 27-jährige Jessica Heese, ihr Partner: „Die Welt bietet so viel.“ Was er, den vielen Eindrücken zum Trotz, am meisten genießt, ist jeden Schritt und Zahn („der Schatten des vierten ist schon zu sehen“) und jedes Staunen des Kindes mitzuerleben. Es muss doch, denken Heeses, noch etwas anderes geben, als jede Woche 40 und mehr Stunden und oft bis 22 Uhr zu arbeiten für den einen großen Jahresurlaub. Das alles wollen sie sich neu sortieren. Wollen selbstbestimmter, freier leben. Die Reise ist ein Weg dahin, auf dem sie viele Gleichgesinnte treffen. Es komme ihnen manchmal vor, als seien mehr Menschen auf Reisen als daheim. „Die Gefahr einer Weltreise ist, dass man alles hinterfragt und anders sieht“, sagt Benjamin Heese, der bis letztes Jahr die Gebietsleitung einer Bank verantwortete.

Für die einen Eltern „ist das nix“, die anderen reisen ein bisschen mit

Benjamin Heeses Oma ist in einer Zeit aufgewachsen, in dem so eine Weltflucht noch als verwerflich galt. Für Jessicas Eltern selbst „ist das nix“, ihre Schwiegereltern werden drei Wochen mit durch Asien reisen. Anfangs meldete sich das schlechte Gewissen bei der gebürtigen Berlinerin und ihrem Beelitzer, die oft nach Hause telefonieren, weil Lottis Großeltern für lange Zeit nicht den Kinderwagen schieben, nicht ihre Enkelin hochheben und halten können. Auch dafür dokumentieren sie ihre Reise, hat Benjamin Heese sich das Videoschneiden beigebracht und neue leichte Technik inklusive einer Drohne gekauft. „Ansonsten besitzen wir nichts mehr“, sagt Jessica Heese, die diese Freiheit mag. „Bis auf die Eheringe.“

Update: An Lottis 1. Geburtstag war die Familie am Grand Canyon, „stolz wie Bolle“ auf den Nachwuchs, der gerade mit die Welt bereist. Von Portland aus ging es zuletzt durch Utah, Idaho und nach Las Vegas. Von dort schreiben Heeses ganz aktuell: „Las Vegas - muss man gesehen haben, aber: es ist nicht unsere Stadt. Sind wir zu verwöhnt von den tollen Eindrücken der letzten Tagen? Oder ist es einfach mit Kind nicht die richtige Stadt? Hier dreht sich alles nur ums “Geld ausgeben”. Vielleicht ist es auch das?“

Info: Fotos veröffentlichen die weltreisenden Potsdamer auf Instagram unter @lottis_first_worldtrip, so heißt auch ihr Youtube-Kanal mit den Vlogs. Die Website schreibt sich: www.lottisfirstworldtrip.com

Von Michaela Grimm

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