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Potsdam Potsdamer setzen auf Bus und Bahn
Lokales Potsdam Potsdamer setzen auf Bus und Bahn
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19:16 16.03.2018
Im September fährt ein Fahrzeugkorso aus historischen, elektrischen Straßenbahnen durch Potsdam, wie schon zum 100. Geburtstag. Quelle: Foto: Joachim Liebe
Potsdam

Immer mehr Menschen steigen in Potsdam auf Busse und Bahnen um. 34,7 Millionen Fahrgäste hat der Verkehrsbetrieb Potsdam (ViP) im vergangenen Jahr durch die Landeshauptstadt gefahren, genau eine Million mehr als noch 2016. „Wir profitieren vom Einwohnerwachstum der Stadt“, erklärte der kaufmännische ViP-Geschäftsführer, Martin Grießner, Freitag bei einer Pressekonferenz.

Potsdam hatte im vergangenen Jahr die 175 000-Einwohnermarke geknackt – und jede Woche kommen statistisch gesehen 100 neue Einwohner hinzu. Mehr als 13 000 Menschen haben sich ein Monatsabo zugelegt, dazu kommen nun gut 3000 Firmentickets. Die Zahlen würden zeigen, dass der ViP in der Mobilität der Stadt eine wichtige Größe sei, sagte der technische Geschäftsführer, Oliver Glaser. Entsprechend des Fahrgastanstieges sind auch die Einnahmen des Verkehrsbetriebes: 24,6 Millionen nahm der ViP über Fahrkarten ein. Im Vergleich zum Jahr 2016 ist das eine Steigerung von 7,4 Prozent.

Fahrpreise steigern Einnahmen beim ViP

Angesichts des Anstiegs an Fahrgästen von rund drei Prozent sind die Einnahmen auch durch die „Fahrpreisanpassungen“, wie sie der ViP nennt, begründet. So wurde die Kurzfahrstrecke etwa von sechs auf vier Haltestellen reduziert. Viele Nutzer hätten deshalb eher zu regulären Tickets gegriffen. Etliche Menschen hat das jedoch verärgert. Die Änderung soll nun geprüft werden. Die Geschäftsführung steht jedoch hinter der Entscheidung. Würde die Kurzstrecke wieder auf das alte Modell zurückgeführt werden, beträfe das auch sämtliche andere Veränderungen. Die Folge wäre zum Beispiel für jene, die aktuell auf Tageskarten durch die Änderung zurückgreifen, dass Kinder nicht mehr kostenlos mit einem Erwachsenen mitfahren könnten. Es gäbe immer zwei Seiten, bekräftigte Glaser – für die einen wird es besser, für andere etwas schlechter. „Und 2,3 Kilometer, die früher im Schnitt mit einem Kurzticket zurückgelegt werden konnten, sind definitiv keine Kurzstrecke“, sagte er. Im Vergleich beschränke sich in vergleichbaren Städten die Strecke auf unter 1,5 Kilometer. Grundsätzlich würden Verkehrsbetriebe immer als zu teuer angesehen werden. „Damit leben wir“, sagte der technische Geschäftsführer. Letztlich würden von dem Geld wichtige, anstehende Projekte gestemmt.

Neue Dieselbusse für Potsdam

Im Ballungsraum Potsdam müssen mit dem erhöhten Bedarf im Nahverkehr die Kapazitäten gesteigert werden. „Bei solchen wachsenden Zahlen wird es langsam eng in dem einen oder anderen Fahrzeug“, so Glaser. Sechs von acht Combino-Straßenbahnen seien inzwischen in Potsdam unterwegs. Die XL-Straßenbahnen fuhren im Herbst 2017 erstmals auf den Schienen und sind statt 30 Metern mehr als 40 Meter lang. Damit können 70 Gäste mehr fahren als in herkömmlichen Trams. Zwei weitere werden in Kürze folgen. Diese Art der Bahnen wird der ViP künftig ausschließlich anschaffen. Außerdem sind 2018 bereits 24 neue Dieselbusse mit Euro-6-Norm angeschafft worden. Warum gerade Dieselfahrzeuge? „Wir befassen uns intensiv mit alternativen Möglichkeiten, aber noch ist die Technik nicht so reif wie wir uns das wünschen. Da geht es um Reichweite und Verfügbarkeit“, sagte Glaser. Dennoch würden sie erstmals unter 50 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen und damit gut zehn Liter weniger als andere Busse in der Flotte.

Bauunternehmen sind rar

Allein neue Fahrzeuge können den Bedarf an Nahverkehr allerdings nicht decken. Das Verkehrsunternehmen stößt an die Grenzen der Infrastruktur. Die muss ausgebaut werden. Das Land hat mit dem neuen Mobilitätskonzept bis 2022 auch Straßenbahnen berücksichtigt. 48 Millionen Euro gibt es, die ViP schätzt, dass angesichts des weiten Streckennetzes ein zweistelliger Millionenbetrag in die Landeshauptstadt fließen werde.

Im September fährt ein Fahrzeugkorso aus historischen, elektrischen Straßenbahnen durch Potsdam. Dann nämlich gibt es die Tram seit 111 Jahren elektrisch in Potsdam. Quelle: Joachim Liebe

111 Jahre elektrische Straßenbahn

Die erste elektrische Straßenbahn fuhr am 2. September vor 111 Jahren das erste Mal durch Potsdam.

Die Tram wurde zu DDR-Zeiten als mineralölunabhängiges Massenverkehrsmittel gefördert. Heute setzt der ViP auf die Nutzung von Ökostrom.

In Potsdam wird die Straßenbahn laut ViP-Geschäftsführern vor allem auf den Strecken stark genutzt, auf denen die Trams an Staus vorbeifahren.

Das Jubiläum feiert der ViP mit unterschiedlichen Aktionen und Veranstaltungen unter dem Motto „Klassisch mobil“.

Unter anderem kann man auf der Seite www.swp-potsdam.de bei einem Gewinnspiel Freifahrten gewinnen.

111 Geschichten und Fotos sucht der ViP über Potsdams Straßenbahnen. Unter allen Einsendungen von März bis August werden die interessantesten ausgewählt und in einer Broschüre sowie einer speziell gestalteten Bahn veröffentlicht und präsentiert.

Der Höhepunkt des Jubiläumsjahrs ist der 2. September. Geplant ist eine bunte Veranstaltung und ein Fahrzeugkorso aus Trams der letzten 111 Jahre.

Eine wichtige Investition 2018 sei der Bau am Leipziger Dreieck, sagte der kaufmännische Geschäftsführer Martin Grießner. So soll etwa am Hauptbahnhof eine verbesserte Wendesituation für die Straßenbahnen geschaffen werden. Baustart ist im September, die Ausschreibungen sind raus. Allerdings steht der ViP vor einem Problem: „Es gibt einen überhitzen Baumarkt, wir müssen erstmal Firmen finden“, sagt Grießner. Die Baumaßnahmen in der Heinrich-Mann-Allee stehen vor der Planfeststellung. Noch bevor der Antrag eingereicht und die Bürger Einwände einbringen können, soll es eine umfassende Informationsveranstaltung für alle Bürger geben.

Mit der Bahn über Krampnitz nach Fahrland

Unterdessen sind die Planungen zur Straßenbahnverbindung nach Krampnitz angelaufen. Die Strecke soll über Neu Fahrland nach Krampnitz und weiter nach Fahrland führen. Insgesamt wären das gut 7,4 Kilometer Neubaustrecke. „Aktuell wird die technische Machbarkeit geprüft“, sagte Oliver Glaser. Mit Bund und Land hat es bereits erste Gespräche gegeben. Ohne deren Beteiligung sei eine Finanzierung nicht möglich. Überhaupt werde zunächst in zwei Bauabschnitten geplant: von der Innenstadt bis nach Krampnitz-West und dann weiter nach Fahrland. Einen konkreten Zeitplan gibt es bisher nicht, dazu sind Grundstücks-, Naturschutz- und Bürgerfragen zu klären. Spätestens bis Ende des Jahres sollen die Pläne allerdings konkret werden.

Angesichts der vielen Investitionen halten die ViP-Geschäftsführer die Debatte um den für Fahrgäste kostenlosen ÖPNV für schwierig. Dieser Schritt bräuchte eine „Angebotsoffensive“ – mehr Fahrzeuge, mehr Personal, mehr Infrastruktur. „Wie soll ich sonst Fahrgäste begeistern, wenn sie morgens in volle Bahnen oder Busse steigen sollen? Und wir knapsen jetzt schon“, sagte Glaser. Am Ende jedes Tages sei es nur gerecht, wenn sich die Fahrgäste am Angebot beteiligen – das sei schließlich im Schwimmbad oder beim Holen eines Personalausweises auch nicht gratis für Bürger.

Von Christin Iffert

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